Nobelpreisträger: "Ja, natürlich glaube ich an Gott"

B e r l i n (PRO) - Woran glauben die klügsten Köpfe eines Landes? Das Magazin "Cicero" ist dieser spannenden Frage nachgegangen und hat die Naturwissenschaftler Peter Grünberg und Gerhard Ertl interviewt. Beiden Forschern wird im Dezember der Nobelpreis verliehen, Ertl in Chemie und Grünberg in Physik.

Können aufgeklärte Wissenschaftler überhaupt an Gott glauben? Die Frage von "Cicero"-Autor Till Weishaupt scheint berechtigt. Sowohl Ertl als auch Grünberg beantworten Weishaupts Frage mit einem eindeutigen Ja.

Gott- und Menschenbild

Chemiker Ertl kommt aus einem protestantischen Elternhaus. Sein Vater war Müller. Was den Wissenschaftler immer wieder erstaunt, sei "diese minimalste Wahrscheinlichkeit, mit der es zu der Schaffung von Leben kommen konnte". Für den Chemiker ist das Leben ein gewaltiges Wunder. Die Wissenschaft nähere sich zwar einer Erklärung dieses Wunders an, "aber eine Frage bleibt doch immer bestehen: Warum das alles? Hier glaube ich an Gott."

Auf eine einsame Insel würde Ertl in jedem Fall eine Bibel mitnehmen, sagte er "Cicero". Die Erzählungen finde er nicht nur erbaulich, sondern auch höchst spannend, wie zum Beispiel die in der Apostelgeschichte. "Da geht es wild zu!" Als Chemiker interessiere ihn besonders die Schöpfungsgeschichte, sagt Ertl. Die Erzählung von der Erschaffung der Welt versteht er als Gleichnis, dem er auf die Spur kommen möchte. "Ich habe es allerdings noch nicht lösen können", so der Forscher, der sich als Christ bezeichnet. Auf die Frage, was ihm heilig sei, antwortet Ertl: "Die Würde des Menschen." An zweiter Stelle nennt der Chemiker Harmonie. Er sei geradezu harmoniesüchtig, erklärt er.

"Jede der drei Weltreligionen kann die richtige oder die falsche sein"

"Ja, natürlich" glaube er an Gott, sagt auch der Physiker Grünberg. Er warnt jedoch davor, den Mitgliedern einer Religionsgemeinschaft die "absolute Erkenntnis der Wahrheit" zuzusprechen. "Jede der drei großen Weltreligionen kann die richtige oder die falsche sein", sagt der Katholik. Entscheidend sei, dass jeder nach Liebe strebe, und zwar in Toleranz zum Mitmenschen. Die Suche nach Wahrheit, so Grünberg, sei letztlich eine "unendliche Suche".

Mit den Begriffen Paradies und Hölle kann der Physiker wenig anfangen. "Einen Himmel und ein Leben danach kann ich mir nicht vorstellen." Er glaube zwar an die Unsterblichkeit, könne sich sein Ende aber auch wie das eines Kristalls vorstellen: "Im Moment meines Todes ins Wasser geworfen … mich auflösend …, Teil des Ganzen werdend." Auch Ertl distanziert sich von der christlichen Vorstellung von einem Leben nach dem Tod. "Von dem Paradies selber bin ich nicht überzeugt", sagt der Chemiker. Er glaubt, dass er in seinen Nachkommen weiterleben wird. Sein individuelles Ich werde nach dem Tod aufgelöst sein, aber er werde trotzdem Teil des Ganzen bleiben. In diesem Punkt entsprechen seine Vorstellungen von einem Leben nach dem Tod denen von Grünberg.

"Die letzte Frage"

Während Ertl vor seinem Tod noch erfahren möchte, wie die universelle Weltformel laute, interessieren Grünberg die offenen Fragen zur Chaostheorie. Die allerletzte Frage Grünbergs sei jedoch: "Gibt es Gott wirklich?" Er stelle diese Frage nicht in der Hoffnung, dass er dieses Rätsel je ergründen könne. Er sei sich auch nicht sicher, ob es den Urknall je gegeben hat: "Vielleicht war es ganz anders? Aber was gab es davor? Gott?"

Von: lms

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