Robert Leicht vergleicht Christen mit Terroristen

B e r l i n (PRO) - Das ehemalige Ratsmitglied der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Präsident der Evangelischen Akademie zu Berlin, Robert Leicht, hat in einem Kommentar für den Berliner "Tagesspiegel" christliche Fundamentalisten mit islamischen Terroristen verglichen. Die Zahl der Toten, die bei den Attentaten des 11. September 2001 umkamen, sei ebenso hoch wie die der Menschen, die "Attentaten und Gewaltakten" von Christen zum Opfer fielen, lautet das Argument des Journalisten.

In seinem Kommentar zur Diskussion um ein "Konvertitenregister" schrieb Leicht am Montag, dass Religion "durchaus zum Problem für den freiheitlichen Staat" werden könne. "Nie kann die Freiheit die Religion beschädigen, sehr wohl aber die Religion die Freiheit." Dies gelte "nicht nur für islamischen, sondern durchaus auch für christlichen Fundamentalismus", so der 63-Jährige ehemalige Chefredakteur der Wochenzeitung "Die Zeit".

"Zählt man etwa die Attentate und Gewaltakte, die in den USA aus christlich deklarierter Motivation in den letzten ein, zwei Jahrzehnten verübt worden sind (nicht nur gegen Abtreibungskliniken und -ärzte), so kann man durchaus zu dem Ergebnis kommen, dass dieser religiöse Terrorismus es in der Summe mit dem 9/11-Anschlag aufnehmen kann", fährt der Journalist fort.

Da "religiöser Extremismus in jeder Form" ein Problem sei, müssten beide möglichen Seiten eines Konversionsaktes "im Auge behalten" werden. Für Leicht spielt es keine Rolle, ob ein Mensch zum Islam konvertiere oder zum Christentum, "der Übertritt kann (...) auch die Folge eines krisenhaften Bedürfnisses sein, sich radikal in einer auf das Jenseits orientierten Gemeinschaft ein-, ja nachgerade unterzuordnen – was übrigens auch in einer 'Konversion' innerhalb der bisherigen Religion möglich ist, etwa in der Hinwendung zu extrem 'evangelikalen' Sekten oder zum Opus Dei (dieses Bedürfnis richtet sich nicht selten auch gegen eine als diffus empfundene Säkularität und Liberalität). Selbst in Deutschland registrieren wir solche Probleme, etwa wenn christlich-fundamentalistische Elternpaare ihre Kinder der staatlichen Schulpflicht entziehen oder verlangen, an unseren staatlichen Schulen müsse der Kreationismus gelehrt werden."

Robert Leicht war Ressortleiter für Innenpolitik bei der "Süddeutschen Zeitung" und von 1992 bis 1997 Chefredakteur bei der Wochenzeitung "Die Zeit". Seither ist er politischer Korrespondent der "Zeit" und Kolumnist des Berliner "Tagesspiegels". Von 1997 bis 2003 war er Ratsmitglied der EKD. Seit 1999 ist er Präsident der Evangelischen Akademie zu Berlin und lehrt als Honorarprofessor an der Universität Erfurt. Er schrieb unter anderem die Bücher "Aufbruch zur politischen Vernunft" und "Ihr seid das Salz der Erde. 2000 Jahre Christen im Widerspruch".

Sein Artikel im Tagesspiegel" wurde mit teilweise verärgerten Reaktionen im Kommentarbereich bedacht. Ein Leser warf dem Autor Verfälschung der Tatsachen vor, ein anderer "outete" sich als Mitglied einer evangelikalen Freikirche und schlug daher ironisch eine "Selbstanzeige" vor.

Von: js

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