Soll dem Braunkohleabbau weichen: der Hambacher Forst

Soll dem Braunkohleabbau weichen: der Hambacher Forst

EKD fordert Stopp der Rodungsmaßnahmen

Die Evangelische Kirche in Deutschland hat in einer Stellungnahme mit Sorge und Unverständnis darauf reagiert, dass weitere Flächen des Hambacher Waldes zur Rodung vorbereitet werden. Dies sei ein fatales Zeichen und stelle die Klimaschutz-Ziele in Frage.

Der Energiekonzern RWE möchte weitere Flächen des Hambacher Waldes in der Nähe des nordrhein-westfälischen Stadt Düren roden, um dort weiter Braunkohle abzubauen. Darin sieht die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ein fatales Zeichen, weil damit auch die Ziele des Klimaschutzes infrage gestellt würden. Das äußerten der Beauftragte des Rates der EKD für Umweltfragen, Hans Diefenbacher, und die Referentin für Nachhaltigkeit im Kirchenamt der EKD, Ruth Gütter, in einer Pressemitteilung.

Die Bundesregierung habe sich Ziele für den Klimaschutz gesetzt. Diese seien nur mit einem möglichst schnellen Ausstieg aus der Kohleförderung zu erreichen. Bevor weiter Wälder gerodet würden, sollten die Ergebnisse der „Kohlekommission“ am 11. Dezember 2018 abgewartet werden. Die Kommission hatte die Bundesregierung eingesetzt. Sie soll Maßnahmen zur sozialen und strukturpolitischen Entwicklung der Braunkohleregionen sowie zu ihrer finanziellen Absicherung entwickeln und vorlegen. Oberstes Ziel aus Sicht der Kirchen sei es, die deutschen Klimaziele bis 2030 zu gewährleisten. Je nach Kommissionsergebnis könne das Braunkohle-Abbaugebiet vielleicht nicht nötig sein.

Wenn sich ein weiterer Kohleabbau als unumgänglich für die Versorgungssicherheit erweise, hätte man nur wenige Monate in Hambach verloren. „Wenn ein Kohleausstieg jedoch auch anders geplant werden kann, wäre die Rodung des Waldes – eine unumkehrbare Zerstörung von über Jahrhunderte gewachsener Natur – überflüssig gewesen“, heißt es in der Stellungnahme der EKD. Die Deutsche Evangelische Allianz wollte sich auf Anfrage von pro nicht zu dem Thema äußern.

Deutliche Einsparungen erreicht

Die EKD-Synode habe sich bereits 2016 klar für eine konsequente Dekarbonisierung der Energiewirtschaft in Deutschland ausgesprochen. Sie appellierte an die Bundesregierung, den sozialverträglichen Ausstieg aus der Kohleförderung möglichst bald in die Wege zu leiten und dazu alle Betroffenen einzubinden. Die EKD habe auch die CO2-Einsparziele der Bundesregierung ausdrücklich begrüßt und selbst durch verschiedene Maßnahmen in den Landeskirchen CO2 einsparen können, heißt es in der Mitteilung.

Es gehe darum, die Erde als Gottes gute Schöpfung für nachfolgende Generationen zu erhalten, betonten die EKD-Beauftragten. Genau wie die Evangelische Kirche im Rheinland und der Umweltbeauftragte der Evangelischen Kirche von Westfalen fordert die EKD einen sofortigen Stopp weiterer Maßnahmen zur Rodung des Hambacher Waldes, bis das Ergebnis der Kohlekommission vorliegt. Bei der aktuellen Debatte gehe es um die „Glaubwürdigkeit Deutschlands als Vorreiter im Klimaschutz und um die Verantwortung für die Erhaltung der Lebensgrundlagen für kommende Generationen“.

Aktuell versuchen Umweltaktivisten die Rodung des Waldes zu verhindern. Die Polizei geht gegen die teilweise in Baumhäusern verschanzten Aktivisten vor. Dafür war laut Tagesschau ein Großaufgebot von zwischenzeitlich bis zu 4.000 Polizisten im Einsatz, um das Protestcamp zu räumen. Während der Staat auf die Durchsetzung von Recht und Gesetz pocht, bemängeln die Aktivisten, dass sich die Politik zum Handlanger eines Energiekonzerns macht, auf Kosten des Klimas und der Natur.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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