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Fünfte Gewalt: Lobbyismus

Ist der Lobbyismus ein lästiges Nebenprodukt der Demokratie oder notwendiger Gegenspieler des Journalismus? Darüber haben Vertreter beider Seiten am Freitag bei der "Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands" in Berlin diskutiert. "Kienbaum"-Hauptstadtrepräsentant Thorsten Alsleben sprach sich gegen "Schwarz-Weiß-Bilder" aus.

Von PRO

Foto: Thomas von Stetten (fotolia)

Cerstin Gammelin, EU-Korrespondentin der "Süddeutschen Zeitung", bezeichnete den Lobbyismus als "fünfte Gewalt im Staat". Problematisch sei es, dass diese Macht im Gegensatz zur Politik nicht demokratisch legitimiert sei. "Selten steht auf einer Visitenkarte das Wort Lobbyist", beschrieb sie das Wirken dieser Meinungsvertreter im Hintergrund. Aufgabe der Lobbyisten sei es, Regierungsparteien, Nichtregierungsorganisationen, Ministerien und Wissenschaftler von den Interessen ihrer Arbeitgeber zu überzeugen. "Lobbyismus ist das, was übrig bleibt, wenn man der Politik die Ideale nimmt", sagte Gammelin.

Dagegen sprach sich der Hauptstadtrepräsentant der Unternehmensberatung "Kienbaum", Thorsten Alsleben, aus. Ebenso wie Lobbyisten gebe es auch interessengeleitete Journalisten. Das Bild sei keineswegs so "schwarz-weiß", wie von Gammelin dargestellt. Alsleben hat lange Jahre für das ZDF gearbeitet. Im Gespräch mit dem Chefredakteur der "Westfalenpost", Stefan Hans Kläsener, berichtete er von seiner Arbeit als Journalist und Lobbyist.

Schwund beim Journalismus

Unter Umständen sieht Alsleben im Lobbyismus dennoch eine Gefahr für die Demokratie. "Er kann gefährlich sein, wenn er überhand nimmt", sagte er. Ein Problem bestehe darin, dass auf der journalistischen Seite zunehmend abgebaut werde und Journalisten stärker in den PR-Bereich drängten, wo sie unter Umständen das Doppelte oder mehr verdienten. Legitim sei der Lobbyismus an sich aber schon. Politiker erhielten aus den unterschiedlichsten Bereichen Informationen, auch von Unternehmen und Interessenvertretungen. So könnten sie abwägen und zu einer Entscheidung kommen.

Alsleben beklagte einen Qualitätsverlust bei den Medien. Stellen von Fachjournalisten würden aus Finanzmangel gestrichen. Dadurch werde die Überwachungsfunktion durch die Medien immer weniger erfüllt. Leichter mache es auch das Internet nicht. Journalisten kämen heute zwar leichter an Informationen, dafür seien sie aber einer ständigen Informationsflut ausgesetzt und stünden unter stärkerem Zeitdruck.

"Ein völliges Versagen der Medien" sieht Alsleben etwa in der Berichterstattung über die Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche. An lediglich 0,1 Prozent aller Missbrauchsfälle seien nachweislich katholische Geistliche beteiligt. Die Presse habe aber den Eindruck vermittelt, die Kirche sei "eine Vereinigung von Päderasten". Alsleben erklärte dies unter anderem damit, dass Medienmacher eher antiklerikal seien.

"Wir wollen keine fehlerlosen Menschen"

"Bei jedem Skandal ist das wichtigste maximale Transparenz", riet Alsleben öffentlichen Personen und Unternehmen. Zum Fall Wulff erklärte er: Wenn der ehemalige Bundespräsident schon vor Weihnachten penibel alles offengelegt hätte, wäre er vielleicht noch im Amt. Bei der Krisenkommunikation müsse immer davon ausgegangen werden, dass alles herauskomme – danach müsse sich die Kommunikationsstrategie ausrichten. "Wir wollen keine fehlerlosen Menschen", sagte Alsleben. Notwendig sei aber öffentliche Reue und ein Fehlereingeständnis. (pro)

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