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“Fürchte dich nicht, deine Kirche zu kritisieren!”

Im "Zeit"-Ressort "Glauben und Zweifeln" haben bekannte Theologen erklärt, was die Aussage "Fürchtet euch nicht!" des Engels aus der Weihnachtsgeschichte für sie bedeutet. Petra Bahr sieht darin einen Aufruf gegen Fatalismus, Friedrich Schorlemmer einen Appell zum Widerstand.

Von PRO

Foto: Franz Mozer CC BY-SA 3.0/EKD/ Collage pro

"Fürchtet euch nicht!", sagt der Engel im Evangelium zu den Hirten, bevor sie losziehen und Christus suchen. Petra Bahr, die Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland, schreibt: "Fürchtet euch nicht vor den Weltuntergangspropheten, auch nicht vor denen, die in Pressekonferenzen und Talkshows sitzen oder auf Kanzeln stehen." Die Botschaft des Engels soll ihrer Meinung nach Mut machen. "Rechnet mit dem Unmöglichen: Die Liebe setzt sich durch." Der evangelische Theologe Friedrich Schorlemmer liest in dem Satz hingegen einen Aufruf zum Kampf gegen Ungerechtigkeit: "Fürchtet euch nicht? Doch! Fürchtet euch! Das ist die Botschaft: Geht gegen alles an, was Furcht macht, was Düsternis verbreitet, was Natur zerstört, was gnadenlos ausbeutet, was Brot vorenthält und Freiheit beschränkt, Denken verengt, destruktive Gefühle anheizt, was Geld herrschen und Macht entgleiten lässt!" Dann sei Weihnachten mehr als Idylle für einen Abend.

Der Jesuit Klaus Mertes, bekannt geworden durch die Aufdeckung der Missbrauchsfälle am Canisius-Kolleg in Berlin, empfindet die Worte als Hinweis auf die Notwendigkeit des Vertrauens in Gott. "Die Hirten sollen sich auf den Weg machen, ohne zu verstehen", schreibt er, und weiter: "Ich verstehe Weihnachten so, dass Vertrauen die Quelle des Lebens ist: Das Kind legt sich in die Arme der Menschheit. Damit fängt alles an. Das ermutigt dazu, auch selbst alles Bescheidwissen über Gott beiseite zu legen und rückblickend die Geschenke in den Blick zu nehmen, die unseren Lebensweg säumen."

"Die Angst wird nicht verschwinden, bei den Frommen ebenso wenig wie bei den Heiden. Sie wird eher größer, je älter wir werden. Viel schleppen wir mit uns herum. Aber das war bei den Hirten ja auch so", schreibt der evangelische Pfarrer Andreas Horn aus Leubnitz-Neuostra bei Dresden. Und der katholische Theologe und Kirchenkritiker Adolf Holl sieht sich in den Worten der Bibel bestätigt: "Die Aufforderung zur Furchtlosigkeit im Weihnachtsevangelium lese ich politisch, in meinem Fall religionspolitisch. Fürchte dich nicht, deine Zweifel zu bekennen! Fürchte dich nicht, deine Kirche zu kritisieren! Deshalb will ich mir meine kirchenkritische Haltung weiterhin leisten, in aller Ruhe." (pro)

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