Ahmad Mansour hat für sein Engagement gegen Antisemitismus, für Demokratie und Integration bereits mehrere Auszeichnungen bekommen. In diesem Jahr ist er einer der „Botschafter für Demokratie und Toleranz”.
Ahmad Mansour hat für sein Engagement gegen Antisemitismus, für Demokratie und Integration bereits mehrere Auszeichnungen bekommen. In diesem Jahr ist er einer der „Botschafter für Demokratie und Toleranz”.

Mansour: „Linke wollen kritische Muslime mundtot machen“

Der arabische Israeli Ahmad Mansour lebt seit zwölf Jahren in Deutschland. In einem Essay der Tageszeitung taz kritisiert er, dass Linksliberale die Muslime vor Islam-Kritikern wie ihm schützen wollen. Er fordert eine offene Debatte über die Probleme in muslimischen Gemeinschaften.

Ahmad Mansour versteht die Linken nicht: Sie wollten progressiv sein, aber „beschützten“ die Mehrheit der Muslime vor der Minderheit der Kritiker, die auf problematische Strukturen, Lebensweisen und Wertvorstellungen im Islam und in muslimischen Gemeinschaften hinweisen. Das thematisiert Mansour in einem Essay in der Tageszeitung taz. Der arabische Israeli ist Psychologe und lebt seit 2004 in Deutschland. Er setzt sich für eine Reform des Islam ein und engagiert sich unter anderem im Jugendprojekt „Heroes“ in Berlin gegen Gewalt im Namen der Ehre.

Seiner Beobachtung zufolge stoßen Migranten und Muslime bei Menschen des linksliberalen Spektrums auf besondere Sympathien. Sobald aber Kritik am Islam geübt werde, reagierten die Linken ablehnend darauf. So habe es Mansour selbst erlebt. Er setze sich für innerreligiöse und gesellschaftliche Reformen ein und spreche öffentlich darüber, „dass vieles schiefläuft in den Familien, an den Schulen, in der Gesellschaft, im Umgang mit religiösem Fundamentalismus und islamischem Radikalismus“. Das komme bei Linken nicht gut an. Das links-grüne Lager tue im Grunde das gleiche wie Salafisten, nur unter anderen Vorzeichen: „Sie wollen kritische Muslime mundtot machen. Die einen entmündigen Muslime im Namen eines patriarchalischen Gottes, die anderen, weil sie meinen, Kritik an unserer Religion sei zu kränkend für uns, wir Muslime seien nicht fähig, kritisch zu denken und uns von verkrusteten Traditionen zu lösen.“

„Der Islam hat Probleme“

Kritischen Muslimen werde die Debatte in Deutschland über Probleme der muslimischen Gemeinschaften von den offiziellen muslimischen Verbänden und von linken, grünen Milieus verweigert. Jedoch sei Kritik an Religion etwas originär Linkes. Mansour fragt, warum diese kritische Haltung, die das Judentum ebenso wie die christlichen Konfessionen vorangebracht habe, nicht für den Islam gelte. Er vermisse die Solidarität der Linken für islamische Reformen.

Als drängende Probleme sieht Mansour einen wachsenden religiösen Fundamentalismus unter Muslimen, der immer mehr junge Menschen zur Terrorgrupe Islamischer Staat ziehe. Aber auch die Stellung der Frau als Mensch zweiten Ranges und eine Angstpädagogik gegenüber Kindern prangert er an. Eine buchstabengetreue Auslegung des Koran, die die Texte nicht im historischen Kontext deutet, hält der Islamismus-Experte für problematisch.

„Tabus in der Debatte spielen Rechten in die Hände“

Ebenso fördere ein traditionelles Islamverständnis sexuelle Gewalt. „Was in der Kölner Silvesternacht passiert ist, hat sein Vorbild auf dem Kairoer Tahrirpatz und anderswo“, schreibt Mansour. Es sei nicht rassistisch, zu sagen, dass junge Muslime, die durch ihre Religion zu sexueller Enthaltsamkeit verpflichtet seien, in der Öffentlichkeit auf Frauen zugriffen.

Darüber müsse eine offene Debatte geführt werden. Solange muslimische Verbände, Grüne und Linke leugneten, „dass ein traditionell patriarchalisches Verständnis des Islam den fundamentalistischen Muslimen in die Hände spielt“, würden diese Themen von Pegida, der AfD und rechten Kräften besetzt. Muslimische Mitbürger müssten genauso bürgerliche Rechte und Pflichten wahrnehmen wie alle anderen. Um die innerislamischen Kritik- und Reformbemühungen voranzubringen, brauche es die Solidarität und Unterstützung der Demokraten. Eine tabufreie Debatte werde auch zu Lösungen führen. (pro)

Von: jst

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