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Gebt dem Publikum die Information

Die Herkunft von Straftätern nennen Journalisten normalerweise nur in bestimmten Fällen – um Ausländer vor pauschalen Diskriminierungen zu schützen. Die Sächsische Zeitung will das ändern. Davon werden nicht nur Migranten profitieren. Ein Kommentar von Jonathan Steinert
Von PRO
Welche Informationen über Straftäter müssen in die Berichterstattung? An der Frage nach der Herkunft scheiden sich die Geister der deutschen Jorunalisten.
Welche Informationen über Straftäter müssen in die Berichterstattung? An der Frage nach der Herkunft scheiden sich die Geister der deutschen Jorunalisten.
Die Sächsische Zeitung kündigte diese Woche an, ab sofort grundsätzlich die Herkunft von Kriminellen zu nennen, sofern sie bekannt ist. Das ist ein bemerkenswerter Vorstoß. Denn er bricht mit einer Richtlinie, die sich die journalistische Zunft im Pressekodex als ethische Orientierung selbst gegeben hat. Diese sieht vor, die Herkunft von Tätern nur zu nennen, wenn „ein begründeter Sachzusammenhang“ besteht. Wenn es also für das Verständnis des Sachverhalts hilfreich ist, diese Information zu kennen. Dahinter steckt die Idee, dass ethnische und religiöse Minderheiten vor Diskriminierung und pauschalen Vorurteilen geschützt werden sollen. Nach der Silvesternacht in Köln stand diese Praxis stark in der Kritik – auch vonseiten der Journalisten. Der Presserat hält jedoch nach wie vor daran fest. Aber aus den Redaktionen kommt Protest. „Gerade das Nichtnennen der Nationalität von Straftätern und Verdächtigen kann Raum für Gerüchte schaffen, die häufig genau denen schaden, die wir doch schützen möchten“, vermeldete die Sächsische Zeitung. Außerdem sei das Thema Ausländerkriminalität eine „besonders sensible Leser-Vertrauensfrage“. Wenn ein Medium die Herkunft verschweigt, steht es schnell im Verdacht, etwas vertuschen zu wollen.

Besser vor Diskriminierung geschützt

Dass die Sächsische Zeitung nun also in die Offensive geht, ist eine gute Entscheidung. Denn so wichtig das Anliegen des Presserates ist, so unklar kann es im Einzelfall bleiben, wann es dann gerechtfertigt ist, die Nationalität eines Täters zu nennen. Ab wann liegt ein „begründbarer Sachzusammenhang“ vor? Das ist letztlich eine Ermessenssache. Genauso ließe sich fragen, ob es notwendig zu wissen ist, wie alt ein Täter war, welches Geschlecht er hat, in welchem Familienstand er lebt. Der Schritt verhilft zudem dazu, dass die Debatte über den Umgang mit Straftaten von Migranten lebendig bleibt. Die Angst vor Vorurteilen führte selbst bei Betroffenen schon dazu, dass sie sexuelle Belästigung vonseiten ausländischer Männer verschwiegen haben, wie etwa die Tageszeitung Die Welt berichtete. Hier muss unsere Gesellschaft lernen, wie sie freiheitliche Werte konkret in der Begegnung mit Migranten, die diese Werte nicht kennen, kommuniziert. Wichtiger ist jedoch, dass damit Vorurteilen womöglich besser entgegengewirkt werden kann: Denn die Leser werden selbst sehen und überprüfen können, in wie vielen Fällen welche Herkunft eine Rolle spielt. Es wird weniger Raum für Spekulationen und Gerüchte geben. Und wenn Ausländerkriminalität zu einem Problem wird, wäre das genauso gut ablesbar. Gleichzeitig können die Medienskeptiker nicht mehr pauschal den Vorwurf erheben, Medien würden die Wahrheit vertuschen wollen. Deshalb ist es wichtig, das Vertrauen zu fördern – das des Publikums in die Medien ebenso wie das der Medien in die Kompetenz der Nutzer, Informationen für ihre Meinungsbildung nutzbar zu machen. (pro)
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