Deligöz: "Moslems wollen Kritik unmöglich machen"

B e r l i n (PRO) - Nach Ansicht der türkischstämmigen Politikerin Ekin Deligöz wollen radikale Moslems in Deutschland bei der Kopftuchdebatte Kritik an religiösen Symbolen und Traditionen unmöglich machen. Die Bundestagsabgeordnete hatte nach ihrem Aufruf an moslemische Frauen in Deutschland, das Kopftuch abzulegen, Morddrohungen und Schmähungen aus islamistischen Kreisen erhalten.

Vertreter verschiedener moslemischer Vereinigungen konnten sich bei Gesprächen mit der Politikerin nicht zu klaren Solidaritätsbekundungen durchringen: Zwar sei die Meinungsfreiheit in Deutschland ein "hohes Gut", doch ein Aufruf zum Ablegen des Kopftuches sei nicht hinzunehmen.

Wunsch nach mehr Solidarität der Muslime

"Ich wusste nicht, in was für ein Nest ich hineinstoße", sagte Deligöz laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (F.A.Z.). Den Radikalen gehe es darum, "Kritik an religiösen Symbolen oder Traditionen unmöglich zu machen". Von den demokratischen Muslimen hatte sich die Politikerin mehr Solidarität gewünscht. "Sie sagen letztendlich, du bist selber schuld, wenn du das ansprichst, dann musst du damit rechnen, dass so etwas kommt." Die Grünen-Bundestagsabgeordnete kann sich nicht mehr ohne Polizeischutz in der Öffentlichkeit blicken lassen.

Die Grünen-Fraktion hatte am Dienstag in Berlin fünf Islam-Vertreter eingeladen, um mit Deligöz zu sprechen. Zwar kritisierten sie die Drohungen und Beleidigungen gegen Frau Deligöz. Gleichzeitig kritisierten sie jedoch auch den Aufruf, das Kopftuch abzulegen. Laut "Spiegel Online" sagte etwa Kenan Kolat vom Türkischen Bund Berlin: "Sicher muss Ekin Deligöz alles sagen können. Aber sie muss aufpassen, was sie sagt." Deligöz gefährde mit ihren Aussagen den sozialen Frieden. Denn für die Öffentlichkeit im Lande sei es nicht möglich, islamistischen Terror und islamisches Kopftuch auseinander zu halten.

Unter anderem hatten der Zentralrat der Muslime, der Islamrat sowie die Türkische Gemeinde sich inzwischen von den Beleidigungen und Morddrohungen distanziert. Den Aufruf, das Kopftuch abzulegen, bezeichneten sie jedoch als "unsinnig" und "populistisch".

Muslime in Deutschland sollen Werte akzeptieren

Die Anfeindungen gegenüber der Grünen-Politikerin lösten zugleich eine Flut von Solidaritätsbekundungen anderer Parteien, Organisationen und des Innenministeriums aus. Sie alle verteidigten die Meinungsfreiheit. Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) forderte die Muslime in Deutschland auf, verschiedene Meinungen zur Rolle der Frau zu akzeptieren, heißt es in "Spiegel Online" weiter. Ronald Pofalla, CDU-Generalsekretär, sagte, das "Klima des Hasses" gegenüber Deligöz sei "nicht hinnehmbar": "Wer hier lebt, muss unsere Werte akzeptieren."

Auch der bayrische Innenminister Günther Beckstein (CSU) nannte die Morddrohungen einen "unverhohlenen Versuch, die Meinungsfreiheit einzuschränken und damit die Grundlagen unserer Rechtsordnung zu erschüttern".

Deligöz selbst rief dazu auf, die Kopftuchdebatte auf einer "sachlichen Ebene" zu führen. Religions- und Meinungsfreiheit dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden. "Ich habe keine Angst, weil das, was ich verteidige, ein kostbares Gut ist - die Freiheit."

Von: cl

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