Benedikt XV. wurde eine der prägenden kirchlichen Gestalten des Ersten Weltkrieges. Er lehnte den Krieg vehement ab, stieß dabei in seiner Kirche aber auf taube Ohren.

Benedikt XV. wurde eine der prägenden kirchlichen Gestalten des Ersten Weltkrieges. Er lehnte den Krieg vehement ab, stieß dabei in seiner Kirche aber auf taube Ohren.

Der Friedenspapst

Benedikt XV. wurde am 3. September 1914 zum Papst gewählt. Damit wurde er zu einer der prägenden kirchlichen Gestalten des Krieges. Nicht nur, weil er den Krieg vehement ablehnte, sondern auch, weil er in seiner Kirche auf taube Ohren stieß. Dieser Beitrag ist Bestandteil der pro-Themenwoche zum Ersten Weltkrieg, der vor 100 Jahren endete.

Der Erste Weltkrieg überschattete das Pontifikat von Benedikt XV. Weil er sich vehement gegen den Krieg wandte, wurde er als „Friedenspapst“ bekannt. Er konnte nicht nachvollziehen, warum die Nationen für den Krieg schwärmten. Der Theologe und promovierte Jurist, der mit bürgerlichem Name Giacomo della Chiesa hieß, wurde 1878 zum Priester geweiht.

Den größten Teil seiner kirchlichen Laufbahn verbrachte Benedikt XV. im Vatikan. Als Erzbischof von Bologna wurde er am 25. Mai 1914 Kardinal. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, hielt er eine Rede, in der er die Position und Aufgabe der Kirche angesichts der Weltlage beschrieb. Neutralität und der Wille zum Frieden waren für ihn notwendig. Außerdem sollte so viel Leid wie möglich vermieden werden.

Strikte Neutralität und Friedensverhandlungen

Bei seiner Wahl zum Papst am 3. September setzte er sich im 10. Wahlgang mit 38 zu 18 Stimmen gegen Domenico Serafini durch. Die kommenden Kriegsjahre und deren Auswirkung prägten seine Amtszeit. In seinen Äußerungen wahrte Benedikt XV. strikte Neutralität, organisierte humanitäre Hilfe und unternahm mehrere erfolglose Versuche zu Friedensverhandlungen.

Das erste Rundschreiben „Ubi primum“ erließ er wenige Tage nach seinem Amtsantritt am 8. September 1914. Er wandte sich an die kriegsführenden Nationen und alle Katholiken dieser Welt. Äußerst scharf klagte er den Kriegsausbruch an. Bitter und entsetzt stellte er fest, dass in diesem Krieg das Blut der Christen fließe und dass Teile Europas vom Feuer verwüstet werden würden. Damit stellte sich der schmächtige Mann der Meinung des gesamten Kontinents entgegen.

Der Papst bezeichnete sich in dem Schriftstück als Vater und Hirte und rief zur Rettung des Friedens auf. Er wollte alle ihm zur Verfügung stehende Macht nutzen, um „dieses Unheil von seiner Herde“ abzuwenden. Er schrieb: „Deshalb werden wir Gott mit den Augen und Händen zum Himmel erhoben anflehen. Wir mahnen und beschwören alle Kinder der Kirche und besonders die Regierenden. Wir bitten zu Gott, damit er die Geißeln der Wut, durch seine Barmherzigkeit und Gerechtigkeit von den Sünden der Völker entferne.“ Benedikt XV. beschwor diejenigen, denen das Schicksal der Völker anvertraut worden sei, und forderte sie auf, den Zwist im Interesse der menschlichen Gesellschaft einzustellen.

Grauenhafte Schlächterei

1915 wandte er sich erneut in seiner „Exhortatio Allorché fummo chiamati“ (deutsch: „Als Wir gerufen wurden“) an die Nationen. Mit drastischen Worten bezeichnete er den Krieg als grauenhafte Schlächterei („orrenda carneficina“). Besonders bekannt wurde seine Friedensnote „Dès le début", die er am dritten Jahrestag des Kriegsbeginns erließ. Darin bot der Papst sich als neutraler Vermittler aller Mächte an. Er forderte Abrüstung, eine effektive internationale Schiedsgerichtsbarkeit, um Kriege zu vermeiden und den Verzicht auf Gebietsabtretungen.

Damit griff der Vatikan wesentliche Grundzüge der internationalen Friedensbewegung der Vorkriegszeit auf. Fast alle Kriegsparteien sahen sich durch die Pläne benachteiligt. Der Vatikan wurde sogar von den Verhandlungen zum Waffenstillstand ausgeschlossen. Am 23. Mai 1920 veröffentlichte der Papst eine weitere Enzyklika „Pacem dei munus“. Sie war ein Plädoyer für die Versöhnung der Völker. Benedikt XV. wandte sich darin gegen die harten Maßnahmen der Sieger im Friedensvertrag von Versailles. Nach dem Krieg überwies er bei einer Hungersnot in Russland eine Million Lire als Hilfsmaßnahme.

Die Friedensdoktrin Benedikts XV., der am 22. Januar 1922 im Alter von 67 Jahren an einer Lungenentzündung starb, wurde Bestandteil des kirchlichen Lehramts seiner Nachfolger. Er hatten seinen Priestern eingeschärft, nie „in der Sprache des Hasses“ zu reden. Das zweite vatikanische Konzil forderte dann, einen Zustand der Welt herbeizuführen, in dem der Krieg völlig untersagt wird. Joseph Ratzinger stellte sich mit seiner Namenwahl als neuer Papst 2005 bewusst in die Tradition des Friedenspapstes und seinen Einsatz für den Frieden.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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