Wieviel künstliche Intelligenz und Eingriffe in das Erbgut sollten erlaubt sein? Über diese Frage hat die Zeitschrift Chrismon mit einer Medizin-Ethikerin und einem Silicon-Valley-Kenner diskutiert

Wieviel künstliche Intelligenz und Eingriffe in das Erbgut sollten erlaubt sein? Über diese Frage hat die Zeitschrift Chrismon mit einer Medizin-Ethikerin und einem Silicon-Valley-Kenner diskutiert

„Technischen Fortschritt in ethische Bahnen lenken“

Künstliche Intelligenz kann die Medizin voranbringen, birgt aber auch Gefahren. Deshalb seien ethische Empfehlungen für die Forschung nötig, erklärt die Ethikerin Alena Buyx im Magazin Chrismon. Der Autor und Journalist Thomas Schulz hat bei diesem Thema eine andere Sorge.

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Medizin braucht Vertrauen und gute Regulierung, meint die Ethik-Professorin Alena Buyx von der Universität München. Im Gespräch mit dem evangelischen Magazin Chrismon machte sie deutlich, dass medizinisch-technischer Fortschritt in einer Spannung zu ethischen Fragen steht.

Um die Welt besser zu machen, müsse man etwas tun und in den Fortschritt investieren, „sonst braust der Zug an uns vorbei“. Trotzdem habe dieses Engagement Grenzen. Es sei ein Spagat, die Fortschritte zu nutzen, aber sich langfristig nicht von der Künstlichen Intelligenz unterjochen zu lassen: „Wir müssen jetzt die Entwicklung in ethisch und sozial akzeptable Bahnen lenken.“

Laut Buyx dienten neue Technologien dazu, Krankheiten besser vorzubeugen und personalisierte Präzisionsmedizin zu betreiben. Es gehe zudem um bessere Diagnostik und Therapie. Im Silicon Valley, dem wohl wichtigsten Entwicklungsstandort für digitale Technologien, gelte das Motto: „Sei schnell und brich die Regeln.“ Das funktioniere in der Medizin nicht. Klinische Studien bräuchten Zeit. Sie müssten Risiken minimieren und prüfen, ab wann Algorithmen klinische Entscheidung übernehmen könnte. Nutzen und Schaden für den Menschen seien abzuwägen.

„Auch einmal ‚Nein‘ sagen“

Spiegel-Korrespondenten und Silicon-Valley-Kenner Thomas Schulz äußerte im Chrismon-Gespräch den Wunsch, dass Fortschritte schneller beim Patienten ankommen. Er hält es für problematisch, dass einerseits eine eigene Ethik für Eingriffe in das Erbgut diskutiert werde, gleichzeitig in China aber Designerbabys nach eigenen Vorstellungen entstünden. Schulz, Autor des Buches „Zukunftsmedizin“, warnt davor, dass Deutschland in diesem technologischen Bereich von anderen Nationen abgehängt werde. „Wie reagieren wir dann, wenn es ans Eingemachte geht?“

Gleichzeitig sieht er es kritisch, dass solche wichtigen ethischen Fragen aufgrund ihrer Komplexität an einem Großteil der Bevölkerung vorbei diskutiert würden. Ihm sei bewusst, dass sich gerade im technischen Bereich viele Menschen von den Entwicklungen abgehängt fühlten. Bei ihnen sei ein diffuses Gefühl entstanden, „dass die Welt plötzlich so anders ist, dass alles Mögliche auf einen einstürmt“.

Die Ethikerin Buyx wünscht sich eine gute und nachhaltige Technologieentwicklung, ohne fragwürdige Schnellschüsse zu befördern: „Und natürlich werden wir auch mal ‚Nein‘ sagen. Man darf eben nicht alles, was man kann.“ Ethik müsse sich der Geschwindigkeit des Fortschritts anpassen: „Wir brauchen bald Ethikempfehlungen für die weitere Forschung.“ Von einer digitalen Datenmedizin müssten immer die Patienten profitieren.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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