Der Deutsch-Kongolese Reinhold Yabo führte als Kapitän die U17-Nationalmannschaft 2009 zum EM-Titel
Der Deutsch-Kongolese Reinhold Yabo führte als Kapitän die U17-Nationalmannschaft 2009 zum EM-Titel

Reinhold Yabo: „Jesus ist aktiv“

Reinhold Yabo ist ein besonderer Fußballprofi: Fernab des Rasens predigt der 23-jährige Kicker in seiner Gemeinde, bloggt über christliche Themen und machte während seiner Zeit in Karlsruhe Kommunalpolitik. Jetzt geht der Deutsch-Kongolese zum RB Salzburg.

Der Fußballer Reinhold Yabo führte die U17-Nationalmannschaft 2009 als Kapitän zum EM-Titel. Auch Mario Götze, mit dem Yabo befreundet ist, war damals im Team. Jetzt wechselt Yabo vom Zweitligisten Karlsruher SC ablösefrei zum österreichischen FC Red Bull Salzburg. Sein Vertrag dort läuft bis Juni 2018. Aktuell hatten auch deutsche Erstligisten wie Eintracht Frankfurt, FC Augsburg und Hertha BCS Interesse an dem Kicker angemeldet. Im pro-Interview sagte Yabo vor einem halben Jahr über seine sportlichen Ziele, er wünsche sich, „im Fußball natürlich erfolgreich und höherklassig zu spielen, Erste Bundesliga“. Nationalspieler zu sein, sei „ein Traum, das wäre wunderbar“. pro hat mit ihm außerdem über seinen Glauben, sein christliches Engagement und darüber gesprochen, was einen guten Ehemann ausmacht.

pro: Stichwort Fairplay – Macht ein Reinhold Yabo Schwalben?

Reinhold Yabo: Schwalben! (lacht) Ich bin natürlich ein Befürworter von Fairplay, aber es ist oft auch so, dass eine Schwalbe als solche interpretiert wird, wobei ein Spieler wirklich gedacht hat, er habe einen Kontakt gespürt. Ein bewusstes Foul vortäuschen, in der Hoffnung, der Schiri pfeift einen Elfmeter: Nein, definitiv nicht.

Weil Sie immer fair spielen möchten?

Natürlich, Fairness ist eine Basis des Spiels. Es macht keinen Spaß, wenn du zu unfairen Mitteln greifst. Da geht ein Stück der Lust am Spielen verloren, wenn du vom Platz gehst und weißt, wir haben beschissen und deswegen jetzt drei Punkte. Natürlich wollen wir alle Spiele fair gewinnen.

Würden Sie T-Shirts tragen wie David Alaba mit „Meine Kraft liegt in Jesus“?

Auf jeden Fall. Ich habe solche T-Shirts schon während meiner Jugend getragen.

Wie gehen Sie mit Druck um, funktionieren zu müssen?

Das gehört mit zum Tagesgeschäft. Bei mir ist es so: Irgendwo hat der Druck etwas Gutes. Du wirst immer gekitzelt, wieder dein Bestes zu geben, was deinen Mannschaftskollegen und dem Verein zugute kommt. Du dienst auch damit, weil du deine Qualitäten für die mannschaftlichen Ziele investierst. Letztendlich weiß ich, ich habe meine Gewissheit in Gott. Es gibt Tage, an denen ich platt bin, an denen ich auch nicht mehr kann und am liebsten einfach mal gar nichts machen will. Dann weiß ich, ich habe immer eine Anlaufstelle, zu der ich hingehen kann, wo ich neue Kraft bekomme. So gehe ich durch dieses Geschäft.

Reden Sie mit Ihren Mannschaftskollegen über Ihren Glauben?

Ja, wenn ich gefragt werde. Ich hänge das nicht an die große Glocke. Ich gebe schon ganz klar zu erkennen, was meine Überzeugungen sind. Aber ich bin nicht der Typ, der sich in die Kabine stellt und anfängt, Höllenpredigten zu halten. Sondern ich bete immer: „Herr, schenke mir doch Möglichkeiten, darüber zu sprechen.“ Und die Jungs stellen auch Fragen, weil es sie einfach interessiert. Dann kommen wir ins Gespräch und so kann ich dann von meinem Glauben erzählen und Zeugnis geben. Aber ich bin immer so, wie es das Wort sagt: So wie du behandelt werden willst, so behandele andere. Ich würde es auch nicht toll finden, wenn jemand mich die ganze Zeit zutexten würde, wenn ich das nicht will. Wenn ein Mannschaftskollege auf mich zukommt und mich fragt, erkläre mir das mal, dann bin ich immer offen und jederzeit dazu bereit, Antwort zu geben.

Was erzählen Sie dann?

Kommt drauf an, wie die Frage lautet. „Wie bist du zum Glauben gekommen? Ich nenne mich auch Christ, aber bei dir ist das anders – wo ist der Unterschied?“ Ich versuche immer, eine Antwort zu geben, die jeder versteht, die aber auch zum Nachdenken anregt.

Sie sagen, Sie hatten in einer Eisdiele in Köln eine Begegnung mit Gott. Was passierte da?

Der Kontext ist eigentlich das Gute daran. Das war nach der U17-Europameisterschaft, die wir gewonnen haben. Ich bin von meinen Eltern christlich erzogen worden, die mich dann immer mit in die Gemeinde geschleift haben. Das hat mich aber damals nie interessiert. Beten, Bibel, Jesus – das war mir schon alles bekannt, aber ich hatte nie eine persönliche Beziehung dazu. Dann nach der U17-EM habe ich mich mit meiner Schwester in einer Kölner Eisdiele getroffen. Wir hatten uns schon länger nicht gesehen. Mir war klar, was mich erwartet. Sie wollte mir erzählen, dass Gott der Herr über alles ist. Das ABC des Evangeliums, Jesus ist für unsere Sünden gestorben, er ist der Erlöser der Welt, er gibt ewiges Leben; alles das, was viele nichtgläubige Menschen auch wissen oder schon mal gehört haben. Das war aber an diesem Tag anders. Es war wirklich eine Autorität dahinter. Das hat mich zum Nachdenken gebracht. So fing es an, dass ich mich wirklich auf die Suche gemacht habe. Ich habe mir dann eine Bibel gekauft, die „Hoffnung für Alle“. Ich glaube, damit fangen die meisten an. Die habe ich quasi in mich aufgesaugt, weil ich gern lese. So fing es an. Dieser Tag hat mich wirklich auf die Reise geschickt.

Wie erleben Sie Jesus in Ihrem Leben?

Erst einmal, dass ich jeden Tag wieder aufwachen kann, dass ich leben kann, dass ich gesund bin, gerade auch in diesem Sport, in dem die Verletzungsrate nicht gering ist. Ich weiß, dass mein Körper in Gottes Hand liegt. Genauso versuche ich auch jeden Tag zu beginnen: zu Gott zu kommen, Gemeinschaft mit ihm zu haben, das Wort zu lesen und mich auf diesen Tag zu fokussieren. Deswegen stehe ich immer früh auf, weil ich weiß: Jesus zuerst, und alles andere kommt danach. Das praktiziere ich schon eine ganze Zeit lang und bis jetzt bin ich immer wunderbar damit gefahren.

Beten Sie auch für den Sieg?

Ja, natürlich. Warum nicht? Ich bete immer dafür, dass der Herr uns auf jeden Fall bewahrt, wir gesund bleiben, aber auch Spaß an der ganzen Sache haben, dankbar sind, dass wir das alles ausüben dürfen. Die biblische Figur David hat nämlich gesagt: „Du hast meine Arme tüchtig zum Kampf gemacht.“ So, dass er wirklich diese Kriege gewinnen konnte, und Gott war mit ihm. Aber er musste diese Kriege dann auch führen. Genauso bete ich: „Mach meine Beine tüchtig zum Spiel und schenke auch meinen Mannschaftskollegen Gnade und Segen“ – weil Fußball halt ein Mannschaftssport ist. Ich kann kein Spiel allein entscheiden, sondern ich bin mit abhängig davon, dass unsere Stürmer, wenn sie diese Chance haben, den Ball ins Netz schießen und nicht an die Latte oder daran vorbei. Oder dass unsere Abwehrspieler die letzte Aktion dann noch wirklich klären können. So ergänzen wir uns und dienen einander.

Sie haben in einem Interview gesagt, Gott ist ein Gentleman. Warum?

Ganz einfach: Er kommt nicht und sagt, du muss jetzt, sonst ... oder du bist schlecht. Du wirst nicht an den Stuhl gefesselt und er hält eine Predigt und so weiter. Nein. Er klopft an. Genauso ist es, wenn ich mit Freunden oder Mitspielern darüber rede. Ich kaue denen nicht das Ohr ab, sondern ich mache auf Jesus aufmerksam. Ich versuche, rüberzubringen, dass ich es ernst meine und überzeugt bin, dass Jesus lebt. Aber letztendlich ist die eigene Reaktion entscheidend. Jeder hat die Freiheit, zu sagen, das ist interessant oder das ist nichts für mich, ohne dass dir das aufgezwungen wird. Deswegen sage ich immer: Der Herr ist ein Gentleman.

Sie haben im vergangenen Sommer geheiratet. Was macht denn einen guten Ehemann aus?

Ich bin davon überzeugt, der Ehemann soll seine Frau lieben, wie Christus die Gemeinde geliebt hat. So steht es im Epheserbrief in der Bibel. Ich glaube, ein guter Ehemann muss auch Opfer bringen, weil Frauen hin und wieder sehr kompliziert sind. Das sind Dinge, die ich als Mann dann schwer verstehe, aber letztendlich sind die Frauen so. Ich glaube, Kommunikation ist das Entscheidende. Ein Paar sollte wirklich über alles reden können. Der Mann soll offen sein für alles. So weiß die Frau, sie kann jedes Mal zu ihrem Mann kommen, ohne dass er sie schief anguckt. Wenn es ihn nervt, ist der Ehemann trotzdem da und nimmt sich die Zeit und versucht wirklich, konstruktiv zu sein und der Frau nicht irgendwas zu sagen, damit sie schnell den Mund hält. Sondern er bietet ihr wirklich eine Lösung. Ich glaube, dass ein guter Ehemann so in der Art handelt. Ich weiß es nicht genau, aber ich vermute es.

Was macht Sie besonders glücklich?

Ich bin glücklich, ein Kind Gottes sein zu dürfen. Ich bin glücklich darüber, dass ich Fußball spielen darf. Ich bin glücklich darüber, dass ich eine wunderbare Familie habe, die mich wirklich in allen Dingen unterstützt. Für den Sport sind meine Eltern mit mir tausende von Kilometern gefahren. Ich bin glücklich, dass ich in diesem Land leben darf. Meine Wurzeln liegen im Kongo, geboren bin ich zwar hier, aber ich weiß, was im eigenen Land abgeht, die Unruhen, die da herrschen. Deshalb war ich auch bis jetzt leider noch nicht da. Papa hat es nicht erlaubt. Ich weiß, ich hätte auch da sein und geboren werden können. Aber nein, Gott hat das so gefügt, dass ich in Deutschland aufwachsen durfte. In diesem Land habe ich viel gelernt und es hat mir viel gegeben. Das sind Dinge, wenn man nicht bewusst darauf achtet, werden sie selbstverständlich. Das sind Kleinigkeiten, wofür du dankbar sein kannst oder musst, um wirklich weise im Leben handeln zu können.

Sie schreiben das mit „Mal ganz was anderes“ überschriebene Blog. Darin geht es vor allem um christliche Themen, aber auch um Sport und Kultur. Was ist Ihr Ziel damit?

Mein Ziel ist, dass die Menschen, die mich als den Fußballer sehen, auch ein anderes Bild bekommen und erfahren, Fußballer sind nicht einseitig.

Worüber predigen Sie am liebsten in Ihrer Freikirche „Christliches Zentrum Karlsruhe“?

Ich versuche meine Predigt immer sehr lebensnah zu erzählen und nicht theologisch weit oder komplex konstruiert – wozu ich in der Lage bin –, sondern wirklich was zum Greifen. Ich ziehe gerne Parallelen, vom Alltäglichen zur Schrift, um zu zeigen, dass Jesus aktiv im alltäglichen Leben ist, egal, in welchem Bereich du tätig bist, zu Hause, auf der Arbeit, mit Kollegen, in deiner Freizeit.

Herr Yabo, herzlichen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Martina Schubert (pro)

Von: Martina Schubert

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