In Japan wollen Forscher erstmals Mischwesen aus Mensch und Tier schaffen

In Japan wollen Forscher erstmals Mischwesen aus Mensch und Tier schaffen

Japan erlaubt Geburt von Mensch-Tier-Wesen

Die japanische Regierung hat ein erstes Experimente erlaubt, in denen Lebewesen als eine Mischung aus Mensch und Tier geboren werden dürfen. Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock, hat angesichts der möglichen medizinischen Nutzen vor einer Vorverurteilung solcher Experimente gewarnt.

Wie das Fachjournal Natur berichtet, hat die japanische Regierung dem japanischen Wissenschaftler Hiromitsu Nakauchi von der University of Tokyo und der Stanford University in Kalifornien die Erlaubnis erteilt, eine Chimäre aus Mensch und Tier zu schaffen. Es handelt sich dabei zunächst um einen Tier-Embryo, der Zellen von einem Menschen enthält. Dieser soll anschließend in die Gebärmutter eines Tieres eingepflanzt werden. Das Mischwesen soll dann auch geboren werden. Ziel der Forschung ist es, auf den Mischwesen menschliche Organe zur späteren Transplantation erwachsen zu lassen.

Zwar haben schon andere Forscher auf der Welt versucht, Mischwesen aus Mensch und Tier zu schaffen, doch noch nie wurde offiziell eines davon lebend zur Welt gebracht. Voraussichtlich ab August darf Nakauchi diese Grenze überschreiten.

Wie Spiegel Online berichtet, will der Japaner Ratten mit menschlichen Stammzellen 15,5 Tage in einem Muttertier heranzüchten. Anschließend will er die Mischembryonen über 70 Tage in Schweinen wachsen lassen. Wie das Magazin berichtet, hofft Nakauchi, die Öffentlichkeit vom Sinn seiner Forschung zu überzeugen. Einige Fachleute befürchteten, dass sich die menschlichen Zellen in den Tieren an Orten einnisten könnten, an die sie nicht gehören – etwa im Gehirn – und so beispielsweise die Kognition der Tiere verändern. Ein weiterer Kritikpunkt zielt darauf ab, dass evolutionär weit voneinander entfernte Spezies unterschiedliche Tragzeiten haben. Bei Versuchen mit Schweinen hätten diese Misch-Embryonen aus Mensch und Tier bereits nach vier Monaten geboren werden müssen, anstatt nach neun.

„Es geht nicht um Horrormonster aus Hollywood“

Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock, warnt indes vor einer allzu schnellen Empörung über die Versuche in Japan. Man dürfe die geplante Forschung an Mensch-Tier-Wesen angesichts der medizinischen Vorteile nicht vorschnell verurteilen. „Natürlich ist nachvollziehbar, dass man erst einmal Grusel empfindet“, sagte der Sozialethiker am Mittwoch in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Es gehe bei der Forschungsarbeit nicht um Fabelwesen wie Pegasus, Sphinx, Kentauren „oder irgendwelche Horrormonster aus Hollywood-Trash-Filmen“, so Dabrock. Hinter dem Experiment stehe ein hohes und berechtigtes Ziel, betonte der Theologe.

Er verwies auf den medizinischen Nutzen für alle, der aus der Arbeit resultieren könnte, etwa die Züchtung von menschlichen Bauchspeicheldrüsen in einer Ratte. Auch die Heranzüchtung von Spenderorganen sieht der Ethikexperte grundsätzlich als begrüßenswert an. Schon immer habe man Insulin genetisch auf der Grundlage von Bakterien hergestellt oder Herzklappen von Schweinen beim Menschen eingesetzt.

Andererseits forderte Dabrock eine Debatte um die Tötung von Tieren und ihr mögliches Leiden durch die Versuche. Die Forschung habe Grenzen, ist sich der Theologe sicher. „Was sicherlich nicht geht, ist die Methode ‚Dolly‘ – also einen menschlichen Zellkern in eine tierische Zelle hineinzusetzen - oder auf andere Weise Ei- und Samenzelle von Menschen und Tieren zu verschmelzen“, sagte er.

Von: Jörn Schumacher

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