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Gerechtigkeit ist keine Einbahnstraße

Soziale Gerechtigkeit darf keine eingleisige Sache sein. Sie muss das Leben von Empfängern wie auch Gebern im umfassenden Sinn verändern. Das hält der amerikanische Pastor Timothy Keller in seinem Buch "Warum Gerechtigkeit?" fest. Auch sonst geht es ihm bei diesem Thema ums Ganze.
Von PRO

Foto: Brunnen-Verlag

Timothy Keller wurde in den vergangenen Jahren als Pastor der "Redeemer Presbyterian Church" in New York bekannt und zeichnet sich dadurch aus, dass er gebildeten und gemeindefernen Menschen in der Großstadt das Christentum näher bringt. Sein Buch "Warum Gerechtigkeit?" entspricht diesem Profil: Es ist tiefgründig, erläutert gut die biblischen Ursprünge der Gerechtigkeit – und versteht es außerdem, mit säkularen Auffassungen ins Gespräch zu kommen.

Christliche Gerechtigkeit mit Vorzügen

So stellt er etwa klar, dass Christen nicht die einzigen sind, die nach Gerechtigkeit fragen. Auch weltliche Denker haben sich natürlich mit der Problematik befasst und sind zu guten Ergebnissen gekommen. Jedoch, so Keller, handelt es sich meist um einseitige Ansichten. Der Utilitarismus etwa, der das größte Wohl für möglichst viele Menschen im Blick hat, verabsolutiert dieses Ziel, so dass etwa das Recht des Einzelnen unterbestimmt bleibt.

Ein Vorzug der christlichen Auffassung von Gerechtigkeit liege darin, allumfassend zu sein: "Gerechtigkeit üben erfordert also, immer wieder neu nachzudenken und alle Aspekte einzubeziehen", schreibt Keller. Schon aus diesem Grund sollten sich Christen nicht gänzlich mit politischen Strömungen identifizieren, rät er. Ein weiterer Vorzug: Letztlich gründet jede Vorstellung von Gerechtigkeit im biblischen Glauben an die Gottesebenbildlichkeit des Menschen.

Buch für Christen und Nichtchristen

Diese Thesen stellt Keller nicht einfach so in den Raum. Er belegt sie mit Zitaten von alten und zeitgenössischen Größen der Geistesgeschichte. Außerdem bettet er das jüdisch-christliche Gerechtigkeitsverständnis in die biblische Umwelt ein und erklärt, warum es so vorzüglich ist. Einem Satz wie "Wir können uns kaum vorstellen, wie revolutionär dies in der Welt der Antike war" begegnet der Leser immer wieder.

In Verbindung mit dem einfachen Schreibstil ergibt sich somit für Christen und Nichtchristen eine interessante Lektüre. Keller stellt zudem wichtige Fragen: Sollen Christen auch denen helfen, die doch selbst schuld sind an ihrer Lage, das Gegebene verprassen und sich undankbar zeigen? Kellers Antwort: Ja. Denn oftmals verbirgt sich hinter der vergeuderischen Haltung keine böse Absicht, sondern eine weitere Not des Menschen.

Auf diese kann man kommen, wenn man sich der Person nur richtig widmet. Und wendet sich die Person partout nicht zum Besseren, dann ist mit ihr jedenfalls ihrer Familie geholfen. Gedanken und Beispiele dieser Art, die Keller ausführlich anführt, verdeutlichen den umfassenden Sinn von biblischer Gerechtigkeit. Zwar haben diese Passagen eher die amerikanische Wirklichkeit im Blick. Dennoch werden auch deutsche Leser den vorgestellten Beispielen etwas abgewinnen können.

Begründetes Üben von Gerechtigkeit

Doch warum sollten Christen überhaupt Gerechtigkeit üben? Der wesentliche Ansporn ist für Keller die eigene Erfahrung der Gnade Gottes: "Der Mensch, der in seinem Herzen begriffen hat, was Gottes Gnade für ihn bedeutet, wird Gerechtigkeit üben." Zu dieser Erfahrung gehört der Aspekt, dass niemand sich selbst gerettet hat – entsprechend geht es auch nicht an, von anderen zu verlangen, sich erst einmal selbst zu retten.

Aus diesem Grund kann das Üben von Gerechtigkeit auch den Geber verändern. Besonders die Konsumkultur in westlichen Ländern, die sich durch ausgiebige Deckung des Eigenbedarfs und spontane Bedürfnisbefriedigung auszeichnet, verhindere Gerechtigkeit, schreibt Keller. Dieser Lebensstil sei nicht imstande, "den tiefgreifenden Wechsel herbeizuführen, der nötig ist, wenn wir die Lage der Marginalisierten wirklich verändern wollen".

Keller füllt mit seinem Buch den abstrakten Begriff Gerechtigkeit mit konkreten Inhalten. Er vergisst auch nicht zu warnen, dass Gerechtigkeit zu üben nicht einfach, sondern mit persönlichen Opfern verbunden ist. Doch gerade hier ruft er Christen auf, zu handeln und wirkliche Gerechtigkeit im Sinne von wirklicher Annahme der Ausgegrenzten zu leben. So konkret und allumfassend wird es sonst niemand machen können. (pro)

Timothy Keller: "Warum Gerechtigkeit? Gottes Großzügigkeit, soziales Handeln und was ich tun kann", Brunnen-Verlag 2012, 208 Seiten, 14,99 Euro, ISBN 978-3-7655-1179-0

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