Wer darf etwas in der Öffentlichkeit sagen? Das Institut für Demoskopie Allensbach hat eine Umfrage zur Meinungsfreiheit durchgeführt.

Wer darf etwas in der Öffentlichkeit sagen? Das Institut für Demoskopie Allensbach hat eine Umfrage zur Meinungsfreiheit durchgeführt.

Mehrheit meidet öffentliche Äußerungen zu Tabuthemen

Zwei von drei Deutschen achten darauf, was sie zu gesellschaftlichen Konfliktthemen öffentlich sagen. Das geht aus einer Umfrage des Allensbach-Instituts hervor. Vor allem beim Thema Flüchtlinge sind die Deutschen vorsichtig.

Eine Mehrheit der Deutschen schreckt davor zurück, sich zu vermeintlichen Tabuthemen öffentlich ehrlich zu äußern. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Instituts Allensbach. Dabei wurden 14 mögliche Themen abgefragt. Als heikelstes Thema gilt demnach für 71 Prozent der Befragten die Flüchtlingspolitik. Ergebnisse der Studie hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) am Donnerstag veröffentlicht.

Laut Renate Köcher vom Institut für Demoskopie in Allensbach habe sich die Erregung in der Flüchtlingsfrage weitgehend gelegt. „Geblieben ist der Eindruck, dass die Eliten die Sorgen der Bevölkerung nicht ausreichend ernst nehmen und sogar unter Verdacht stellen“, schreibt sie in der FAZ. Schwer tun sich die Befragten auch mit öffentlichen Meinungsbekundungen zum Islam, zu Juden und zum Rechtsextremismus. Auch die AfD werde ungern in der Öffentlichkeit thematisiert.

Patriotismus und Weltoffenheit im Spannungsverhältnis

Als weiteres Tabu-Gebiet hätten sich Vaterlandsliebe und Patriotismus erwiesen. Vor gut zwei Jahrzehnten empfanden 16 Prozent der Befragten Patriotismus als heikles Thema, aktuell liege die Zahl bei 41 Prozent. Heute stünden Patriotismus und Weltoffenheit in einem Spannungsverhältnis. Dazu hätten vor allem nationalistische und europakritische Gruppierungen beigetragen. Mittlerweile sagt jeder Dritte, dass sich ein Politiker hüten sollte, Nationalstolz zu bekunden.

59 Prozent der Befragten äußern im privaten Bereich frei ihre Meinung. Im öffentlichen Raum sehen diese Freiheit für sich nur 18 Prozent. Im Internet sehen 17 Prozent eine Plattform, auf der man unbedenklich seine Meinung vertreten kann. 36 Prozent der Befragten haben den Eindruck, man solle sich dort mit Meinungsbekundungen zurückhalten.

Zu viel „Political Correctness“?

62 Prozent der Befragten sind davon überzeugt, dass ein Politiker mit harter Kritik rechnen muss, der äußert, der Islam habe zu viel Einfluss in Deutschland. Vier von zehn Befragten kritisieren prinzipiell eine übertriebene „Political Correctness“. Für Köcher bestärken nicht nur „unausgetragene Kontroversen über wichtige Entscheidungen, sondern auch die Rigorosität, mit der bestimmte Sprachregelungen eingefordert werden“, den Eindruck, dass Freiheitsspielräume im öffentlichen Raum kleiner würden.

Völlig verständnislos reagierten die Bürger auf nachträgliche Korrekturvorschläge von Romanen, wie Astrid Lindgrens „Negerkönig“. 75 Prozent plädieren für die Beibehaltung der Originalversion. 57 Prozent der Bevölkerung „geht es auf die Nerven, dass einem immer vorgeschrieben wird, was man sagen darf und wie man sich zu verhalten hat“. 76 Prozent hielten die Äußerung von Alexander Gauland, dass die Nazis nur ein „Vogelschiss in über 1.000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“ gewesen seien, für völlig inakzeptabel.

Köcher bilanziert: „Viele Bürger vermissen in dem Sinne Respekt, dass sie mit ihren Sorgen und Postionen ernst genommen werden wollen, dass über wesentliche Entwicklungen offen diskutiert wird und sie von erzieherischer Furor verschont bleiben.“ Für die Umfrage wurden laut Allensbach zwischen dem 3. und 16. Mai bundesweit 1.283 Menschen befragt.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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