Matthias Quent (rechts) diskutierte mit Yassin Musharbash (links) über die Gefährdungen der Gesellschaft durch Extremisten. Shary Reeves moderierte.

Matthias Quent (rechts) diskutierte mit Yassin Musharbash (links) über die Gefährdungen der Gesellschaft durch Extremisten. Shary Reeves moderierte.

„Terroristen greifen die ganze Gesellschaft an“

Terrorismus ist nicht nur auf seine Opfer gemünzt, sondern will die Gesellschaft einschüchtern. Das erklärte Matthias Quent bei der Fachtagung „Mit Gewalt ins Paradies?“ im hessischen Offenbach. Rechtsextreme und Islamisten hätten dabei einiges gemeinsam.

Wie fordern Rechtsextreme und Islamisten das gesellschaftliche Zusammenleben heraus? Um diese Frage ging es bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Fachtagung „Mit Gewalt ins Paradies?“ im hessischen Offenbach. Der Jenaer Soziologe Matthias Quent erklärte in seinem Impulsreferat, die scheinbare Willkür, mit der die Rechtsextremen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) ihre Ziele aussuchten, verstärke die Botschaft, dass es ihnen nicht so sehr um die Taten selbst, sondern deren möglichen Konsequenzen gegangen sei. Die Taten zielten auf die gesamte Gesellschaft. Dem NSU-Terrorismus sei es gelungen, einen Keil zwischen deutsche Familien und Einwanderer zu treiben, verdeutlichte Quent. Die Angehörigen der Opfer seien bis heute traumatisiert.

Während der Islamische Staat (IS) sich schnell zu allen möglichen Gewalttaten bekenne, sei dies bei Rechtsextremen anders. Sie bekämpften Minderheiten eher und besser aus der Anonymität heraus. Den Rechtsextremen gehe es nicht darum, mit Gewalt ins Paradies zu kommen, sondern die eigene gesellschaftliche Lage durch die Diskriminierung der Minderheit zu verbessern.

Wortwahl kann Schubladendenken fördern

Trotzdem sah Quent im Islamismus und Rechtsextremismus keine Gegensätze. Beide besäßen Gemeinsamkeiten. So reagierten Medien, Politik und Gesellschaft häufig über, wenn sich in diesem Bereich Vorfälle ereigneten. Der Direktor des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft warnte die Gesellschaft davor, beim Umgang mit den Extremen nicht einem einfachen Schubladendenken zu verfallen.

Auch die Wortwahl gebe dabei schon eine Richtung vor. Begriffe wie „die Ungläubigen“ und „der Islam“ bezeichneten nicht nur Einzelne, sondern unterstellten einer Gesellschaft, sie sei radikal. Während bei Islamisten meist von einer Radikalisierung gesprochen werde, spreche man im rechten Spektrum von Extremismus, der oft nichts mit seiner Gesellschaft zu tun zu haben scheine. Quent stellte anhand von wissenschaftlichen Studien auch Parteiaffinitäten her. 87 Prozent der AfD-Anhänger hätten Angst vor Anschlägen aus dem islamischen Umfeld. Diese Zahl liege 25 Prozent höher als bei den CDU-Anhängern.

„Demokratie muss lebendiger werden“

Yassin Musharbash, Redakteur der Wochenzeitung Die Zeit und Autor unter anderem des Buches „Die neue Al-Qaida. Innenansichten eines lernenden Terrornetzwerks“, betonte, dass sich Rechte und Salafisten gegenseitig benutzten und sich gegen die Mitte der muslimischen Community richteten: „Damit attackieren sie die deutsche Gesellschaft. Sie wollen nicht mehr, dass es eine Mittelposition gibt.“ Die komplette Vermischung von allem, was die Gesellschaft getrennt diskutieren wolle, führe zu einem vollständigen Stress. Der Salafismus mache vielen ein besseres Angebot als die eigene Demokratie: „Sie versteckt sich und ist unsexy. Unsere Demokratie muss lebendiger werden.“

Zu der Tagung „Mit Gewalt ins Paradies?“ hatte die Bundeszentrale für politische Bildung gemeinsam mit dem Integrationsbüro des Kreises Offenbach eingeladen.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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