"Megatrend Religion" oder "Megatrend Gottvergessenheit"

B a d H e r r e n a l b (PRO) - Das Interesse an Religion ist in unserer Gesellschaft größer geworden, doch gleichzeitig ist ein "massenhafter Gewohnheitsatheismus" zu verzeichnen. Dies sagte der evangelische Theologe Ulrich Körtner von der Universität Wien auf der Tagung "Die Wiederkehr der Religion" der Evangelischen Akademie Baden.

Anlass der Tagung vom 4. bis 6. Mai in Bad Herrenalb war der 60. Geburtstag der Akademie. Theologen, Soziologen und andere Wissenschaftler befassten sich mit der gesellschaftlichen Bedeutung der Religion im 21. Jahrhundert. An der Diskussion nahmen zwölf der Preisträger des Bad Herrenalber Akademiepreises teil, berichtet der Evangelische Pressedienst (epd).

Religion sei für die Menschen interessanter geworden, stellen Theologen und Sozialwissenschaftler laut den Veranstaltern fest. Von einem "Zeitalter der Religion" schrieb gar der Chefredakteur der Zeitschrift "Cicero": "Gott kehrt zurück, und zwar mit Macht – im doppelten Sinne des Wortes. Nicht nur als philosophische Kategorie, revitalisierte Tradition, theologische Überzeugung oder spirituelle Kraft. Er kommt mitten hinein in den politischen Raum. (…) Wir gehen vom postmodernen ins neoreligiöse Zeitalter."

Wiederkehr der Religion – und zugleich Massenatheismus

Für das Individuum oder die Gesellschaft bedeute dies aber keinesfalls eine Zunahme an Religiösität, meint Körtner, der seit 1992 Ordinarius und Vorstand des Instituts für Systematische Theologie an der Evangelisch-Theologischen Fakultät und des Instituts für Ethik und Recht in der Medizin der Universität Wien ist. Neben religiösen Neuaufbrüchen gebe es auch einen "massenhaften Gewohnheitsatheismus", sagte der Wissenschaftler auf der Tagung. Das Thema seines Vortrages lautete: "Gibt es eine Wiederkehr der Religion? Christentum zwischen neuer Spiritualität und Gottvergessenheit". "Die These von der Wiederkehr der Religion unterstellt, dass sie zeitweilig verloren gegangen sei. Tatsächlich ist jedoch auch eine säkularisierte Gesellschaft niemals völlig religionslos. (…) Intensität und Formen von Religion, sowie ihre gesellschaftliche Funktion haben sich allerdings erheblich gewandelt", meinte der Theologe, der 2001 zum österreichischen Wissenschaftler des Jahres gewählt wurde.

Während die Medien und Kirchenvertreter einen "Megatrend Religion" konstatierten, könne man mit gleichem Recht von einem "Megatrend Gottvergessenheit" sprechen. Daher bestehe der Auftrag der Kirchen nicht darin, sich ein möglichst großes Stück vom Kuchen der neuen Spiritualität zu sichern, sondern darin, dass Evangelium zu verkündigen.

Von: js

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