"Was hat Mohammed Neues gebracht?" - Moslems kritisieren den Papst

R e g e n s b u r g (PRO) - Die Aussagen von Papst Benedikt XVI. über Unterschiede zwischen Christentum und Islam haben zahlreiche Moslems in Empörung versetzt. Das staatliche türkische Religionsamt forderte am Donnerstag eine offizielle Entschuldigung des Papstes, türkische und arabische Medien kritisierten die Äußerungen scharf. Benedikt XVI. hatte am Dienstag an der Universität Regensburg über den "heiligen Krieg" und Mohammed gesprochen. Der gegenwärtige Streit zeigt, wie brüchig der Dialog der Religionen und Kulturen ist.

Das Oberhaupt der katholischen Kirche hatte in seiner Vorlesung das Thema der Vereinbarkeit von Glaube und Vernunft gewählt. In seiner Vorlesung zitierte Benedikt XVI. einleitend aus einem Streitgespräch zwischen dem byzantinischen Kaiser Manuel II. Palaeologos und einem gebildeten Perser. "Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten", zitiert der Papst den Kaiser. Die Aussage steht im Kontext der einleitenden Ausführungen über Glaube und Vernunft.

"Warum Glaubensverbreitung durch Gewalt widersinnig ist"

"In dieser Vorlesung möchte ich nur einen – im Aufbau des Dialogs eher marginalen – Punkt behandeln, der mich im Zusammenhang des Themas Glaube und Vernunft fasziniert hat und der mir als Ausgangspunkt für meine Überlegungen zu diesem Thema dient. In der von Professor Khoury herausgegebenen siebten Gesprächsrunde (διάλεξις – Kontroverse) kommt der Kaiser auf das Thema des Djihād (heiliger Krieg) zu sprechen. Der Kaiser wusste sicher, dass in Sure 2, 256 steht: Kein Zwang in Glaubenssachen – es ist eine der frühen Suren aus der Zeit, in der Mohammed selbst noch machtlos und bedroht war.

Aber der Kaiser kannte natürlich auch die im Koran niedergelegten – später entstandenen – Bestimmungen über den heiligen Krieg. Ohne sich auf Einzelheiten wie die unterschiedliche Behandlung von 'Schriftbesitzern' und 'Ungläubigen' einzulassen, wendet er sich in erstaunlich schroffer Form ganz einfach mit der zentralen Frage nach dem Verhältnis von Religion und Gewalt überhaupt an seinen Gesprächspartner. Er sagt: 'Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten'.

Der Kaiser begründet dann eingehend, warum Glaubensverbreitung durch Gewalt widersinnig ist. Sie steht im Widerspruch zum Wesen Gottes und zum Wesen der Seele. 'Gott hat kein Gefallen am Blut, und nicht vernunftgemäß (σoν λόγω) zu handeln, ist dem Wesen Gottes zuwider. Der Glaube ist Frucht der Seele, nicht des Körpers. Wer also jemanden zum Glauben führen will, braucht die Fähigkeit zur guten Rede und ein rechtes Denken, nicht aber Gewalt und Drohung… Um eine vernünftige Seele zu überzeugen, braucht man nicht seinen Arm, nicht Schlagwerkzeuge noch sonst eines der Mittel, durch die man jemanden mit dem Tod bedrohen kann…'. Der entscheidende Satz in dieser Argumentation gegen Bekehrung durch Gewalt lautet: Nicht vernunftgemäß handeln, ist dem Wesen Gottes zuwider."

Moslems kritisieren Papst: "Kreuzfahrermentalität"

Der Leiter des staatlichen Religionsamtes in der Türkei, Ali Bardakoglu, sprach laut Medienberichten von einer "Kreuzfahrermentalität" des Papstes, der eine "feindselige Haltung" an den Tag lege. Christen sollten erst einmal erklären, wie sie ihren Glauben etwa an die Dreieinigkeit mit der Vernunft in Einklang brächten.

Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, sagte gegenüber der Berliner Zeitung "Tagesspiegel", auch die Geschichte des Christentums sei schließlich blutig gewesen – "man denke nur an die Kreuzzüge oder die Zwangsbekehrungen". Andere muslimische Repräsentaten nannten die Rede des Papstes "keinen positiven Beitrag" zum Dialog der Kulturen und Religionen und verlangten eine Klarstellung.

Kritik kam auch von der palästinensischen Fatah. Der Sprecher der Partei im Westjordanland, Fahmi a-Sa'arir, sagte laut der Nachrichtenagentur "Ma'an": "Die Ansprache des Papstes reflektiert nicht die christliche Toleranz, die in der Person des palästinensischen Boten des Christentums, Jesus Christus, repräsentiert wurde."

Von: Andreas Dippel

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