Britischer Philosoph: Was Atheisten im Schilde führen

Die gegenwärtige Religionsfeindlichkeit ist eine Reaktion auf eine zu beobachtende Rückkehr der Religion in unserer Gesellschaft. Diese Ansicht vertritt der britische Philosoph und Professor an der London School of Economics, John Gray, in einem Beitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

"Was führen Atheisten im Schilde?" fragt John Gray in einem Kommentar, den die Zeitung am Samstag veröffentlichte. Gray lehrt an der London School of Economics und schreibt regelmäßig für "The Guardian", "Times Literary Supplement" und "New Statesman". Seine Bücher wurden in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt, Gray lebt mit seiner Familie in Oxford. In seinem Beitrag setzt sich der Wissenschaftler mit den Thesen bekannter Atheisten wie Richard Dawkins, Christopher Hitchens oder Daniel Dennett auseinander. Sie alle behaupten, dass der Glaube ein Gift sei, das bis heute für Gewalt und Unfreiheit sorge. "Die Vehemenz ihrer Polemik deutet darauf hin, dass ein Umschwung eingetreten ist, so bedeutsam wie der Aufstieg des Terrorismus: Die Säkularisierung geht zurück", meint Gray.

"Säkularisierung befindet sich auf dem Rückzug"

Zwar sei in vielen Ländern der Einfluss der Religion spürbar zurückgegangen, wie etwa in Irland oder England, in dem der Glaube für die meisten Menschen kaum noch eine Rolle spiele. Auch sei Europa zum größten Teil areligiös. "Doch nichts weist darauf hin, dass dieser Trend unumkehrbar ist oder universelle Gültigkeit hat."

Nach der säkularen Ära der politischen Massenbewegungen des 20. Jahrhunderts sei es "kein Zufall, dass sich nach dem Scheitern dieser Bewegungen die Religion wieder zurückmeldet", meint der Wissenschaftler. "Die gegenwärtige Religionsfeindlichkeit ist eine Reaktion auf diesen Umschwung. Die Säkularisierung befindet sich auf dem Rückzug, und das Ergebnis ist ein missionarischer Atheismus, wie es ihn seit viktorianischen Zeiten nicht mehr gegeben hat."

Der Atheismus der Neuzeit habe das Ziel der universalen Ausbreitung, so Gray, deren Protagonisten seien "fanatische Atheisten". Denn man könne durchaus ungläubig sein und Religionen freundlich tolerieren. Anders gäben sich Autoren wie Dawkins. "Es ist ein seltsamer Humanismus, der ein zutiefst menschliches Bedürfnis verdammt. Aber genau das tun die militanten Atheisten, wenn sie den Glauben dämonisieren", schreibt der britische Wissenschaftler. Diese kritisierten den Glauben zwar als einen "Virus", der Menschen befallen könne, offenbarten jedoch ein "ausgeprägtes Desinteresse an der Geschichte atheistischer Regime", so Gray. "Die heutigen Religionskritiker vergessen, dass die glaubensbegründeten Gewaltexzesse des vergangenen Jahrhunderts säkularer Natur waren."

Von: pro

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