USA: Dokumentation über Pinguine provoziert Religionsdebatte

N e w Y o r k (KEP) - Eine Dokumentation über das Leben der Pinguine in der Antarktis sorgt derzeit in den USA für eine hitzige Religionsdebatte. Bibeltreue Amerikaner sehen im Verhalten der Pinguine traditionell christliche Werte bestätigt wie Monogamie, Kindererziehung und Aufopferung für die Familie.

Mit der Dokumentation "Die Reise der Pinguine", die in deutschen Kinos ab dem 13. Oktober zu sehen ist,  hat der französische Dokumentarfilmer Luc Jacquet eindrucksvoll das Leben der Kaiserpinguine in der rauen Antarktis in Szene gesetzt. Dass die Pinguine nun für Religionsdebatten in den USA herhalten müssen, war wohl auch für den Filmproduzenten eine Überraschung.

Zweifelhafte Glaubensvorbilder amerikanischer Christen?

Während die Produzenten des Films nach eigenen Ausgaben "den (Über-)Lebenskampf und Triumph des Kaiserpinguins" beschreiben wollen, sehen US-Christen im Leben der Pinguine ihre Glaubenswerte bestätigt.

Zweifelhafte Formen nehmen dabei die Reaktionen einiger christlicher Gruppierungen an: religiöse Konservative loben die dargestellte monogame Lebensweise der Pinguine, deren Aufopferung bei der Aufzucht der Jungen und ganz allgemein die traditionellen "Familienwerte", die trotz unwirtlicher Gegend hochgehalten würden.

Wie "Spiegel Online" berichtet, sehe die christliche Organisation "153 House Churches Network" im Überlebenskampf der Pinguine gar den Beweis gegen die Evolutionstheorie und für die Existenz Gottes.

Laut dem christlichen "World Magazine" zeige der Film eindrucksvoll, dass das Leben eben doch zu komplex sei, als dass es nach Darwins Gesetzen hätte entstehen können. Bemängelt wurde allerdings, dass der Film die Rolle Gottes als Schöpfer ausspare - diese Lücke könne aber in der familieninternen Diskussion nach dem Film leicht gefüllt werden.

Dabei übersehen all diese Interpretationen, dass Pinguine sich jedes Jahr mit einem anderen Partner paaren. Auf der Internetseite des Filmes erfährt der Leser, dass Pinguine zwar ein Vorbild an Ernsthaftigkeit und Ausdauer mit einem einzigartigem Brutverhalten sind. Als Vorbild an Treue können die Tiere aber nicht herhalten, denn ein Pinguinpaar bleibt nur für das Jahr der Aufzucht zusammen.

Glaubenskampf in den Medien

Die "New York Times" spricht  in Anspielung an Mel Gibsons erfolgreiche Verfilmung der Leiden Christi von "Passion der Pinguine". "Die Reise der Pinguine" dürfte der größte Filmgenuss für tief gläubige Christen seit "Die Passion Christi" sein, zitiert der "Spiegel" den Filmkritiker Michael Medved.

Bezeichnend für den Kampf, der über die Medien ausgetragen wird, ist auch ein Kommentar des Kolumnisten George Will in der "Washington Post". Er bezieht sich auf die Frage, ob das Überleben der Pinguine ein Ergebnis der Evolution oder vielmehr Ausdruck von Gottes Willen ist und kommentiert: "Wenn Gott denn die Natur geschaffen hat - warum machte er dann das Brüten für diese Pinguine so mühsam?"

"Die Reise der Pinguine" handelt vom Jahreszyklus im Leben der großen Kaiserpinguine. Diese verlassen jedes Jahr in großen Scharen die Sicherheit des Meeres, um in einem mühevollen, Hunderte von Kilometern langen Marsch zu ihren Balz- und Brutplätzen zu wandern. Nach erfolgreicher Paarung legt das Weibchen ein einziges Ei, das vom Pinguinvater schließlich vor der unerbittlichen Kälte geschützt und ausgebrütet wird.

Der sicherlich sehenswerte Film wurde unter schweren Bedingungen produziert. Eine Filmcrew hatte während der Wintermonate in der Antarktis ein Camp errichtet und dort, von der Welt abgeschnitten, dreizehn Monate verbracht. Die dauerhafte Präsenz des Filmteams vor Ort machte es möglich, die unglaubliche Vielfalt des Pinguinlebens einzufangen, sowie einzigartige Begebenheiten festzuhalten.

"Die Reise der Pinguine" hat in den USA bisher 74,5 Millionen Dollar (62 Mio. Euro) eingespielt. Sicher nicht zuletzt, weil Tausende US-Christen in die Kinos strömten. Damit ist er der zweiterfolgreichste Dokumentarfilm der USA - hinter Michael Moores "Fahrenheit 9/11".

Die Reise der Pinguine kommt am 13. Oktober in die deutschen Kinos. Die Filmbewertungsstelle Wiesbaden (FBW) hat die Dokumentation mit dem Prädikat  "besonders wertvoll" ausgezeichnet.

Von: Ellen Nieswiodek

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