Erst SWR, jetzt ZDF: Islamprogramm im Internet

M a i n z / S t u t t g a r t (PRO) - Am 20. April veröffentlichte der Südwestrundfunk (SWR) auf seiner Internetseite von "SWRcont.ra" das erste "Islamische Wort". Muslimen in Deutschland sollte eine Plattform in den Medien geboten werden, um Inhalte des islamischen Glaubens zu vermitteln. An diesem Freitag nun zieht das ZDF nach: Ebenfalls im Internet startet das Islamprogramm "Forum am Freitag".

Die Ankündigung des SWR, im Internet Sendungen von Muslimen auszustrahlen, hatte eine Fülle von Reaktionen ausgelöst. Nicht nur positive, auch kritische E-Mails, Anrufe und Briefe waren bei der zuständigen Redaktion "Kirche und Gesellschaft" des SWR in Stuttgart eingegangen. Nicht alle Hörer und Leser konnten das Anliegen des Senders nachvollziehen, wonach die Beiträge zum Dialog der Religionen und besseren Verständnis des Islam beitragen sollen. Einige warfen dem SWR nach eigenen Angaben vor, er lasse im "Islamischen Wort" Muslime zu Wort kommen, während in islamisch geprägten Ländern Christen verfolgt werden. Andere äußerten die Befürchtung, dass Vertreter des Islam derartige Plattformen nutzen könnten, um die radikalen Lehren des Islam zu verbreiten.

Immer geringere Resonanz auf "Islamisches Wort"

Mittlerweile sind die positiven wie auch kritischen Reaktionen auf die SWR-Beiträge beinahe gegen Null zurückgegangen. "Der große Ansturm war am Anfang, auf den letzten Beitrag etwa haben wir fast keine E-Mails oder Briefe mehr bekommen", sagt Valentin Nann vom SWR gegenüber pro-medienmagazin.de. Nann spricht konkret von "drei bis vier E-Mails", die Zuhörer oder Leser nach dem dritten "Islamischen Wort" an den SWR geschickt haben. Die Internetseite www.swrcontra.de, auf der das islamische Angebot veröffentlicht wird, hätten bislang insgesamt rund 20.000 Menschen besucht.

In den Beiträgen, die an jedem ersten Freitag im Monat veröffentlicht werden, sprachen die islamischen Vertreter bisher etwa über die "Gnade und Barmherzigkeit Gottes" oder von der "Notwendigkeit des Dialogs miteinander". Zuständig für diese ersten beiden Beiträge waren zum einen der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, und zum anderen der Dialogbeauftragte des türkisch-islamischen Dachverbandes Ditib, Bekir Alboga. Ditib ist der deutsche Ableger des türkischen Religionsamtes. Vom Koran ist in den Beiträgen unmissverständlich als "letzte Offenbarung an die Menschen" die Rede und Moses, Jesus und Mohammed werden in einer Reihe als "Gesandte Gottes" bezeichnet. Im dritten und aktuellen Beitrag referierte Emina Corbo-Mesic, islamische Religionspädagogin und Leiterin einer internationalen Kindergruppe der Islamischen Gemeinschaft Stuttgart, über "Maryam – Eine außergewöhnliche Frau". Es ging um Maria, der, so Corbo-Mesic, "der Koran, das heilige Buch der Muslime", eine "besondere Stellung" einräume. "Ein ganzes Kapitel ist nach ihr, der Mutter Jesu, benannt." Durchweg ist in den ersten drei "Islamischen Worten" an keiner Stelle von "Allah" die Rede, ausschließlich von "Gott" wird gesprochen. Zahlreiche Islamexperten halten dieses Vorgehen jedoch für nicht korrekt, da im Koran und der Bibel nicht von demselben Gott die Rede sei.

ZDF: Kenntnisse über Islam vermitteln

Nun startet das ZDF am Freitag seine Reihe "Forum am Freitag", ebenfalls als Angebot im Internet. Vermutlich erhält das ZDF auf sein Angebot eine weitaus höhere Resonanz als der SWR, denn im Unterschied zum SWR bringt der Mainzer Sender jede Woche einen Beitrag von islamischen Vertretern. Aiman Mazyek und Bekir Alboga gehören auch beim ZDF zum festen Autorenstamm. Unter www.forumamfreitag.zdf.de wird es künftig ein Onlineangebot geben, das laut ZDF "den Dialog mit den rund dreieinhalb Millionen in Deutschland lebenden Muslimen fördern will". Kernstück des Forums ist eine fünf- bis zehnminütige Sendung, in der jeweils eine ausgewählte muslimische Persönlichkeit zu einem aktuellen Thema aus der Lebenswirklichkeit von Muslimen spricht. Den Anfang macht am 6. Juli die Lehrerin Lamya Kaddor, die an einer nordrhein-westfälischen Hauptschule Unterricht im Fach Islamkunde erteilt.

ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut bezeichnete das "Forum am Freitag" in dieser Woche als "eine Plattform für den Dialog zwischen den Kulturen und Religionen". Das ZDF wolle damit einen Beitrag zur Integration der in Deutschland lebenden Migranten leisten. Muslime hätten über das Internetportal die Möglichkeit, in einem Gespräch oder einem Kommentar ihre Sicht des Zusammenlebens in Deutschland in das gesellschaftliche Gespräch einzubringen.

Nach Angaben von ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender richte sich das Angebot nicht nur an Muslime, "sondern an alle, die sich an der Diskussion um Migration und Integration fremder Kulturen in Deutschland beteiligen wollen". Gerade in der jetzigen Auseinandersetzung um Fundamentalismus, Terror und Krieg im Orient scheine es ihm besonders wichtig, Kenntnisse über den Islam zu vermitteln. Dabei sollen auch Zusammenhänge zwischen aktueller Politik und islamischer Botschaft, zwischen politischem Tun und religiöser Begründung zur Sprache kommen. Und Brender betonte weiter: "Unser Online-Angebot steht unter unserer Verantwortung und wird keine Plattform für Äußerungen sein, die nicht vom Grundgesetz gedeckt sind."

Von: Andreas Dippel

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