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Frieden im Nahen Osten Aufgabe der Ökumene

Wie können die unterschiedlichen Religionen im Nahen Osten friedlich zusammenleben? Fachleute haben sich in Berlin dafür ausgesprochen, jeweils die moderaten Kräfte zu stärken.
Von PRO
Erzbischof Ludwig Schick, Patriarch Béchara Pierre Kardinal Raï, Moderator Dirk Ansorge, Volker Kauder (v.l.n.r.) diskutierten über die „Zukunft der Christen im Nahen Osten“

Foto: pro / Norbert Schäfer

Erzbischof Ludwig Schick, Patriarch Béchara Pierre Kardinal Raï, Moderator Dirk Ansorge, Volker Kauder (v.l.n.r.) diskutierten über die „Zukunft der Christen im Nahen Osten“
Für viele Christen im Nahen und Mittleren Osten sind Einschränkungen der freien Religionsausübung und Verfolgung aufgrund des Glaubens keine abstrakten Themen. Die christlichen Kirchen in der Region befinden sich im Überlebenskampf. Gibt es Chancen für ein friedliches Zusammenleben der Religionen und ist ein starker Staat eine Garantie für Religionsfreiheit? Darüber haben am Dienstag der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick, Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Patriarch Béchara Pierre Raï (Beirut, Libanon), Maronitischer Patriarch von Antiochien und des ganzen Orients und der Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, in der Katholischen Akademie in Berlin diskutiert. Der libanesische Kardinalbischof Béchara Pierre Raï hielt den Einsatz westlicher Truppen in Syrien nicht für ein geeignetes Mittel, um in der Region Frieden zu erreichen. Seiner Ansicht nach wäre es falsch, wenn sich europäische Soldaten in der Region bewegten. Dies würde die Stellung der Christen in der Region enorm schwächen. Raï plädierte für die Einrichtung von Sicherheitszonen für Flüchtlinge aller Religionen in der Region. Zur Sicherung dieser Zonen dürften allerdings keine europäischen Soldaten zum Einsatz kommen. „Christen können auch friedlich in einem muslimischen Staat leben“, erklärte Raï und warnte davor, ein Feindbild des Islam aufzubauen.

Kauder: Christen in Lebensgefahr

„Ja, Christen können in jedem Land leben. Ob sie auch in jedem Land überleben können, wage ich zu bezweifeln“, erklärte der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Volker Kauder, der auch in der Errichtung von Sicherheitszonen Probleme sieht. „Sicherheitszonen sind Festungen. Wer das leisten soll, erschließt sich mir nicht“, sagte der Unionspolitiker. In Syrien komme man nur zu einer Lösung, wenn es am Ende keine Verlierer gäbe. Als „Horror“ bezeichnete Kauder die Vorstellung, Syrien in einen schiitisch und einen sunnitisch geführten Gottesstaat aufzuspalten. Es gebe in einem solchen Gebilde letztlich keinen Platz für andere Religionen und Minderheiten. Kauder plädierte dafür, in den islamischen Ländern ein Bewusstsein für Staatsbürgerschaft zu schaffen und das subjektive Recht aller auf Religionsfreiheit zu schützen. Man müsse beispielsweise zu der Erkenntnis gelangen: „Zuerst sind wir alle Ägypter, erst dann haben wir unterschiedliche Religionen“. Dabei gelte es, auch das kulturelle Gedächtnis einer Religion zu berücksichtigen. Die Chancen auf eine Befriedung der Region allein durch demokratische Wahlen bewertete Kauder als gering. „Es wird auch in Zukunft Christen im Orient geben“, sagte er, allerdings dürfe man in der derzeitigen Situation keine schnellen Lösungen erwarten.

Erzbischof: Frieden ist ökumenischer Auftrag

„Der Frieden im Nahen Osten ist ein ökumenischer Auftrag“, sagte der Erzbischof von Bamberg, Ludwig Schick. Dazu müsse neben den Kirchen und der Politik auch die Wirtschaft ihren Beitrag leisten. Schick nannte die Geschehnisse im Nahen Osten als einen Grund dafür, noch einmal neu über den interreligiösen Dialog nachzudenken. Er begrüßte den Dialog zwischen den Religionen, wies aber auch auf den Missionsbefehl hin: „Unser Auftrag ist, zu evangelisieren. Wir wollen die Botschaft Christi zu den Menschen bringen“, sagte er. In den Bemühungen um Frieden gelte es, die Botschaft Jesu „ernst zu nehmen“ und auf eine Versöhnung hinzuwirken. Vordringliches Ziel für den Fortbestand christlicher Kultur und christlicher Kirchen in Syrien und der gesamten Region sei es, die Destabilisierung des Gebietes durch den IS aufzuhalten. Kauder ergänzte: „Es muss der Krieg und der Terror in Syrien beendet werden“, und gestand ein, dass Deutschland und Europa dazu alleine nur begrenzten Einfluss und Möglichkeiten hätten. Ohne ein Zusammenwirken der USA und Russlands in der Krise und in den Anstrengungen um Frieden sei in absehbarer Zeit keine Beendigung des Konfliktes möglich. Kauder äußerte sich auch verhalten zum Einsatz militärischer Mittel. „Wir dürfen keinen Religionskrieg zwischen Christen und Muslimen führen“, sagte er. Seiner Ansicht nach sollten die moderaten Kräfte in der Region gestärkt werden. (pro)
www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/detailansicht/aktuell/pentagon-deutscher-is-dschihadist-cuspert-ist-tot-93870/
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