Jan und Aleida Assmann werden unter anderem für ihre Ideen zur Erinnerungskultur und zum Zusammenhang von Religion und Gewalt geehrt

Jan und Aleida Assmann werden unter anderem für ihre Ideen zur Erinnerungskultur und zum Zusammenhang von Religion und Gewalt geehrt

Religionswissenschaftler erhalten Friedenspreis des deutschen Buchhandels

Das Forscherehepaar Aleida und Jan Assmann hat am Sonntag den diesjährigen Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten. Geehrt werden die Religions- und Kulturwissenschaftler unter anderem wegen ihrer Ideen zum Verhältnis von Religion und Gewalt. Auch unter Theologen ist das Ehepaar Assmann nicht unbekannt.

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ging dieses Jahr an das Forscherehepaar Aleida und Jan Assmann. Die Verleihung fand am Sonntag in der Paulskirche in Frankfurt/M. zum Abschluss der dortigen Buchmesse statt. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert. Preisträger Jan Assmann ist für die Theologie mit seinen Thesen zum Monotheismus von Bedeutung.

Seine Frau, Aleida Assmann ist Anglistin, Ägyptologin, sowie Literatur- und Kulturwissenschaftlerin. Sie forscht schwerpunktmäßig über kulturelle Phänomene rund um das Erinnern und Vergessen. Bekannt wurde sie unter anderem mit dem Konzept des „kulturellen Gedächtnisses“, das sie zusammen mit ihrem Mann entwickelte. Damit sind die kollektiven Erinnerungen und Traditionen eines Kulturraums gemeint. Einschneidende Ereignisse wie der Holocaust hinterlassen nach dieser Theorie auch Generationen später tiefe Spuren im kollektiven Gedächtnis, selbst wenn der einzelne Mensch keine persönlichen Erinnerungen an sie hat. Die Theorie bietet wichtige Impulse rund um die Themen Geschichtsvergessenheit und Erinnerungskultur.

Dazu heißt es in der Erklärung zur Preisverleihung über Aleida Assmann: „Angesichts einer wachsenden politischen Instrumentalisierung der jüngeren deutschen Geschichte leistet sie in hohem Maße Aufklärung zu Fragen eines kulturellen Gedächtnisses einer Nation. Ihr Werk weist darauf hin, dass ein offener und ehrlicher Umgang mit der Vergangenheit grundlegende Bedingung für ein friedliches Miteinander ist.“

Beitrag zum Verhältnis von Frieden und Religion

Jan Assmann ist Ägyptologe, Kultur- und Religionswissenschaftler. Durch seine Arbeiten zur Entstehung des Monotheismus ist er auch in der theologischen Fachwelt hoch angesehen. Er verortet den Beginn des Glaubens an einen statt an mehrere Götter im Auszug der Israeliten aus Ägypten und bezeichnet diesen Wendepunkt daher als „Mosaische Unterscheidung“. Mit dem Monotheismus sei die Idee einer religiösen Lehre entstanden, die exklusive Wahrheit für sich beansprucht. Das habe auch zum Aufkommen religiöser Gewalt entscheidend beigetragen.

Den Friedenspreis erhält Jan Assmann unter anderem wegen solcher Forschungen zum Zusammenhang von Religion und Gewalt sowie zur Entstehung von Wahrheitsansprüchen und Intoleranz. Damit „leistet er einen unverzichtbaren Beitrag zum Verständnis der Friedensbereitschaft und Friedensfähigkeit der Religionen in der Weltgesellschaft von heute“, heißt es in der Erklärung.

„Neues Testament ruht auf den Schultern des Alten“

1978 gründete das Ehepaar den Arbeitskreis „Archäologie der literarischen Kommunikation“. Neben der allgemeinen Theorie des kollektiven Gedächtnisses greifen die beiden Forscher darin auch Themen auf, die für die Gegenwart relevant sind, etwa die gesellschaftliche Erinnerungskultur zum Holocaust.

Aleida und Jan Assmann haben fünf Kinder und leben in Konstanz. In der theologischen Fachwelt auf sich aufmerksam machte Jan Assmann zuletzt 2015, als er den Berliner Systematischen Theologen Notger Slenzcka für dessen Vorschlag kritisierte, das Alte Testament aus dem christlichen Kanon zu streichen. „Für mein Verständnis steht das Neue Testament auf den Schultern des Alten Testamentes, und ich würde mich hüten, die Basis zu schwächen, die mich trägt“, sagte Assmann damals.

Von: Martin Jockel

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