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„Gefällt mir“ reicht nicht

Auf Bild.de hat sich diese Woche ein leitender Redakteur zu seinem Glauben bekannt. Auch wenn man wenig von Bild hält: Dieses Zeugnis ist beispielhaft. Ein Kommentar von Jonathan Steinert
Von PRO
„Es gilt ein frei Geständnis in dieser unsrer Zeit, ein offenes Bekenntnis bei allem Widerstreit“, heißt es in einem alten Kirchenlied. Das gilt den Christen hierzulande nach wie vor

Foto: Pics money|Fotolia

„Es gilt ein frei Geständnis in dieser unsrer Zeit, ein offenes Bekenntnis bei allem Widerstreit“, heißt es in einem alten Kirchenlied. Das gilt den Christen hierzulande nach wie vor
Es war die Offenbarung der Woche: Daniel Böcking, stellvertretender Chefredakteur von Bild.de hat auf dem Online-Auftritt der Bild-Zeitung ein herzhaftes Glaubensbekenntnis abgelegt. „Warum ich mich heute als Christ outen will!“ überschrieb er seinen Beitrag und erklärte dann, wie ihn der Terror des Islamischen Staates (IS) gegen Christen persönlich trifft und was ihm sein Glaube an Jesus Christus bedeutet. „Für mich ist es Zeit, laut von der Liebe Gottes zu erzählen und von der Vergebung durch Jesus Christus.“ Das sind starke Worte – und das in einem Boulevardblatt! Genau der Umstand ist es, der manche stutzig werden lässt. Wie passt das zusammen: Ein Christ schreibt zum einen so offen über seinen Glauben und gleichzeitig verantwortet er an selber Stelle Inhalte in einem Medium, das regelmäßig Rügen vom Presserat einsteckt – weil es in seiner Berichterstattung ethische Maßstäbe verletzt? Nicht zu vergessen, wie offensiv Bild mit Sex-Themen und nackten Frauen nach der Aufmerksamkeit der Leser giert. Wo wird darin die christliche Nächstenliebe, die Barmherzigkeit, die Liebe Gottes sichtbar, von der Böcking schreibt? Das lässt Zweifel daran aufkommen, wie glaubwürdig sein Zeugnis ist.

Unser verschämtes Glaubens-Geständnis

Man kann ihm auch unterstellen, dass er sein Bekenntnis rein aus geschäftlichen Gründen veröffentlicht hat. Persönliches und Emotionen bringen Klicks. Aber Hand aufs Herz: Welcher Journalist fragt sich nicht, was für den Leser interessant ist? Das ist sein Beruf. Er hätte ihn verfehlt, wenn er an seinem Publikum vorbei schreiben würde. Dann wäre da noch diese Formulierung „als Christ outen“. Das erinnert an die sogenannten Coming-Outs von Homosexuellen und klingt, als würde Böcking ein gesellschaftliches Tabu brechen. Dabei könnte man in einer freien Gesellschaft auch einfach sagen: Ich bin Christ, du nicht, und das ist genauso okay. Wozu die Aufregung? Weil die Frage nach dem Glauben eine existenzielle ist. Nicht nur, weil es dabei um den Weg zur Seligkeit geht. Sondern weil das richtige oder falsche Glaubensbekenntnis an vielen Orten der Welt rein physisch zum Tod oder Überleben gereichen kann. Der IS führt uns das mit den Enthauptungen von Christen erschütternd vor Augen. In Deutschland ist das – Gott sei Dank – nicht der Fall. Trotzdem steigt uns doch so oft die Schamesröte ins Gesicht, wenn wir unseren Arbeitskollegen, Nachbarn, Sportskameraden gestehen, dass wir sonntags in den Gottesdienst gehen; dass wir an einen gekreuzigten, auferstandenen und lebendigen Jesus als Weg zum Heil glauben. Was würden wir erst sagen, wenn ein IS-Kämpfer uns das Messer an die Kehle legte?

Solidarität ist mehr als ein Klick

Es ist einfach, sich mit verfolgten Christen zu solidarisieren, indem man in den sozialen Netzwerken Hashtags teilt und sein „Gefällt mir“ unter Facebook-Posts setzt. Aber selber laut vom eigenen Glauben zu reden und ihn zu leben – das fällt uns ungleich schwerer. Doch das wäre ein viel deutlicheres Zeichen der Solidarität. Dann würde die Welt – und die bedrängten Christen – sehen: Es gibt noch mehr von der Sorte. Sie stehen zusammen. Und sie lassen sich den Glauben und den Mund nicht verbieten. Bei aller möglicher Kritik – Daniel Böcking hat das mit seinem Beitrag vorgemacht. Das sollten wir nicht wegdiskutieren. Machen wir es an unserem (Arbeits-)Platz nach. Es braucht dafür keinen Zeitungsartikel. Aber mit einem „Gefällt mir“ ist es auch nicht getan. (pro)
https://www.pro-medienmagazin.de/journalismus/detailansicht/aktuell/leitender-bild-redakteur-will-laut-von-jesus-christus-sprechen-91868/
https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/detailansicht/aktuell/aethiopier-demonstrieren-gegen-massaker-an-christen-91782/
https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/detailansicht/aktuell/is-miliz-zeigt-video-mit-enthauptung-91742/
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