Die Deutsche Evangelische Allianz sieht ein unumstößliches Recht auf Leben für jeden Menschen, auch für das ungeborene Kind

Die Deutsche Evangelische Allianz sieht ein unumstößliches Recht auf Leben für jeden Menschen, auch für das ungeborene Kind

Allianz: Abtreibung darf kein Normalfall werden

Die Entscheidung eines Chefarztes, in seiner Abteilung aus Glaubensgründen keine Abtreibungen mehr durchzuführen, hat zu einer Debatte geführt. Die Deutsche Evangelische Allianz will verhindern, dass Abtreibung zum Normalfall wird. Ein österreichischer Gynäkologe bemängelt unterdessen die deutsche Abtreibungsstatistik und fordert mehr Transparenz.

Die Deutsche Evangelische Allianz (DEA) hat sich in der Diskussion um Abtreibungen in einer Klinik in Niedersachsen an die Öffentlichkeit gewandt. Die Organisation will damit erreichen, dass die „Tötung ungeborener Kinder nicht noch mehr zum Normalfall in Deutschland" wird. Die Vorgänge um das entschlossene „Nein" zu Abtreibungen eines Chefarztes der Klinik in Dannenberg müssten „zu einem Weckruf werden", erklärten der Vorsitzende des Verbandes, Ekkehart Vetter, und sein Generalsekretär, Hartmut Steeb, am Donnerstag in einer Pressemitteilung.

In der Elbe-Jeetzel-Klinik in Dannenberg hatte der Chefarzt der gynäkologischen Abteilung, Thomas Börner, verfügt, dass in seiner Fachabteilung in Zukunft keine Abtreibungen mehr nach der Beratungsregelung durchgeführt werden sollen. Seinen Entschluss hatte der Mediziner mit seinem christlichen Glauben begründet. Am Mittwoch legte der Gesundheitskonzern Capio, zu dem die Klinik gehört, die Pläne vorerst auf Eis. Es passe nicht zum Unternehmensverständnis einer weltanschaulich neutralen und konfessionsübergreifenden Einrichtung, dass ein Chefarzt aus religiösen Gründen ein solches Verbot für das komplette Krankenhaus ausspreche. Die „Elbe Jeetzel Zeitung", hatte mit einer Meldung vom Samstag die Debatte angestoßen.

Nein führt zur öffentlichen Entrüstung

Nach Ansicht der DEA sei es bei den etwa 100.000 registrierten Abtreibungen pro Jahr in der Bundesrepublik „mehr als offensichtlich, dass es bei Schwangerschaftsabbrüchen in Deutschland nicht mehr um außergewöhnlich begründete Notsituationen" ginge, sondern „ein unkontrolliertes Massenphänomen" eingetreten sei. Die Debatte um die Vorgänge in der Elbe-Jeetzel-Klinik in Dannenberg müssten die „längst überfällige Überprüfung einläuten, die das Bundesverfassungsgericht in seinem berühmten Urteil vom Mai 1993" gefordert habe. In der damaligen Entscheidung hatte das Bundesverfassungsgericht festgestellt, dass der Schwangerschaftsabbruch für die ganze Dauer der Schwangerschaft grundsätzlich als Unrecht angesehen werden muss. Nach der sogenannten Fristenregelung bleibt innerhalb der ersten zwölf Wochen ein Abbruch einer Schwangerschaft nach Teilnahme an einem Beratungsgespräch rechtswidrig, aber straflos. Nach Ansicht der Unterzeichner „ist entgegen der Rechtslage die Abtreibungsmentalität so fest in unserem Volk verankert, dass jedes Nein dagegen zu einer öffentlichen Entrüstung führt“.

Kein „Recht auf Schwangerschaftsabbruch"

Die DEA-Vertreter erwarten von den Verantwortlichen in Bund und Ländern, Kirche, Diakonie und Caritas, dass sie öffentlich deutlich machen, dass es ein „unumstößliches Recht auf Leben für jeden Menschen, auch für den Ungeborenen“, gibt. Der Erklärung zufolge gebe es „ein Recht auf Beratung und Begleitung für Schwangere in Notsituationen", aber Fürsorge und Hilfe könnten nicht ersetzt werden durch ein „Ja zur Tötung eines ungewollten, ungeplanten Kindes" und als Konfliktlösung.

Vetter und Steeb kritisieren Organisationen, die von einem Recht auf Abtreibung reden. Die Beratungsgesellschaft „Pro Familia“ dürfe nicht mehr länger mit der Beratung in Konfliktschwangerschaften betraut werden, weil die Organisation „sich ganz offenbar nicht an Recht und Gesetz" halte. Auch der NDR habe in einer Sendung von einem „Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch“ gesprochen. Vetter und Steeb erwarten, dass der Sender „in einer öffentlichen Klarstellung dem Fernsehpublikum die wirkliche Rechtslage" verdeutliche und sich von dieser Falschaussage distanziere.

Facharzt kritisiert deutsche Abtreibungsstatistik

Der österreichische Gynäkologe Christian Fiala hatte am Wochenende Kritik an der Abtreibungsstatistik in Deutschland geübt. In einem Artikel des Focus vom Samstag schätzte Fiala, dass die Dunkelziffer der Abtreibungen zwei bis dreimal so hoch sind wie die Zahlen der offiziellen Statistik. Fiala geht davon aus, dass in Deutschland pro Jahr zwischen 200.000 und 300.000 Abtreibungen vorgenommen werden. Für das Jahr 2015 weißt das Statistische Bundesamt 99.237 gemeldete Abtreibungen aus, 478 weniger als ein Jahr zuvor. Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche sei in Deutschland seit 13 Jahren rückläufig, anders als in Ländern mit ähnlichen Rahmenbedingungen. Dort stagnierten die Zahlen oder stiegen sogar an.

Nach Fialas Ansicht werde „die offizielle Zahl der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland von anderen Faktoren überlagert". Fiala hält es laut dem Focus-Artikel für denkbar, dass politische Gründe hinter der auffälligen Statistik steckten. Eine Sprecherin des Bundesfamilienministeriums teilte gegenüber Focus mit, dass „Abweichungen in dem behaupteten Umfang" nicht realistisch seien. „Pro Familia“ sieht keinen Anlass, die offiziellen Zahlen zu bezweifeln. Es gäbe keine Hinweise darauf, dass Ärzte der gesetzlichen Meldepflicht nicht nachkämen.

Gesetzliche Meldepflicht der Kliniken

In einem Gastkommentar bei der katholischen Tagespost konstatierte Kristijan Aufiero, Vorsitzender des Vorstandes beim Verein „Pro Femina" und Projektleiter von „1000plus": „Es besteht leider ein offensichtlicher politischer Unwille, die tatsächlichen Zahlen dieses traurigen Massenphänomens genauer zu eruieren."

Auf Anfrage von pro erklärte das Statistisches Bundesamt am Donnerstag, es erfasse und veröffentliche in der Statistik über Schwangerschaftsabbrüche alle Abbrüche, die ihm von Krankenhäusern und Arztpraxen gemeldet würden. Für die Inhaber der Einrichtungen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen, bestehe eine gesetzliche Meldepflicht. „Vermutungen über eine von den amtlichen Ergebnissen abweichende Zahl der in Deutschland tatsächlich durchgeführten Schwangerschaftsabbrüche stellt das Statistische Bundesamt nicht an", erklärte die Behörde. Weiter hieß es: „Die Statistik [hat] einen Grad an Vollzähligkeit erreicht [...], der nicht unter dem liegt, was bei einer Primärstatistik in Kauf zu nehmen ist." (pro)

Von: nob

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