Der Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi fordert eine humanistische Reform des Islam.

Der Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi fordert eine humanistische Reform des Islam.

40 Thesen zur Reform des Islam

Der Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi hat 40 Thesen zur Reform des Islam an einer Moschee angeschlagen und fordert eine Debatte über Unterdrückung, Ausgrenzung und Verfolgung.

In Berlin hat am Samstag der Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi 40 Thesen zur Reform des Islam an die Tür einer Moschee in Berlin Neukölln angeschlagen. Nach Angaben der Boulevardzeitung B.Z. vom Samstag fordert der Islamwissenschaftler eine humanistische Reform des Islam. „Nur ein reformierter Islam gehört nach Deutschland", erklärte der Islamwissenschaftler gegenüber der Zeitung. Ourghi will eine Debatte anstoßen über Unterdrückung von Frauen, Ausgrenzung und Verfolgung, die sich auf den Islam gründen. Dazu sei eine historisch-kritische Interpretation des Koran nötig, die sich von „Koransuren mit Gewaltbegründung" und „Schwertversen" verabschiede. Die Aktion steht im Zusammenhang mit der Veröffentlichung eines Buches von Ourghi unter dem Titel „Reform des Islam. 40 Thesen” am Vortag.

Ourghi übte in dem B.Z.-Artikel auch Kritik an der Zusammenarbeit der Bundesregierung mit dem Islamverband Ditib und dem Zentralrat der Muslime in Deutschland, die „meist aus dem Ausland gesteuert" würden und „einer nationalen, ethischen und politischen Agenda" folgten. Ourghi ist Leiter des Fachbereichs Islamische Theologie und Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Freiburg.

Nur reformierter Islam ist überlebensfähig

In einem Interview mit dem Deutschlandfunk am Mittwoch hatte Ourghi gefordert: „Wir brauchen einen humanistischen Islam, der mit unseren westlichen Werten vereinbar ist, darüber hinaus auch mit unserem Grundgesetz." Die Anwendung der Vernunft bedeute, die Religion und ihre heiligen Schriften in dem Kontext, in dem die Menschen leben, neu zu interpretieren.

In dem Interview unterscheidet Ourghi den Islam in einen ethischen, humanistischen Koran einerseits, und einen politischen, juristischen Koran andererseits. „Dieser politische, juristische Koran [...] passt einfach nicht mehr zu unserer Zeit", sagte der Islamwissenschaftler. Es gelte, den Islam von seinen politischen Tendenzen zu befreien. „Nur ein Islam, der reformierbar ist, und nur ein Islam, der die anderen akzeptiert, wie sie sind, nur ein Islam, der auch die Atheisten akzeptiert, wie sie sind, ist überlebensfähig", sagte Ourghi.

Ist der Islam reformfähig?

Ourghi steht mit seinen Forderungen nach einer Reformation des Islam nicht allein. Auch der Professor am Zentrum für Islamische Theologie an der Universität Münster, Mouhanad Khorchide, fordert einen europäisch geprägten Islam, der mit der Lebenswirklichkeit der Muslime in Europa korrespondiert und ihre Belange ernst nimmt. Das „Muslimische Forum Deutschland“ hatte dazu im Herbst 2015 insgesamt 17 Thesen veröffentlicht.

Der Islamkritiker Hamed Abdel-Samad hingegen hält den Islam für nicht reformierbar. Er vertritt die Auffassung, dass es keinen Islam ohne Gewalt gibt. Der Islam habe kein Problem mit Gewalt, weil „der Islam mit Gewalt geboren“ worden sei, hatte Abdel-Samad in einem Streitgespräch mit Khorchide im vergangenen Jahr erklärt.

Von Norbert Schäfer

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