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Frey: Journalismus braucht immer wieder Selbstkritik

Ist alles erlaubt, was Quote macht? Mit dieser Frage haben sich hochrangige Theologen und Journalisten in einem Forum im Rahmen des Katholikentags in Leipzig beschäftigt.
Von PRO
Für ZDF-Chefredakteur Peter Frey müssen TV-Zuschauer sich nicht gut fühlen, sondern besser informiert (Archivbild)

Foto: ZDF/Carmen Sauerbrei

Für ZDF-Chefredakteur Peter Frey müssen TV-Zuschauer sich nicht gut fühlen, sondern besser informiert (Archivbild)
ZDF-Chefredakteur Peter Frey hat auf dem Katholikentags in Leipzig kritisiert, dass in sozialen Medien eine Verrohung der Sitten stattfinde, „die vor Häme und Hass nicht Halt macht“. Das wirke sich auf das öffentliche Klima aus. Der Journalist mahnte auch zur Vorsicht im Umgang mit dem Begriff „Lügenpresse“. Dieser werde von Feinden der Demokratie benutzt und sollte nicht den Diskurs beherrschen. Trotzdem habe Journalismus eine kritische Funktion. Zudem benötige er immer wieder Selbstkritik, erklärte Frey. Gute Politiker hielten Satire auch aus. Auf die Frage, warum in den Nachrichten zu wenig gute Nachrichten vermeldet wurden, antwortete Frey: „Sie sollen sich nicht wohlfühlen nach unseren Sendungen, sondern besser informiert.“

„Wer sich nicht geliebt weiß, sucht Anerkennung“

Der Passauer Bischof Stefan Oster sagte, dass Spott und Satire auch eine biblische Komponente hätten. Schon im Neuen Testament seien Menschen Angriffen ausgesetzt gewesen, ohne dass sie zurückgeschlagen hätten. Oster bemängelte zudem einen generellen Verlust von gegenseitigem Vertrauen: „Wer sich nicht geliebt weiß, sucht Anerkennung.“ Er kritisierte die Medien dafür, dass sie „häufig stärker emotionalisieren als informieren“. Moderatorin Maybrit Illner outete sich als Anhängerin der politischen Satire: „Trotzdem sendet es Pfeile ab, die oft im Herzen und im Kopf der Menschen landen. Häufig griffen Menschen zu Satire, „wenn man etwas hilflos gegenüber steht. Es ist in der Regel ein Ausdruck, dass man den Druck einer Autorität nicht aushält.“ Als kritisch sah Maybritt Illner es, dass man bestimmte Dinge als alternativlos darstelle: „Das glaube ich nicht.“

Dingen auf den Grund gehen und genügend absichern

Der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff betonte, dass Satire ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten gut beherrschen müsse. Dazu gehöre, dass sie gut gelinge und Spaß mache. Für christliche Journalisten gebe es aus seiner Sicht keine Sondermoral: „Auch christliche Journalisten müssen sich bewusst machen, dass sein Gegenüber eine Person ist, der ich immer Achtung schenke.“ Dies bedeute niemanden verächtlich zu machen oder schlecht recherchierte Artikel zu veröffentlichen: „Wir müssen den Dingen auf den Grund gehen und sie genügend absichern.“ Der Bonner Medienrechtler Gernot Lehr, der auch den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff medienrechtlich vertreten hatte, bezeichnete Satire als absolutes Grundrecht: „Satire muss stattfinden können. Dabei sollte die Person nicht unsäglich herabgesetzt werden.“ Lehr verdeutlichte, dass häufig auch unbegründete Attacken beim Verdacht eines Fehlverhaltens gefahren würden. Lehr wünschte sich, dass es im Nachhinein zu wenig Korrektur gebe. Ein Platz in der Runde hatten die Verantwortlichen bewusst leer gelassen. Dieser sei dem Blogger Heinrich Schmitz gewidmet. Er hatte seine journalistische Arbeit beendet, nachdem er und seine Familien Morddrohungen erhalten hatten. Es dürfe nicht sein, dass jemand wegen seiner ehrlichen Meinung im Gefängnis lande, kritisierte Moderator Joachim Frank. (pro)
https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/veranstaltungen/detailansicht/aktuell/die-frage-nach-der-glaubwuerdigkeit-der-medien-95713/
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