Der Papyrus P.Bas. 2.43 befindet sich seit über 100 Jahren im Besitz der Universität Basel. Er ist älter als alle bislang bekannten christlich-dokumentarischen Zeugnisse aus dem römischen Ägypten.

Der Papyrus P.Bas. 2.43 befindet sich seit über 100 Jahren im Besitz der Universität Basel. Er ist älter als alle bislang bekannten christlich-dokumentarischen Zeugnisse aus dem römischen Ägypten.

Ältester christlicher privater Brief identifiziert

Ein Papyrus aus dem frühen 3. Jahrhundert ist jetzt als ältester christlicher Privatbrief identifiziert worden. Er zeigt, dass die Christen damals wie heute am politischen und gesellschaftlichen Leben teilnahmen.

Sabine Huebner, Professorin für Alte Geschichte an der Universität Basel, hat einen Papyrus aus dem dritten Jahrhundert als ältesten christlichen privaten Brief identifiziert. Der Papyrus gehört zu einem Archiv mit etwa 1.000 Papyri, das vor mehr als 100 Jahren in Fayum in Ägypten gefunden wurde. Erst rund 400 Papyri seien davon editiert.

Der Brief zeigt, dass die damaligen Christen am poltischen Leben teilnahmen, reisten und Ländereien besaßen. Auch kulinarischen Freuden seien sie nicht abgeneigt gewesen, sagte Huebner nach Angaben des Schweizer Nachrichtenportals Nau. In dem Brief bitte der Absender namens Arrianus seinen reisenden Bruder, „die beste Fischsoße“ mitzubringen, die er finden kann. „Fischsoße war das Maggi der damaligen Zeit“, sagte die Professorin. „Diese Brüder verbanden ihren christlichen Glauben offensichtlich mühelos mit dem Alltag als Mitglied der lokalen Oberschicht.“

Die Entdeckung habe zur Folge, dass die Geschichte der ersten Christen teilweise umgeschrieben werden müsse. Bislang werde vor allem von der Christenverfolgung berichtet, und davon, dass Christen den Kaiserkult verweigert hätten und deshalb wegen Verschwörung gegen den Staat angeklagt worden seien. Die bekannten Quellen zum frühen Christentum stammten vor allem aus der Feder von Bischöfen, sagte Huebner. „Danach stellt man sich vor, dass sich die ersten Christen nur dem Gebet widmeten, allen Reichtum aufgaben, sich für den Märtyrertod bereithielten und reihenweise vor die Löwen sprangen.“

Erkenntnisse „nicht überraschend“

Die Forscherin habe ihre Erkenntnisse in einem neuen Buch über Einblicke in den Alltag der ersten Christen veröffentlicht, berichtet Nau. Darin dokumentiere sie die Datierung des auf Altgriechisch geschriebenen Briefes von Arrianus an seinen Bruder Paulus. Ein Verwandter, der gerade in den Stadtrat gewählt worden sei, werde erwähnt. Diesen Mann habe die Forscherin bereits in anderen Schriften gefunden und wisse daher, dass er im Jahr 239 bereits im Stadtrat saß. Deshalb müsse der Brief vorher entstanden sein.

Sebastian Ristow vom Archäologischen Institut Köln sagte, es sei schwer, Alltagsbeschreibungen aus dem Leben der Christen zu finden, weil die frühen Beschreibungen aus dem Blickwinkel der Kirchenväter stammten. Ristow ist deshalb nicht überrascht darüber, dass die Christen damals am politischen Leben teilnahmen. Genau wie heute hätten sich wahrscheinlich einige tief religiöse Christen vom gesellschaftlichen Leben abgekapselt, andere nicht.

Dass der Absender des identifizierten Briefes Christ ist, zeige sich am Grußwort „Ich bete, dass es dir gut geht – im Herrn“. Auch der Name „Paulus“ deute darauf hin. Der Name sei zu der damaligen Zeit sehr selten gewesen und die Eltern hätten ihren Sohn um 200 wahrscheinlich nach dem Apostel Paulus benannt.

600 Papyri aus der Sammlung sind noch nicht editiert. Es fehle an Experten, die Altgriechisch lesen, die Schrift entziffern, die Texte transkribieren, übersetzen und in den richtigen Zusammenhang einordnen könnten, heißt es auf dem Schweizer Nachrichtenportal. Weltweit gebe es noch Hunderttausende von Papyri aus Ägypten, die entschlüsselt werden müssten.

Von: Swanhild Zacharias

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