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Frauen weltweit Opfer von Gewalt

TV-Moderatorin Maria von Welser macht mit ihrem Buch „Wo Frauen nichts wert sind“ auf Gewalt und Diskriminierung gegen Frauen aufmerksam. Recherchiert hat sie in Afghanistan, Indien und Ost-Kongo. Eine Rezension von Mira Wiessalla
Von PRO
Maria von Welser im Gespräch mit einer afghanischen Frau über deren Situation
Maria von Welser im Gespräch mit einer afghanischen Frau über deren Situation
Maria von Welser trägt in ihrem Buch die Leidenszeugnisse von Frauen und Mädchen zusammen und stellt ihre Rechercheergebnisse in einen größeren, globalen Zusammenhang. Es gehe, so der Anspruch der Autorin, um die weltweite Gewalt gegen Frauen, die von patriarchalen, armen und korrupten Staaten und ihren kriegerischen Auseinandersetzungen maßgeblich gefördert oder begünstigt werde. Die Gründerin und erste Moderatorin des ZDF-Magazins „ML Mona Lisa“ scheut sich nicht, die Dinge beim Namen zu nennen. So beschreibt sie beispielsweise detailliert die in mehreren afrikanischen und fernöstlichen Regionen noch immer praktizierte weibliche Genitalverstümmelung. Meist ohne Narkose werden dabei, je nach Form der Beschneidung, die Klitoris sowie die inneren und äußeren Schamlippen entfernt und die Vagina anschließend zugenäht. Die Praktik ist mittlerweile in zahlreichen Staaten gesetzlich verboten.

Indische „Kerosinbräute“ nach der Hochzeit angezündet

Eine besonders interessante Begegnung der Autorin ist die mit Kamla Bhasin, der Vorsitzenden einer indischen Frauenrechtsorganisation. Die Gruppe klärt junge Inderinnen über ihre Rechte und Möglichkeiten auf. Bhasin sieht Gewalt als eine Frage der Macht und führt den „wachsenden Machismo der Männer“ auf „Gewehre, Sex und nackte Frauen“ zurück. Neben den Erfahrungen und Erlebnissen ihrer Gesprächspartner gibt von Welser wichtige Hintergrundformationen zu Afghanistan, Indien, dem Kongo und Bosnien. Sie klärt über das „brain drain“ Afghanistans auf, eine Tendenz der gebildeten Jugend, für bessere Ausbildungs- und Berufschancen ins Ausland abzuwandern. Außerdem macht von Welser auf das „dowry burning“ aufmerksam, wonach indische Ehefrauen aufgrund ihrer vermeintlich zu geringen Mitgift von den Schwiegereltern oder Ehemännern angezündet werden. Diese Frauen werden im Volksmund auch „Kerosinbräute“ genannt und ihr Tod häufig als Selbstmord ausgegeben.

Lesenswerte Berichte, die betroffen machen

Es ist von Welser gelungen, die Leser mit auf ihre Reise zu nehmen und sie dadurch mit den Gegebenheiten der Länder, „wo Frauen nichts wert sind“, vertraut zu machen. Von Welser führt die zum Teil grausamen Erlebnisse ihrer Gesprächspartnerinnen anschaulich aus. Allerdings geht sie dabei gelegentlich zu weit, etwa, wenn sie in aller Ausführlichkeit beschreibt, wie eine Dorfbewohnerin gezwungen wird, einen Soldaten sexuell zu befriedigen. Andererseits machen gerade solche Beispiele zur sexualisierten Gewalt deutlich, wie schrecklich die Ungerechtigkeit ist, die Frauen und Mädchen in vielen Ländern erleiden müssen. Außerdem versteht von Welser zu differenzieren und das Unrecht nicht plump dem muslimischen Glauben oder Koran zuzuschreiben. Die Autorin möchte mit ihrem Buch Hoffnung auf positive Veränderung machen, indem sie erfolgreiche Initiativen von Frauenorganisationen und Privatpersonen vorstellt und „starke Frauenstimmen“ zu Wort kommen lässt. Sicherlich lässt sich über einige kulturelle und sozialpolitische Einschätzungen der Journalistin streiten. So wird von Welser beispielsweise von ihren afghanischen Gesprächspartnerinnen aufgefordert, lieber über die mangelnden Ausbildungschancen der Afghaninnen zu berichten, statt über das beengende Tragegefühl einer Burka. Dennoch leistet ihr Buch einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung, wie es vielen Frauen in weiten Teilen dieser Welt ergeht. Mit Nachdruck ruft Maria von Welser die UN-Mitgliedsstaaten auf, Frauenrechte stärker zu fördern – das Recht auf Bildung und Beruf, Grund- und Erbbesitz, Selbstbestimmung und körperliche Unversehrtheit. Mit ihrem „Buch der Wut, des Zorns und der Hoffnung“ möchte von Welser, wie sie selber sagt, den Betroffenen eine Stimme verleihen und die Leser wachrütteln, „damit niemand je sagen kann, er habe es nicht gewusst“. Von Welsers Ausführungen sind keine leichte Kost, aber gerade deswegen eine empfehlenswerte Lektüre. (pro) Maria von Welser: „Wo Frauen nichts wert sind: Vom weltweiten Terror gegen Mädchen und Frauen“, Ludwig-Verlag, 320 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3453280601
https://www.pro-medienmagazin.de/journalismus/detailansicht/aktuell/klare-worte-sind-etwas-wunderbares-79772/
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