Es ist eine besondere Atmosphäre am Himmelfahrtstag vorige Woche in der dm-Arena auf dem Messegelände in Karlsruhe: So viele junge Christen, die beim „Open Doors“-Jugendtag bereit sind, einen Blick auf die „unbequemen“ Seiten des Glaubens zu richten: massivste Verfolgung. Die Hallen füllen sich rasant, es herrscht trotz des schweren Themas eine freudige Stimmung.
Um 10:30 Uhr beginnt die erste Session und man merkt sofort: Die Veranstalter haben sich wieder mächtig ins Zeug gelegt. Ein großes leuchtendes Kreuz in der Mitte des Saals, professionelle Video-Animationen, die in das Thema einführen, und die Outbreakband, die den Tag mit Lobpreis begleitet. Aber die Bühne gehört der verfolgten Kirche, wie Moderator Eugen sagt.
Würde ich standhaft bleiben?
Sechs Sprecher aus unterschiedlichen Ländern, die selbst Verfolgung erleben, teilen ihre Geschichten. Und die gehen unter die Haut. Sie erzählen von Bombenanschlägen, Arbeitslagern, Folter, Mord und Christen, die trotz alledem weiter von Jesus erzählen. Von einem Gott, der in all dem wirkt. Diese Zeugnisse hinterlassen unterschiedlichste Eindrücke in mir: Bedrückung, Angst, Hoffnung und Scham. Denn man kommt nicht drum herum, sich selbst die Frage zu stellen: Würde ich standhaft bleiben? Würde ich mein Leben geben, um Jesus treu zu bleiben?
Ich denke über mein eigenes Leben nach. Wie oft möchte man Menschen nicht auf die Füße treten, den eigenen Glauben nicht „aufzwingen“ oder einfach keine negativen Kommentare ernten, und schweigt dann lieber? Von diesen Christen zu hören, die gar nicht anders können, als anderen von Jesus zu erzählen, und die dafür unendliches Leid auf sich nehmen, lässt mich fragen: Wie? Woher kommt dieses Feuer, diese Opferbereitschaft?
Im Laufe des Tages formt sich in mir eine mögliche Antwort. Sie haben erkannt: Ich brauche Jesus. Für sie ist Jesus alles. Sie haben einen liebenden Gott erlebt, der ihnen Hoffnung schenkt und sie tiefgreifend verändert; sie erkennen, dass sie von ihm abhängig sind. Diese Christen, die da vor mir stehen, legen all ihr Vertrauen in Gott und sein Wort, in dem auch steht: „Im Übrigen sind Verfolgungen etwas, womit alle rechnen müssen, die zu Jesus Christus gehören und entschlossen sind, so zu leben, dass Gott geehrt wird.“ (2.Timotheus 3,12; Neue Genfer Übersetzung)
Ich muss auch an Matthäus 16,25 denken: „Denn wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es finden.“ Ja, es erfordert aktives Loslassen, Jesus nachzufolgen.
Hebt die Hände!
Mich ermutigt, wie freudig ein Pastor aus den Palästinensergebieten von Gottes Wirken erzählt. Trotz all dem Leid lächelt er, während er von Jugendlichen erzählt, die für die dortige Gegend beten und Hoffnung weitergeben wollen. Pastor Nihad ermutigt uns, „die Hände zu erheben“. Unsere Aufgabe als Christen in Deutschland sei es, zu beten. Und zwar beständig.
Diese Aufforderung zieht sich durch den ganzen Tag. Es mag überraschen, aber das ist es, wofür verfolgte Christen als erstes bitten: Gebet. Etwas, das uns gar nichts kostet, außer ein paar Minuten unserer Zeit. Etwas, dessen Macht ich oft selbst unterschätze, wie mir auffällt.
Wir sind eins
„Open Doors“ hat auch eine Ausstellung organisiert. Mittendrin ist ein Stand, um T-Shirts und Taschen zu bedrucken. Die Motive haben eine Aussage: „Wir sind eins.“ Ich merke, wie die Open Doors Tage eine Einheit schaffen, die es nicht immer gibt. Christen aus unterschiedlichen Denominationen, kommen zusammen, um für andere Christen in Not zu beten. Wir kommen zusammen als ein Leib. „Und wenn ein Glied leidet, dann leiden alle Glieder mit“ (1. Korinther 12, 26a).
Ich verlasse das Gelände mit einer neuen Perspektive, einem Auftrag: Unsere Glaubensgeschwister nicht zu vergessen, sondern beständig für sie zu beten und von ihnen zu lernen, mein Leben loszulassen, um es zu finden.