"Vor unseren Augen bilden sich immer wieder islamistische Terrorzellen"

F r a n k f u r t / M a i n (PRO) - Der Fall sorgt für Aufsehen: Am Dienstag sind drei Islamisten festgenommen worden, die offenbar zum Jahrestag der Anschläge am 11. September 2001 mehrere Attentate in Deutschland geplant haben sollen. Bereits seit vielen Jahren befasst sich der Fernsehjournalist Fritz Schmaldienst mit islamistischen Netzwerken und den Gefahren des Terrors. Für die neue Ausgabe des Christlichen Medienmagazins pro haben wir mit ihm über seine Recherchen gesprochen – lesen Sie hier den ersten Teil des Gesprächs.

pro: Herr Schmaldienst, Sie befassen sich seit vielen Jahren als Berichterstatter und Fernsehredakteur auch mit dem Islam. Für die SWR-Sendung „Report Mainz“ haben Sie etwa eine Reportage über die Verfolgung von ehemaligen Muslimen, die Christen wurden, gedreht. Für Aufsehen sorgten jüngst Ihre Recherchen über islamistische Terrorzellen in Deutschland. Mit welchem Thema befassen Sie sich aktuell?

Fritz Schmaldienst: Ich stehe derzeit in Kontakt zu einem Afghanen in Frankfurt, dessen Sohn sich nach eigenen Angaben zum Dschihad „gemeldet“ hat. In einem Abschiedsbrief hatte er seiner Familie mitgeteilt, dass er sie „im Paradies wiedersehen“ werde. Ich möchte herausfinden, wie Menschen fühlen und denken, wenn sich Söhne aus ihren Reihen abwenden und sich dem radikalen Islam zuwenden.

"Islamistische Terrorzellen werden zu einer immer größeren Bedrohung"

pro: In Ihren Recherchen befassen Sie sich auch mit dem Thema von islamistischen Terrorzellen, die sich offenbar vermehrt in Deutschland bilden. Ist das eine tatsächliche, ernst zu nehmende Bedrohung?

Schmaldienst: Ganz sicher. Am 11. September in New York, beim geplanten Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Straßburg, da waren Muslime beteiligt, die unter uns gelebt haben. Jetzt erfahren wir aktuell, dass in Pakistan in den letzten Wochen mindestens 13 aus Deutschland stammende Islamisten festgenommen wurden. Sie haben sich dort in Koranschulen indoktrinieren lassen und sozusagen auch das Handwerk des Dschihad erlernt. Der junge Mann, der sich von seiner Familie verabschiedet hat, scheint zu einer Gruppierung zu gehören, die nicht ungefährlich ist und vermutlich in einem größeren Netzwerk Gleichgesinnter in Verbindung gestanden hat. Sollte sich das bestätigen, ist dies ein neuer Beweis dafür, dass sich vor unseren Augen immer wieder islamistische Terrorzellen bilden und so zu einer immer größeren Bedrohung auch für unsere Gesellschaft werden.

Sorgte für Aufsehen: "Die Spur führt nach Ulm"

pro: „Die Spur führt nach Ulm – Terror in Deutschland“ lautete der Titel Ihrer vor wenigen Wochen gesendeten Reportage im SWR. Sie stellen darin auch ein Islamisches Informationszentrum vor, das nach außen demonstrativ propagiert: Islam ist Frieden. Nur stimmen Ihre Recherchen nicht mit diesem Slogan überein.

Schmaldienst: Dieser plakative Wahlspruch „Islam ist Frieden“, mit dem das Islamische Informationszentrum im Schaufenster wirbt, ist Unsinn. Denn Frieden kann aus islamischer Sicht nur dann herrschen, wenn sich alle Menschen auf der Welt dem Islam unterworfen haben. Das ist Utopie. Jenen, die in öffentlichen Debatten dennoch solches behaupten, sollte man die Frage stellen, warum sich in islamischen Ländern Sunniten und Schiiten gegenseitig töten, also selbst unter Glaubensbrüdern kein Frieden herrscht. Wie also soll dieser Friede, den der Islam darstellt, denn aussehen? Ich kann diesen Frieden jedenfalls nicht erkennen.

pro: Nun ist es jedoch so, dass zahlreiche islamische Verbände mit diesem Motto an die Öffentlichkeit treten. Ist daran nichts Wahres?

Schmaldienst: Hier sollte man differenzieren. Selbstverständlich gibt es viele Moslems, die friedlich leben wollen. Sie gehen ihrer Arbeit nach, sorgen für die Familie, gehen auch in die Moschee zum Gebet. Doch in solchen Gemeinschaften gibt es auch die Anderen, die gegen Ungläubige hetzen, von der Islamisierung träumen. Es sind radikale Gruppen, die eine Veränderung auch mit Gewalt anstreben möchten.

Die Recherchen nach einem terrorverdächtigen Zwischenfall in Hanau, die ein Kollege und ich für die Sendung „Report Mainz“ unternommen haben, führten uns auf die Spur nach Ulm, wo schon seit einiger Zeit vom Verfassungsschutz im Umfeld des Islamischen Informationszentrums (IIZ) in Ulm eine radikal-islamische Szene beobachtet wird. Im IIZ trafen und treffen sich noch immer islamistische Anführer und Hetzprediger. Einige von ihnen wurden mittlerweile von bayerischen Behörden ausgewiesen. Andere haben freiwillig das Land verlassen, um einer Ausweisung zuvorzukommen. Ihre Hinterlassenschaft ist ein Hort infizierter junger Islamisten, die zu einer Gefahr werden können.

Aus dem Ulmer Zentrum sind bereits 2003 Gotteskrieger hervorgegangen, von denen drei in Tschetschenien ums Leben gekommen sind, unter ihnen auch ein deutscher Konvertit, Thomas Fischer, der anschließend in der vereinseigenen Zeitung als „Shehid Hamza“, als Märtyrer, gefeiert wurde. Aktuell wurde ein weiteres Mitglied dieses Informationszentrums in Pakistan festgenommen. Andere spionierten eine amerikanische Kaserne in Hanau aus. Aufgrund solcher Beobachtungen und Feststellungen drängt sich natürlich der Verdacht auf, dass Mitglieder aus diesem Zentrum terroristische Absichten verfolgen. So gesehen ist der Wahlspruch „Islam ist Frieden“ nicht nur eine Schutzbehauptung, sondern auch eine bewusste Irreführung all derer, die die Absichten des fundamentalistischen Islamismus nicht kennen oder auch nicht wahrhaben wollen.

Die Fragen stellte pro-Redakteur Andreas Dippel.

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Das ganze Interview mit Fritz Schmaldienst lesen Sie in der neuen Ausgabe des Christlichen Medienmagazins pro. Sie sind noch kein Bezieher? Dann bestellen Sie die pro kostenlos und unverbindlich: Telefon (06441) 915151, Fax: -957, E-Mail: pro@kep.de

Von: AD

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