Voodoo-Zauber sollen nigerianische Zwangsprostituierte an ihre Zuhälterinnen binden

Voodoo-Zauber sollen nigerianische Zwangsprostituierte an ihre Zuhälterinnen binden

Mit Voodoo zum Sex gezwungen

Frauen aus Nigeria werden in Deutschland mithilfe von Voodoo zur Prostitution gezwungen. Darüber berichtet das Magazin Der Spiegel in seiner aktuellen Digitalausgabe. Christliche Streetworker in Berlin kennen das grausame Phänomen.

Bevor Frauen wie Joy (Name geändert) mit der Aussicht auf ein besseres Leben nach Deutschland gelockt werden, müssen sie Schamhaare und Fingernägel abgeben und sich einer Voodoo-Zeremonie unterziehen. In ihrer Heimat Benin-Stadt in Nigeria werden die körpereigenen Gewebe in einem Schrein aufbewahrt. Den Frauen versprechen Schleuser eine schöne Zukunft. Einmal in Deutschland angekommen, zwingen Zuhälterinnen, sogenannte Madames, sie auf den Straßenstrich oder ins Bordell. Wer nicht folgt, dem drohen sie damit, die Familien zu Hause bösem Zauber auszusetzen. Als Druckmittel dient der Inhalt des Schreins – und ein Fluch, der sie an ihre Zuhälterin binden soll. Weil Nigeria zwar einerseits christlich geprägt ist, andererseits aber ein Glauben an Zauber und Voodoo verbreitet ist, geht die Rechnung der Zuhälter und Schleuser auf: Die Frauen folgen. Viele von ihnen stehen Tag für Tag in Rotlichtvierteln großer deutscher Städte und bieten sich Männern an.

Über dieses grausame Phänomen berichtet der Spiegel in seiner aktuellen Digitalausgabe. Die Reporter sind für ihre Recherche bis nach Benin gereist, haben mit Behörden und Prostituierten gesprochen und sogar einen Voodoopriester getroffen. Auch mit der deutschen Polizei war der Spiegel im Gespräch. Für einen der Beamten aus Frankfurt am Main, der seinen Namen nicht nennen will, ist der Zwang zur Prostitution durch Voodoo sogar eine Art Spezialgebiet geworden. Gehäuft trete es bei Frauen aus Benin-Stadt in Nigeria auf. Und seit Beginn der Flüchtlingkrise treten immer mehr Afrikanerinnen die gefährliche Reise über das Mittelmeer an – und begeben sich immer häufiger in die Hände von Schleusern. Anreiz ist laut Spiegel auch das Auftreten der wohlhabenden Madames in Benin. Dort zeigten sie ihren Reichtum und viele junge Frauen erhofften sich einen ähnlichen Lebenswandel in Deutschland.

Christlicher Glaube vermischt mit Voodoo

Auch christliche Streetworker aus Berlin kennen Frauen wie Joy. Gerhard Schönborn vom Verein „Neustart“ arbeitet wöchentlich auf dem Straßenstrich Kurfürstenstraße in der Hauptstadt. Dort betreut er Frauen, lädt sie in das vereinseigene Café ein, um in Ruhe mit ihnen über ihr Leben, ihren Weg in die Prostitution und auch über Glaubensfragen zu sprechen. Ein Team serviert Kaffee und belegte Brötchen. Für manche Prostituierte ist das Café der Anfang vom Ausstieg. Auch nigerianische Frauen bieten sich in der Kurfürstenstraße Männern an. Schönborn schätzt, dass in Berlin zwei bis drei Prozent der Prostituierten aus Nigeria kommen. Der überwiegende Teil sei jedoch aus Osteuropa.

Der Streetworker und evangelische Christ nennt das Geschäft mit den Nigerianerinnen ein „durchorganisiertes System". Die Frauen würden hergebracht und sollten dann in Deutschland ihre Schulden abarbeiten, die durch die Reise entstanden sind. Für ihn ist die Situation der Nigeriannerinnen ein „Sonderphänomen". Denn im Gegensatz zu den osteuropäischen Prostituierten seien deren Zuhälter weiblich. Die sogenannten Madames seien oft selbst ehemalige Prostituierte, die sich irgendwann freigekauft hätten, indem sie selbst Frauen rekrutierten. Sie seien so vom Opfer zur Täterin geworden.

Laut Schönborn haben die Nigerianerinnen in der Regel einen christlichen Hintergrund, besuchten in ihrer Heimat oft sogar Kirchgemeinden. Die Vermischung mit dem Voodoglauben aber sei extrem – oft würden die Rituale sogar in Hinterzimmern der Kirchen durchgeführt. Auch wenn sein Verein „Neustart" nur selten mit Frauen aus dem westafrikanischen Land zu tun habe, ist er sich sicher: „Christlicher Glaube kann natürlich helfen, das zu überwinden." Er wünscht sich, dass die Zwangsprostituierten in Berlin, aber auch schon in Nigeria erleben können, dass Flüche keine Macht über sie haben. So erging es auch Joy aus der Geschichte des Spiegel. Eine fremde Frau fragte sie, ob sie an Gott glaube. Das allein habe ihr das Gefühl gegeben, von allen Flüchen befreit zu sein. Sie begab sich in eine Opferberatungsstelle in Frankfurt. Doch es gibt Tausende mehr wie sie: In Frankreich, Italien und auch in Deutschland.

Von: Anna Lutz

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