Die Evangelikalen – Ein Plädoyer für einen fairen Umgang

Evangelikale - sie sind "konservativ, intolerant und gefährlich". So lautet das Verdikt vieler Beobachter und Berichterstatter über die konservativen und gleichsam engagierten Christen. Doch was glauben die Evangelikalen wirklich? Und was ist ihnen wichtig? Die Antworten geben bekannte Christen - in der neuen Ausgabe des Christlichen Medienmagazins pro.

"Evangelikale sind keineswegs mit politischen und religiösen Fanatikern jeder Couleur in einen Topf zu werfen", schreibt Rolf Hille, Theologe und Rektor des Albrecht-Bengel-Hauses in Tübingen, in seinem Gastbeitrag über die Evangelikalen. Es sei vielmehr "töricht, diese vitale ökumenische Kraft im Protestantismus in die Sektenecke schieben zu wollen".

"Engagiertes Eintreten für biblische Überzeugungen"

Seinen Leitartikel stellt Stephan Holthaus, Dekan der Freien Theologischen Akademie in Gießen, unter den Titel "Die Evangelikalen: ein Plädoyer für einen fairen Umgang". "Evangelikale sind engagierte Christen. Sie leben ihren Glauben nicht nur privat, sondern auch öffentlich. In unserer Zeit, wo Christsein nur noch Privatsache ist, fällt das auf. Evangelikale halten nicht hinter dem Berg, wenn es um Glaubensfragen geht. Ob Fisch am Auto oder Bekenntnis auf dem T-Shirt, protestierende Leserbriefe in der Zeitung oder Traktate im Briefkasten – der Glaube soll unter die Leute, so lautet ihr Motto", schreibt Holthaus.

Dabei unterscheiden sich die Evangelikalen in vielen ihrer Glaubensüberzeugungen nicht von anderen Christen. "Der Glaube an die Dreieinigkeit, die Gottheit Jesu, die Auferstehung der Toten und an Gott als den Schöpfer ist für sie selbstverständlich. Das 'Apostolische Glaubensbekenntnis' könnten sie unterschreiben. Was sie von anderen Christen unterscheidet, ist die Überzeugung, dass die Bibel absolut glaubwürdig ist. Sie ist für Evangelikale das wichtigste Buch der Welt, eine unfehlbare Offenbarung Gottes an den Menschen."

Das unterstreicht auch Reinhard Haupt, Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena, in seinem Beitrag. "Evangelikal – das steht für ein engagiertes Eintreten für biblische Überzeugungen im persönlichen Alltag und im gesellschaftlichen Umfeld." Wie in anderen Gegenwartsfragen erweise sich der christliche Glaube auch im Wirtschaftsleben als "verlässliches Pilotsystem zwischen Gewinn und Gewissen, zwischen Wert und Werten", so der Wirtschaftswissenschaftler in der pro.

Das vierfache "allein" der Reformation

"Ich bin evangelisch. Weil das in der ganzen englischsprachigen Welt 'evangelical' heißt, bin ich auch gern mit dem Etikett 'evangelikal' einverstanden", schreibt Pfarrer Ulrich Parzany, Leiter und Redner der Evangelisationsbewegung ProChrist. "Ich stehe für das vierfache 'allein' der Reformation: Allein Jesus Christus, allein die Gnade, allein der Glaube, allein die Schrift."

Über "die Schrift" schreibt auch Christoph Morgner, Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes. "Als Evangelikale haben wir ein Fundament, aber wir sind keine Fundamentalisten. Unser Fundament ist keineswegs die Bibel, sondern allein Jesus Christus. Der hohe Wert der Bibel besteht darin, dass sie uns mit Jesus bekannt macht und damit unfehlbar zu Gott hinführt. Wir müssen nicht für die Wahrheit der Bibel kämpfen, weil diese sich immer wieder durchsetzt."

Beziehungsmenschen

Bei allem Glauben dürfe jedoch die Praxis nicht zu kurz kommen, schreibt Jürgen Werth, Direktor des Evangeliums-Rundfunks und seit 2007 Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz. "Der christliche Glaube ist eine Sache von Beziehungen. Es geht um die Beziehung Gottes zu seinen Menschen und um die Beziehungen, die wir miteinander leben. Kurz: Evangelikale sind Beziehungsmenschen", so Jürgen Werth.

Unterschiedliche Auffassungen akzeptieren

Die Islamwissenschaftlerin und wissenschaftliche Leiterin des Instituts für Islamfragen der Deutschen Evangelischen Allianz, Christine Schirrmacher, fordert die Evangelikalen auf, korrekturbereit zu bleiben. "Die Bibel ist Evangelikalen zwar oberste Autorität, aber in ihrer Auslegung ergeben sich Unterschiede. Evangelikale verstehen nicht alles und können nicht alles erklären. Gerade, weil sie überzeugt sind, dass Jesus lebt und ihnen heute Antwort gibt, bleiben Fragen offen. Auch der, der glaubt, dass die Bibel oberste Autorität ist, muss zugeben, dass er manche Passagen des Textes (noch) nicht versteht und nicht auf alles eine Antwort hat. Daher revidieren auch Evangelikale manche ihrer Auffassungen im Laufe der Zeit – durchaus kein Zeichen der Schwäche, sondern der Korrekturbereitschaft", so Christine Schirrmacher.

Über die "Wahrheit und Freiheit" schreibt auch die Evangelistin Christina Brudereck, eine der Rednerinnen der Evangelisationsbewegung "JesusHouse". "Wahrheit und Freiheit haben beide ihr Recht. Von Gott her. Für den Menschen. Aber sie ringen miteinander. Wahrheit ohne Freiheit steht in der Gefahr, Gewalt auszuüben. Freiheit ohne Wahrheit birgt das Risiko, gleichgültig zu sein. Beide sind ohne einander rücksichtslos, enden in Angst und  Aggression auf der einen, in Beliebigkeit auf der anderen Seite. Wir stehen immer wieder in der Versuchung, Wahrheit oder Freiheit zu opfern. Die Folgen sind in beiden Fällen fatal."

Von Pietisten zu Evangelikalen

Weitere Autoren der neuen Ausgabe des Christlichen Medienmagazins pro zum Thema "Evangelikale - Wer sie sind, was ihnen wichtig ist" sind der Fernsehmoderator und Bestsellerautor Peter Hahne, die Redaktionsleiterin der christlichen Frauenzeitschrift "Lydia", Elisabeth Mittelstädt, der Vorsitzende der Evangelischen Nachrichtenagentur idea und des Kongresses christlicher Führungskräfte, Horst Marquardt, der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb sowie Jürgen Mette, Geschäftsführer der Stiftung Marburger Medien.

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Von: pro/Andreas Kuhlmann

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