Wieder Thema: "Um Gottes Willen – Kreationisten auf dem Vormarsch"

Die Eröffnung des "Creation Museum" im US-Bundesstaat Kentucky sorgt für eine erneute Berichterstattung in den Medien über Schöpfungslehre, Kreationisten und Evangelikale. Der Kultursender „Arte“ brachte in der vergangenen Woche einen Bericht über das Museum, in der Sendung „Der Tag“ des Hessischen Rundfunksenders „HR 2“ ging es am Montag ebenfalls um das Thema.

"Um Gottes Willen – Kreationisten auf dem Vormarsch" lautete der Titel der „HR 2“-Sendung, die sich ausführlich mit dem Glauben mancher Christen an die Schöpfungslehre und die Evolutionstheorie befasste. Zur Sprache kamen all die Themen, die bereits seit vielen Monaten auch in den Medien immer wieder behandelt werden: christliche Fundamentalisten, die schleichend auf dem Vormarsch seien und wohlmöglich zur Gefahr für unsere Gesellschaft werden. Erinnert wurde an die Kontroverse an zwei Schulen in Gießen, in denen Lehrer die Schöpfungslehre im Biologieunterricht thematisierten.

„Was hierzulande für großes Aufsehen sorgte, ist in Amerika an der Tagesordnung“, so Moderatorin Karin Fuhrmann, „rund die Hälfte der Amerikaner glaubt, dass der Schöpfungsbericht in der Bibel wörtlich zu verstehen ist.“ US-Präsident George W. Bush etwa habe gefordert, dass in Schulen verschiedene Ansätze zur Entstehung der Welt besprochen würden, hieß es in einem Beitrag über die Kreationisten in den USA. Und die eröffneten erst jetzt ein neues Museum im US-Bundesstaat  Kentucky, in dem Besuchern die Schöpfung erklärt wird. „Der Schöpfungsbericht ist ein historischer Bericht, in dem uns Gott mitteilt, wie die Welt geschaffen wurde“, erklärt ein Mitarbeiter des Museums. In einem stilisierten Nachbau des Garten Edens stehen lebensgroße Figuren von Adam und Eva, dahinter ein bewegliches Dinosaurier-Modell. „Die Bibel sagt, dass der Mensch am sechsten Tag geschaffen wurde, und auch die Tiere – also lebten auch die Dinosaurier zur Zeit von Adam und Eva.“ Der Erlebnispark soll den Besuchern verdeutlichen, dass moderne wissenschaftliche Erkenntnisse in Einklang mit den Berichten der Bibel zur Erschaffung der Welt zu bringen seien, 27 Millionen Dollar haben Christen in den Bau des Schöpfungsmuseums investiert.

Schöpfungslehre gehört zum Glauben, sagt ein Atheist

Schnell aber kam in der „HR 2“-Sendung sehr grundsätzlich die Sprache auf den Glauben an sich. Der erklärte Atheist Michael Schmidt-Salomon von der Giordano-Bruno-Stiftung  - einer „Stiftung zur Förderung des evolutionären Humanismus“ - wurde gefragt, ob Religion überhaupt ohne den Schöpfungsglauben auskomme. „Wer die Schöpfungslehre aus dem Glauben streicht, sei es bei den Christen, den Juden oder den Muslimen, der kann eigentlich auch den ganzen Rest seines Glaubens vergessen. Die Schöpfungslehre ist die Basis des religiösen Glaubens. Das steht auch im Katechismus der katholischen Kirche klar formuliert.“

In Deutschland und Europa verträten die Kirchen eine „modifizierte Variante“ der Schöpfungslehre, das „Intelligent Design“, sagte Schmidt-Salomon. So etwa der Wiener Erzbischof, Kardinal Schönborn, der im Juli 2005 mit seinem in der „New York Times“ veröffentlichten Text „Finding Design in Nature" für Aufsehen gesorgt hatte. In dem Kommentar bezeichnete er die Evolutionstheorie als Ideologie, da sie vom Zufall als wesentliche Komponente der Evolution ausgehe. Der Zufall werde als Dogma festgelegt, Gott werde nicht gebraucht.

„Missionierungsinstrument der Kreationisten sind die Medien“

„Ein Missionierungsinstrument der Kreationisten sind die Medien, in den USA haben die Kreationisten ganze Fernseh- und Hörfunksender. Bei uns ist es noch nicht ganz so weit, aber auch in Deutschland und Österreich sind die christlichen Fundamentalisten auf dem Vormarsch und okkupieren Sendezeit. Noch ist die Szene übersichtlich und gerade einmal eine Handvoll Hörfunk- und Fernsehprogramme widmet sich voll und ganz der christlichen Botschaft“, so die Moderatorin.

Autor Michael Maier berichtet dann über christliche Sendungen in Deutschland, wie etwa die „Hour of Power“ von Robert Schuller, die regelmäßig auf dem Privatsender „Vox“ ausgestrahlt wird. Auch „Bibel.TV“ wird thematisiert, „das einer ganzen Reihe von christlichen Gemeinden die Gelegenheit gibt, ihre Botschaft unters Volk zu bringen“. Im Programm vertreten sei auch der „seit Jahrzehnten in den USA agierende Fernsehprediger Pat Robertson mit seiner Sendung ‚The 700 Club‘“, so der HR-Autor. Sicherlich sei es jedoch übertrieben, „Bibel.TV“ als „Evangelikalensender“ zu bezeichnen. Henning Röhl sagt in dem Beitrag: „Wir gehören keiner bestimmten Konfession an, sondern sind bewusst ein ökumenischer Sender.“ Dennoch fänden sich im Programm immer wieder Aussagen zur Schöpfungslehre, heißt es in dem Bericht. Im katholischen Hörfunksender „Radio Horeb“ werde ebenfalls uneingeschränkt die Schöpfungslehre verbreitet.

Über grundlegende Fragen des Bibelverständnisses

Michael Utsch von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen erklärte in einem Interview, dass sich auch Evangelikale innerhalb des Protestantismus fänden und daher auch der Kreationismus in der evangelischen Kirche auf größeren Wiederhall stoße. „Wir Protestanten sind auch ein wenig Stolz darauf, dass sich unter unserem Dach ein breites Spektrum an Glaubensrichtungen beheimaten kann. Dazu gehören allerdings auch sehr konservative Strömungen, die traditionell dem Pietismus zugerechnet werden und am Rande der Kirchen sehr viele Freikirchen, die ein Stück radikaler sind.“

Was den Glauben an die Schöpfung angehe, seien die Unterschiede zwischen Evangelikalen und Kirchen sehr groß. „Die evangelische Kirche legt großen Wert darauf, die Bibel auszulegen. Es ist ja nicht so, dass ein Prophet irgendeine Stimme gehört hat und in einer Trance etwas niedergeschrieben hat. Sondern es sind von Gott begabte Menschen gewesen, die die biblischen Texte niedergeschrieben haben“ erläutert Utsch den Unterschied des Bibelverständnisses. Der Kreationismus sei daher kein Bestandteil der Lehre der Kirche, sondern begrenze sich auf einen Randbereich der eingetragenen Kirchen und auf die Freikirchen.

Die Aufklärung der Religion

150 Jahre, nachdem sich Charles Darwin mit seiner Evolutionstheorie an die Öffentlichkeit wagte, kämpfe heute der Evolutionsbiologe Richard Dawkins aktiv für den Atheismus, so ein weiteres Thema der Sendung. Dawkins behaupte, der alttestamentarische Gott sei ein Rassist, Schwulenhasser und ethnischer Säuberer, ohne Religion hätten wir keine Kreuzzüge, Hexenmord an den Juden oder 11. September erlebt. Der katholische Theologe Axel Brohmeier vom Berliner Institut für christliche Ethik und Politik forderte in einem Interview die weitere „Aufklärung der Religion“. Kirchen dürften nicht hinter ihre theologischen Errungenschaften zurückfallen und sich „von Kreationisten beeinflussen“ lassen.

Von: Andreas Dippel

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