Podiumsgespräch am SEA-Medientag 2018 mit Guiseppe Gracia (2.v.r.) und Medienforscher Vinzenz Wyss (r.)

Podiumsgespräch am SEA-Medientag 2018 mit Guiseppe Gracia (2.v.r.) und Medienforscher Vinzenz Wyss (r.)

Forscher: Kaum Fachwissen über Religion in Redaktionen

Beim Medientag der Schweizerischen Evangelischen Allianz machte der Medienforscher Vinzenz Wyss deutlich, dass Religion selten ein Thema in den säkularen Medien sei. Auch das Fachwissen darüber habe in den Redaktionen abgenommen. Der Kommunikationsberater Guiseppe Gracia riet, den christlichen Galuben wieder „sagbar“ zu machen.

Zum Medientag vom 23. November 2018 kamen 60 Personen aus Kirchen, christlichen Werken und Medien in die Samsung Hall in Dübendorf, um sich mit der Darstellung der (Frei-)Kirchen in den Medien zu beschäftigen. Der Medienforscher Vinzenz Wyss, Professor für Journalistik an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, stellte in seinem Referat fest, dass Journalisten meist keine Fachpersonen bezüglich Religion seien und die Vertreter der Freikirchen nicht wirklich Kontakt mit Journalisten pflegten. Er stellte Ergebnisse verschiedener Studien vor.

Religion sei kaum ein Thema, oder nur im Zusammenhang mit Irritationen und Skandalen, gemischt mit politischen, finanziellen, sexuellen oder kriminellen Aspekten. Die einzige Fachredaktion „Religion“ bestehe noch beim Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). In Newsrooms der anderen Medien sei viel Fachwissen bezüglich Religion verlorengegangen. Journalisten seien oft für verschiedene Ressorts zuständig und stünden unter hohem Zeitdruck. 2008 hätten sich 32,4 Prozent der Journalisten in der Schweiz als religionslos bezeichnet, 2015 lag die Zahl bei 46,8 Prozent, so Wyss. Überrascht habe ihn, dass über Freikirchen in der Schweiz fast gleich negativ berichtet werde wie über nicht-christliche Religionen. Laut Wyss wird in lokalen und regionalen Medien über Freikirchen weit weniger negativ berichtet als in großen Medien mit großer Verbreitung.

„Vom christlichen Menschenbild sprechen, ohne zu moralisieren“

Giuseppe Gracia, Schriftsteller und Kommunikationsberater, machte klar, dass die Kernsubstanz des christlichen Glaubens den Zeitgeist infrage stelle und als Spaßbremse wahrgenommen werde. Dies sei einer der Gründe für die oft negative Darstellung der Kirchen in den Medien. Für eine positive Vermittlung des Glaubens gehe es darum, dass der Glaube von seiner Substanz her neu sagbar gemacht werden müsse.

Gracia gab den Medieninteressierten drei Grundsätze für eine gute Medien- und Kommunikationsarbeit mit: Es sei nicht konstruktiv, zu moralisieren. Vielmehr gelte es, vom christlichen Menschenbild zu sprechen. Es gehe darum, Horizonte zu öffnen, indem die eigentlichen Sehnsüchte der Menschen, nach Verbindung, Liebe und Gemeinschaft, angesprochen würden. Aufklären über die Aufklärung: Freiheit, Gleichheit und Menschenwürde seien in der Antike undenkbar gewesen. Sie seien erst durch den Einfluss des Christentums in jenen Regionen denkbar geworden, in denen vorwiegend Christen gelebt hätten. Jesus habe sich für die Trennung von Kirche und Staat eingesetzt. Christen sollten deshalb nicht als Gegner einer liberalen Gesellschaft gegenüberstehen, sondern ihren Glauben bezeugen, der vom christlichen Menschenbild geprägt sei.

Podium: „Raus aus der Schublade“

Im Umgang mit Journalisten und für eine gelingende Medienarbeit riet Gracia in der Podiumsdiskussion, dass die christliche Wahrheit mit Argumenten und auf der Sachebene wieder thematisiert werden solle. Dabei gelte es das Wort von Friedrich Dürrenmatt zu bedenken: „Der Wissende weiß, dass er glauben muss, nur der Unwissende glaubt, dass er weiß.“ Man müsse die zu vermittelnden Inhalte, wie Glaubenssätze, kennen und sich überlegen, wie man sie am besten kommunizieren könne, damit sie verstanden würden.

Auf die Frage von Markus Baumgartner, Moderator der Podiumsdiskussion, wie die Bezeichnung „Freikirche“ wahrgenommen werde, sagte die Mehrheit der fünf Teilnehmenden, dass die Bezeichnung „Sekte“ und „Freikirche“ oft in den gleichen, abwertenden Topf geworfen werde. Die Bezeichnung „Freikirche“ sei nicht mehr zu retten, besser wäre es, sich „Kirche“ zu nennen.

Dieser Text erschien zuerst bei livenet.ch. Wir danken für die freundliche Genehmigung für die Veröffentlichung des Textes.

Von: Herbert Bodenmann, Florian Wüthrich/Livenet

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