Die Geburt von gentechnisch veränderten Babys warf eine medizinethische Debatte auf, ob und in welchem Maße Eingriffe in die menschliche Keimbahn erlaubt sein sollten

Die Geburt von gentechnisch veränderten Babys warf eine medizinethische Debatte auf, ob und in welchem Maße Eingriffe in die menschliche Keimbahn erlaubt sein sollten

Staat bestätigt Geburt genetisch veränderter Babys

China hat die Geburt der ersten genetisch veränderten Babys bestätigt. Der chinesische Forscher He Jiankui muss deswegen juristische Konsequenzen fürchten. Er hatte die Geburt der genetisch veränderten Zwillinge Nana und Lulu Ende November vor einer internationalen Genome-Editing-Konferenz in Hongkong verkündet.

Im November hatte der chinesische Wissenschaftler He Jiankui angekündigt, dass in China genetisch veränderte Zwillinge zu Welt kommen. Die internationale öffentliche Aufmerksamkeit war groß. Doch bisher war unsicher, ob diese Meldung tatsächlich der Realität entsprach. Laut Süddeutscher Zeitung, die sich auf ein Schreiben der amtlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua beruft, hat China nun die Geburt der Kinder bestätigt.

Nach Hes Ankündigung im November hatte der Staat offizielle Untersuchungen eingeleitet. Diese ergaben, dass der Forscher „im Verborgenen“ ein Projektteam mit Mitarbeitern aus unterschiedlichen Ländern gegründet und „damit den Staat unterlaufen“ habe. Die Techniken seien von „zweifelhafter Sicherheit und Effizienz“. Der Wissenschaftler hatte versucht, durch den Einsatz der Genschere Crispr/Cas9 Babys immun gegen den Aids-Erreger zu machen.

Vorbild im Umgang mit ethischen Entgleisungen

Laut Süddeutscher Zeitung ist noch eine zweite Frau mit genetisch veränderten Kindern schwanger. Der Staat werde sie betreuen. Weil He Gesetze umgangen habe, werde sein Verhalten nun strafrechtlich verfolgt. Wissenschaftler aus aller Welt hatten den Eingriff in die menschlich Keimbahn verurteilt. Sie bemängelten unter anderem, dass der Bericht verschweige, mit welchen Maßnahmen man so etwas in Zukunft vermeiden wolle.

Die Genetikerin Yalda Jamshidi erhofft sich aufgrund des Vorfalls ein Vorbild im Umgang mit künftigen ethischen Entgleisungen. Das Genome-Editing dürfe, wie alle medizinischen Eingriffe, nur bei einem echten medizinischen Anlass erlaubt sein. He selbst begründete seinen Schritt, HIV-positiven Paaren ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Der Wissenschaftler Christophe Glichet vom Francis Crick Institut in London sieht das anders. Der Chinese habe die wissenschaftliche Gemeinschaft für seinen eigenen Ruhm hintergangen. „He wusste, dass das, was er tat, unethisch war“, zitiert ihn die Süddeutsche Zeitung.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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