Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich hat bei seinem Rücktritt betont, dass er bei Gott Halt findet.

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich hat bei seinem Rücktritt betont, dass er bei Gott Halt findet.

Authentisches öffentliches Glaubensbekenntnis

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich hat bei seinem Rücktritt betont, dass er bei Gott Halt findet. Der Soziologe Armin Nassehi analysiert die Beweggründe des CDU-Politikers dafür.

„Gott schütze Sachsen und alle Menschen, die in unserem Land leben.“ Mit diesen Worten hat der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich seine Rücktrittsrede beendet. Die Wortwahl überrascht den Soziologen Armin Nassehi, erklärt er in einem Interview, das in der Zeit-Beilage „Christ und Welt“ zu lesen ist.

Nassehi sieht in dem klaren Bekenntnis Tillichs dessen Versuch, sich innerhalb der CDU als Konservativer zu verorten. Der Politiker habe damit seinen eigenen Wertekern verdeutlicht. An solche öffentlichen Glaubensbekenntnisse von Politikern sei die deutsche Gesellschaft nicht gewöhnt. In Ostdeutschland schrecke dies viele sogar ab.

Authentische Rede ohne weitere Konsequenzen

Als ostdeutscher, sorbischer Katholik befinde sich Tillich in einer mehrfachen Diaspora-Stellung. „Das macht es in diesem Fall sagbarer.“ Die Gesellschaft sei so weit säkularisiert, dass es politisch kaum möglich sei, auf religiösen Bekenntnissen einen Kulturkampf aufzubauen.

Wenn Minister bei einer Vereidigung den religiösen Zusatz „So wahr mir Gott helfe“ wählten, sei dies ein Teil „des Trends zur authentischen Rede ohne weitere Konsequenzen“. Wenn sich aber eine Regierungserklärung auf den Glauben beziehe, „dann verbindet man plötzlich sein politisches Programm mit einer religiösen Haltung. Das funktioniert in Deutschland nur sehr begrenzt.“

Wenn hochrangige Politiker wie Thomas de Maizière, Hermann Gröhe (beide CDU) oder Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen) ihren Glauben offen zeigten, gehe es aus Nassehis Sicht „nicht so sehr um Religion, sondern um die Institution Kirche“. Sich in kirchlichen Gremien oder beim Kirchentag zu engagieren, sei eine eher politische Form des Religiösen: „Diese Gremien sind doch sehr geschlossen und eindeutig politische Spieler.“

Im ehemaligen Bundespräsidenten und Pfarrer Joachim Gauck sieht der Wissenschaftler eher einen „Chefsprecher der Evangelischen Kirche in Deutschland“ als einen bekenneden Gläubigen. Tillich dagegen habe „sich selbst und nur sich selbst mit religiösen Worten positioniert, aber keine religiösen Ansprüche gestellt“. Das sei authentisch gewesen. Tillichs Worte könnten zugleich eine Chance gewesen sein, sich von der AfD abzugrenzen: „Es hat ihm ermöglicht, sein Scheitern in einen versöhnlichen Rahmen einzuordnen.“ Das passe gut zur Person und wirke nicht aufgesetzt.

Fehlende Auseinandersetzung mit Rechtsaußen

Nassehi glaubt nicht, dass das schlechte Wahlergebnis der CDU die Quittung für Tillichs Christsein ist. Er kritisiert, dass die Partei sich in der Vergangenheit zu wenig mit dem Rechtspopulismus befasst habe. Als Christen den moralischen Zeigefinger gegen Rechtspopulisten zu erheben, hätte aus seiner Sicht keinen Zweck. „Die Kirche wird hier wie Medien, Bildungs- und Kunstinstitutionen und andere als elitär angesehen, gegen die dann das 'wahre Volk' antritt. So funktioniert Populismus.“

Von: Johannes Weil

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