Der Ritz-Carlton-Gründer Horst Schulze ist der geborene Hotelier

Der Ritz-Carlton-Gründer Horst Schulze ist der geborene Hotelier

Ritz-Carlton-Gründer: Ultra-Luxus und Jesus Christus

Ritz-Carlton-Gründer Horst Schulze schaffte es „vom Tellerwäscher zum Millionär“. Mit Charisma und Disziplin erreichte der gebürtige Rheinland-Pfälzer mit seinen Luxushotels das, wovon andere Unternehmer träumen. Doch der Milliardär ist auf dem Boden geblieben. Sein Glaube erdet ihn.

Seine Frau weigert sich, mit ihm in seinen eigenen Hotels Essen zu gehen. Denn Horst Schulze kann die Arbeit nicht einfach Arbeit sein lassen. Dafür legt er zu viel Wert auf den perfekten Service – in diesem Fall darauf, nicht zu lange auf die einzelnen Gänge warten zu müssen. Es ist schon vorgekommen, dass er in die Hotelküche stürmte und den Angestellten erklärte, dass die Geschäftsleute unter den Gästen nie wieder kommen werden.

Schulze wurde schon als „Welthotelier“ ausgezeichnet. Der Internationale Touristikverband Hotel & Travel worldwide kürte ihn im Jahr 2002 zum bedeutendsten Hotelier aller Zeiten. Und der damalige US-Präsident George W. Bush verlieh ihm in den Neunzigern den „Malcom Baldrige National Quality Award“, die höchste Qualitätsauszeichnung in den USA. Der Preis wird auch „Wirtschafts-Oscar“ genannt.

Der heute 80-Jährige gründete 1983 die Ritz-Carlton-Hotels und war lange Zeit deren Vorstandsvorsitzender, bevor er 2002 mit der Ultraluxus-Marke Capella nochmals eine neue Hotelkette startete. Denn der Ruhestand war nichts für ihn. Gerade einmal ein Wochenende hielt er das Rentnerleben nach dem Verkauf seiner Ritz-Carlton-Anteile durch, bevor er zu seiner Frau sagte: „Ich mache es nochmal.“ Acht Hotels gehören weltweit zu Capella, in Deutschland ist es der Breidenbacher Hof in Düsseldorf.

Schulzes Lebenslauf liest sich wie der amerikanische Traum „vom Tellerwäscher zum Millionär“. Dabei ist er gar kein Amerikaner – auch wenn sein Akzent mittlerweile so klingt. Er rollt das „R“ wie es jeder Amerikaner tun würde, der Deutsch spricht. In Winningen an der Mosel in den Dreißigerjahren geboren, begann er mit 14 Jahren eine Kellnerlehre im Kurhotel Bad Neuenahr. Die Branche faszinierte ihn, schon als Kind wusste er, dass er dort arbeiten wollte. In den folgenden Jahren heuerte er in den führenden Hotels Europas als Kellnerlehrling, Kochlehrling und -gehilfe an. Auch wenn er in Luxushotels wie dem Bourgeoise Palast Lausanne, dem Bellevue Palast in Bern und im Savoy Hotel in London arbeitete – sein eigenes Leben war zunächst alles anderes als luxuriös. „Ich habe in Paris in Zimmern gelebt – das können Sie sich nicht vorstellen“, sagt er heute. „Ich weiß, was Luxus ist, und ich weiß, was Armut ist.“ Er wisse auch um jeden Job seiner Angestellten und die damit einhergehenden Herausforderungen, „denn ich habe sie alle selbst ausgeübt“. Vielleicht versucht Schulze deshalb, auf dem Boden zu bleiben. Auch wenn Geld jetzt keine Rolle mehr spielt, vermeidet er im Privaten allzu viel Luxus. Es sei sehr leicht, sich an ein Luxusleben zu gewöhnen, aber auch gefährlich, sagt er. „Wir leben ein relativ normales Leben.“ Der Hotelier ist Vater von vier Töchtern. Zu Hause gebe es keinen Butler oder ähnliche Annehmlichkeiten, die in seinen Hotels zum Standard gehören.

Wenn Schulze von seinen Hotels erzählt, ist er in seinem Element. Er gestikuliert viel und sprüht förmlich vor Begeisterung. Er mag den Begriff „Arbeit“ auch nicht. Er spricht viel lieber vom „Erschaffen“. Man solle nicht arbeiten gehen, um eine Funktion zu erfüllen. „Alles, was ich mache, mache ich, um ein Ziel zu erreichen“, sagt er.

„Jeder weiß, dass ich ein Christ bin“

Das vermittelt er auch seinen Mitarbeitern. In seinen Hotels würden nicht einfach Bewerber eingestellt. „Wir suchen Mitarbeiter aus, die Talent haben.“ Das Prinzip gilt für ihn vom Zimmermädchen bis zum Hotelmanager. „Wir sagen unseren Mitarbeitern: ‚Kommt, um an unseren Träumen teilzunehmen.‘“ Dabei macht er eine ausholende Geste. In diesem Moment ist er ganz der amerikanische Selfmade-Man. Der Hotelier ist überzeugt: Wer sich zugehörig fühlt und auch wer Wertschätzung erfährt, der leis-tet die bessere Arbeit.

Christliche Werte zu leben ist für Schulze ein Grundprinzip. Denn der Hotelier ist gläubig und will das auch als Unternehmer repräsentieren. Er hänge den Glauben zwar nicht an die „große Glocke“, aber „jeder weiß, dass ich ein Christ bin“. Sei es in seinen Hotels in Asien, im Mittleren Osten, in Amerika oder Deutschland. „Den Menschen zu achten, ist das Größte als Christ“, sagt er. Jeder Mensch sei von Gott geschaffen. Deshalb dürfe niemand behaupten, dass er besser als jemand anderer sei. Schulze erklärt das mit Nachdruck und ernstem Blick. Er war es auch, der den Satz „We are Ladies and Gentlemen serving Ladies and Gentlemen“ prägte, der mittlerweile in jedem Hotelfachbuch zu finden ist. Mitarbeiter dürfen nicht wie Leibeigene behandelt werden, heißt das. Auch wie er mit seinen Gästen umgeht, leitet er aus christlichen Prinzipien ab: „Wenn ein Gast kommt, behandele den Gast, als ob es Jesus selbst wäre.“ Diesen Spruch des Heiligen Benedikt hat sich Schulze zu eigen gemacht. Er findet: „Das ist Service.“

Mit braunem Reis und Seetang gegen Krebs

Vielleicht hat er deshalb den Anspruch, immer besser zu werden. Schulze ist kein Mensch, der sich auf seinem Erfolg ausruht. Gut ist für ihn nicht gut genug. „Ich will die Gold- und nicht die Silbermedaille“, sagte er einmal. Und über Service­leistungen in der Ultraluxus-Klasse: „Ein Nein ist eine Todsünde.“ Wenn einer der Gäste Sex suche, werde allerdings „höflich auf die Gelben Seiten“ verwiesen. „Wir sind keine Escort-Agentur“, sagt der Hotelier.

Er ist kein Aufgeber-Typ. Vor vielen Jahren wurde bei ihm Darmkrebs diagnostiziert. Die Ärzte gaben Schulze nur noch wenige Monate zu leben. Doch der Unternehmer nahm sein Schicksal nicht einfach hin. Er suchte aktiv nach Behandlungs-Alternativen und fand sie schließlich bei einem Japaner, der auf makrobiotische Diäten spezialisiert war. Zwei Freunde hatten ihm unabhängig voneinander davon erzählt. Für Schulze als Gläubigen war das ein Zeichen. Zwei Jahre lang ernährte er sich ausschließlich von braunem Reis, Seetang, Tofu und Wasser. Kein Salz, keine Gewürze. Der Krebs verschwand und kam nie wieder.

Mehr Zeit zum Fischen

Ultra-Luxus, den er mit seinen Capella-Hotels anstrebt, bedeutet nicht unbedingt Pomp und Marmor. Das gebe es natürlich auch, weil die Gäste es häufig von zu Hause gewohnt seien. „Wirklicher Luxus heißt aber, dass wir den Gast so behandeln, wie er behandelt werden will.“ Schulze betont die „Selbstbestimmung“. In seinen Hotels gibt es keine festen Zeiten zum Ein- oder Aus- checken. Alles ist zu jeder Uhrzeit möglich. Ein Geschäftsmann, der durchgängig reist, müsse zum Beispiel nach seinem 28-stündigen Flug alles auf ihn zugeschnitten vorfinden. „Dieser Mensch, der dauernd arbeitet, kann es sich nicht leis-ten, in ein Hotel zu gehen, in dem nicht alles perfekt ist.“

Schulze weiß, wovon er spricht. Noch bis vor Kurzem jettete er 200 Tage im Jahr um den Globus. Mittlerweile versucht er, alles etwas langsamer zu machen – zumindest für seine Verhältnisse. Seine Anteile an Capella hat er jüngst verkauft. Er arbeitet immer noch viel, ist in verschiedenen Vorständen und reist, um Vorträge zu halten. Es sei aber nicht mehr ganz so viel wie früher. Schließlich sei er jetzt 80 Jahre alt, da müsse man langsamer machen. „Ich bin jetzt mehr zu Hause mit der Frau, in die ich verliebt bin“, sagt er über seine Ehefrau und lächelt. Zu Hause, das ist derzeit in Atlanta. Da hat Schulze ein Haus, in dem auch seine Töchter aufwuchsen. Wahrscheinlich ist er jetzt auch öfter in seinem Strandhaus in Florida und fährt zum Fischen raus. Aber das hatte er auch nach seinem Abschied aus dem Ritz-Carlton vor ...

Dieser Text ist in der Ausgabe 3/2018 des Christlichen Medienmagazins pro erschienen. Bestellen Sie pro kostenlos hier.

Von: Swanhild Zacharias

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