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Gender-Streit um Edeka-Bratwurst

Wie geschlechterspezifisch darf Werbung sein? Um diese Frage ist nun ein medialer Streit entbrannt. Stein des Anstoßes ist eine Bratwurst für Frauen im Sortiment der Handelskette Edeka.

Von PRO

Foto: Alexander Raths/fotolia

Mögen Sie Ihre Bratwurst fettig, stark gewürzt und extra groß? Dann sind Sie wohl ein Mann. So zumindest sieht das die Handelskette Edeka und verkauft passend zur Grillsaison Öffnet externen Link in neuem Fenstergeschlechterspezifische Fleischprodukte. Die Packung der Frauenbratwurst ziert nicht nur ein halbnacktes Männermodel, das Grillgut ist außerdem laut Werbung besonders mager und mit Gemüse gefüllt. Die Variante für die Männer soll sich durch die Abbildung einer Frau im Minikleid auf der Packung besser verkaufen. Zudem ist sie „deftig gewürzt”.

Für die Öffnet externen Link in neuem FensterSüddeutsche Zeitung ist das „fleischgewordener Sexismus”. In einem am Freitag veröffentlichten Online-Text kritisiert Autorin Merle Sivers: „Was Edeka wohl für zielgruppengerechtes Marketing hält, entpuppt sich als dumpfer Sexismus.” Die Produkte suggerierten, dass „Männer gerne viel und herzhaft essen, während Frauen lieber Gemüse futtern und mehr auf ihre schlanke Linie achten”. Zwar stimmten diese Annahmen laut Kaufstatistiken sogar, den Geschlechterunterschied müsse Edeka dem Kunden aber nicht „aufs Brot schmieren” – beziehungsweise auf den Grill legen.

„Emanzipierte Frauen brauchen keine Frauen-Bratwurst”

Im Blog Öffnet externen Link in neuem Fenster„Aus Liebe zur Freiheit – Notizen zur Arbeit der sexuellen Differenz” hat die Journalistin Antje Schrupp einen offenen Brief ihrer Kollegin Susanne Enz an die Edeka-Gruppe veröffentlicht. Enz kritisiert, die Produktvermarktung weise eine hierarchische Rollenverteilung zugunsten der Männer auf: „Männer sind so, Frauen sind anders. Unterschiede sind in Stein gemeißelt. Frauen sollen gefallen, Männer dürfen genießen.” Weiter heißt es: „Sie bestimmen, dass diese Wurst zu mögen, mithin auch magere Produkte zu bevorzugen, ein Zeichen von Frausein ist. Frauen mögen diese Wurst. Weil Frauen ja dünn sein wollen. Frauen sind so.” Fraglich sei darüber hinaus, warum das Geschlecht beim Essen überhaupt eine thematische Rolle spielen sollte. Die Werbestrategie Edekas sei Ausdruck und Beförderer eines normativen Sexismus, der jedem Geschlecht eine richtige Rolle zuweise. „Und der prägt auch im kleinen, scheinbar belanglos-spielerischen Rahmen die Wahrnehmung der Menschen und steht der Gleichberechtigung der Geschlechter hartnäckig und nachhaltig im Weg”, schreibt Enz.

Auch eine Journalistin der Zeit widmet sich der Öffnet externen Link in neuem Fenster„Wurst-Frage”. „Edeka ist offenbar ein Anhänger der Geschlechterdifferenz”, folgert Autorin Tina Groll aus der Tatsache, dass die Männer-Bratwurst doppelt so viel Inhalt hat, das Fleischprodukt für die Frauen aber im Verhältnis teurer ist. Edeka rechtfertigt das allerdings mit dem qualitativ hochwertigeren Fleisch des teureren Produkts. „Emanzipierte Frauen brauchen keine Frauen-Bratwurst mit besonders viel Gemüse. Sie brauchen auch keine Nischen-Produkte, die ihnen einen Platz in der Gesellschaft zuschreiben oder eine Aussage darüber treffen, wie sie zu sein haben”, schreibt Groll und fügt hinzu: „Für emanzipierte Männer gilt das selbstverständlich ebenso.” (pro)

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