"Happy-slapping" - Gewalt auf dem Handy

L o n d o n (KEP) - In Großbritannien breitet sich ein neues Phänomen unter jugendlichen Handy-Nutzern aus: "Happy slapping" (fröhliches Prügeln). Der missverständliche Begriff meint den brutalen Zeitvertreib britischer Jugendlicher,

Passanten oder gar Schulkameraden anzugreifen und zu misshandeln, während ein anderer die brutalen Angriffe mittels Videohandy filmt und später im Internet veröffentlicht. Vielfach wird ein solches Video auch an andere Handys versendet.

In den vergangenen Tagen hat diese Bewegung des Slapping eine neue grausame Dimension erreicht: Wie die britische Zeitung "Daily Mail" berichtete, verhört die britische Polizei derzeit zwei 14-Jährige, die im Verdacht stehen, eine Elfjährige während einer so genannten "happy slapping"-Attacke vergewaltigt zu haben.

Wie "Daily Mail" berichtet, sei die Vergewaltigung auf Video-Handys aufgenommen und an mehrere Schüler einer Londoner Schule gesandt worden. Lehrer der Schule haben daraufhin die Polizei alarmiert.

"Happy Slapping" hat seit einem halben Jahr in Großbritannien Hochkonjunktur. "Für viele Kinder und Jugendliche ist das technisch gesehen eine einfache Übung. Ihre Eltern haben dagegen oft keine Ahnung, was sich mit den moderne Telefonen anstellen lässt", so Christian Hagen, Leiter der Kriminalprävention. Einige britische Schulen sind inzwischen dazu übergegangen, das Benutzen von Foto-Handys auf ihrem Gelände zu verbieten.

Der Trend, brutale Videos über Handy zu verbreiten, scheint auch in Deutschland angekommen zu sein: So berichtet das "Schwäbische Tagblatt", dass auf Tübinger Schulhöfen ein vermutlich echtes Hinrichtungsvideo kursierte.

Wie Staatsanwaltschaft und Polizei mitteilten, wurde die Videosequenz, in der ein am Boden liegender Mann mit einem Kampfmesser enthauptet wird, an zwei Tübinger Schulen in der Pause von Fotohandy zu Fotohandy übertragen. Gegen zwei Jugendliche im Alter von 15 und 16 Jahren wird nun wegen der Verbreitung des so genannten „Snuff Videos“ ermittelt.

Der Schulleiter ertappte in der Pause einen seiner Schüler, als er den Film gerade auf seinem Handy anschaute. Er nahm ihm das Handy ab und verständigte die Polizei. Der 15-jährige Schüler gab bei seiner Vernehmung zu, dass er selbst das von einer US-amerikanischen Website stammende Video von einer 16-jährigen Schülerin erhalten hat. Nun wird gegen beide ermittelt – wegen des Verdachts der Verbreitung verbotener Gewaltdarstellungen. Später soll das grausame Filmmaterial aber auch an einer zweiten Tübinger Schule aufgetaucht sein.

Der Züricher Psychologieprofessor Daniel Süss erinnert in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" daran, dass das Filmen von Gewalt nichts Neues sei. Hooligans hätten schon vor Jahren Prügeleien angezettelt, um diese mit der Kamera festzuhalten. "Snuff Videos" kursierten bereits in den Achtzigern. Über das Phänomen des "Slapping" gebe es bisher keine gesicherten psychologischen Erkenntnisse. Es könne sich aber um eine Form der Wohlstandsverwahrlosung handeln.

Der britische Kulturforscher Graham Barnfield sagte in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung": "Durch "Slapping" entsteht nicht neue Gewalt, sondern bestehende Gewalt wird sichtbar gemacht. Dabei ist das Ziel weniger der körperliche Angriff, sondern die Demütigung". Die Videos seien besonders demütigend für die Opfer, weil die Täter sie an Mitschüler schickten und diese sie beliebig oft ansehen könnten.

Barnfield glaubt nicht, dass aus den brutalen Vorgängen ein Trend werden könnte: "Happy Slapping" ist ein Phänomen der Zeit - wenn auch ein sehr krankes - und solche erledigen sich gewöhnlich von selbst." Der Kulturforscher glaubt nicht daran, dass unbescholtene Jugendliche nun beginnen, über andere herzufallen. "Die meisten Täter haben bereits eine Strafakte", davon ist Barnfield überzeugt.

Aber auch Erwachsene sind nicht besser als Jugendliche. Das zeigt ein menschenverachtender Trend aus den USA: Dort vertreibt die Untergrund-Unterhaltungsindustrie über das Internet so genannte "Bumfights". Das sind Gewaltvideos, die gegen Gebühr heruntergeladen oder ausgeliehen werden können.

Auf den Videos sind Obdachlose zu sehen, die sich gegenseitig verprügeln, die Zähne ausschlagen oder mit dem Kopf gegen eine Wand schlagen - alles für ein paar Dollar oder einige Flaschen Schnaps.



Von: Ellen Nieswiodek-Martin

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