Nikolaus Schneider hat die Familienschrift der EKD am Donnerstag verteidigt.

Schneider: Kein Kurswechsel in Sachen Familie

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, hat die umstrittene Orientierungshilfe zur Familie verteidigt. Am Donnerstag sagte er beim Johannisempfang in Berlin, die traditionelle lebenslange Ehe bleibe das Leitbild seiner Kirche.

Die Orientierungshilfe "Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken" lege den Akzent auf die biblischen Werte Vertrauen, Verlässlichkeit, Verbindlichkeit, Fürsorge und Gemeinschaftsgerechtigkeit. „Dabei bleibt die traditionelle lebenslange Ehe und Familie das Leitbild unserer Kirche, aber nicht mehr die einzige Form, die auf den Segen Gottes hoffen kann”, sagte Schneider. Bewusst habe die EKD deshalb eine Ausweitung und einen Wechsel der Perspektive vorgenommen, aber keinen Kurswechsel.

Vor zahlreichen Gästen aus Politik und Gesellschaft sprach Schneider über das Thema Toleranz und Europa. Gekommen waren etwa der Bundesminister für Finanzen, Wolfgang Schäuble (CDU), die ehemalige Forschungsministerin Annette Schavan (CDU), und der Sprecher der Christen in der FDP-Bundestagsfraktion, Patrick Meinhardt. Wohl auch in Richtung der Kritiker der Orientierungshilfe sagte Schneider: „Auch die beste Exegese vermag nicht eindeutig zu sagen, wo Gottes ewiges Wort und wo zeitlich bedingtes Menschenwort uns anspricht. In diesem Bewusstsein können wir in respektvoller Toleranz auch mit verschiedenen ethischen Optionen in Christus verbunden bleiben.” Zum menschlichen Maß gehöre niemals eine absolute und vollkommene Wahrheitserkenntnis. Gewiss sei allen Christen aber: „Jesus Christus ist das lebendige Wort Gottes, das den Himmel öffnet, Himmel und Erde miteinander verbindet, Menschen Anteil gibt an Gottes Wahrheit, eine Hoffnung über den Tod hinaus schenkt und die Lebensangst nimmt.”

Europa der Toleranz

In diesem Sinne forderte Schneider ein „Europa der Toleranz”. „Vielleicht lebten noch nie so viele Menschen so vieler Ethnien und so unterschiedlicher kulturell-religiöser Prägung in Europa auf so engem Raum zusammen.” Nicht ein Kampf gegen Pluralisierung sei nun von Nöten, sondern Versöhnung in Verschiedenheit. Der Forderung nach einem staatlich verordneten Laizismus gab Schneider vor diesem Hintergrund ebenso eine Absage wie religiöser Engstirnigkeit.

Der Toleranz, die Europa so dringend brauche, widerspreche es auch, „dass in Deutschland Flüchtlinge davon abgehalten werden, Sprachkurse zu besuchen, eine Berufsausbildung zu machen oder eine Arbeit anzunehmen.” Es widerstrebe der Kirche, dass gut integrierte Flüchtlinge nur geduldet blieben und kein Aufenthaltsrecht erhielten. Positiv hob Schneider hervor, dass Deutschland die Nachbarländer Syriens „großzügig finanziell unterstützt” und 5.000 Flüchtlinge in Deutschland Aufnahme gewährt habe. (pro)

Von: al

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