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Franziskus will mehr Ökumene

Papst Franziskus will sich verstärkt für einen ökumenischen Dialog einsetzen. Das sagte das katholische Kirchenoberhaupt am Mittwoch vor zahlreichen Kirchen- und Religionsvertretern im Vatikan. Unter den Gästen war auch der Theologe Thomas Schirrmacher.
Von PRO

Foto: L’Osservatore Romano

„Ich schätze Eure Anwesenheit sehr, darin sehe ich ein greifbares Zeichen des Willens, in gegenseitiger Achtung und Zusammenarbeit für das gemeinsame Wohl zu wachsen“, sagte der neugewählte Papst laut Radio Vatikan. Daher wolle er seinen Willen bekräftigen, nach dem Vorbild seiner Vorgänger den „Weg des ökumenischen Gesprächs“ zu gehen und intensiv voranzutreiben. Franziskus hat darüber hinaus neben der katholischen auch „die anderen Kirchen“ und Religionen begrüßt, vor allem Vertreter des jüdischen Volkes sowie die anwesenden Muslime.

Der Theologe Thomas Schirrmacher hat als Leiter der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA) sowohl an der Amtseinführung am Dienstag, als auch an der Audienz teilgenommen. „Franziskus’ Bekenntnis zur ökumenischen Zusammenarbeit und zur Notwendigkeit fortgesetzter Gespräche über theologische Gemeinsamkeiten und Unterschiede wurde deutlicher denn je formuliert und kam spürbar von Herzen“, sagte Schirrmacher.

Über die Rolle, die die Evangelische Allianz in Rom mittlerweile spiele, zeigte Schirrmacher sich erfreut: "Die Weltweite Evangelische Allianz wird in Rom und Genf ganz natürlich als Vertretung von 600 Millionen Christen wahr- und ernst genommen. Das ist nicht die Folge irgendeiner theologischen Veränderung der Evangelikalen, die auch niemand erwartet, sondern ganz einfach die Folge unserer Existenz und Größe." Franziskus’ Vorgänger hätten die WEA nicht auf Anhieb gekannt, war Schirrmachers Beobachtung in den vergangenen Jahren. Dies habe sich gewandelt. „Die Evangelikalen als eine Sorte Christen zu sehen, die man anders behandeln müsse als andere, war dem Papst völlig fremd“, erklärte er.

Auch die Machtdistanz habe sich mit dem neuen Papst deutlich verringert, schildert der Theologe seinen Eindruck. So habe der Papst beispielsweise nicht wie üblich zwei Stufen über den anderen Anwesenden gesessen, sondern auf einer Ebene. Auch sei der rotgoldene Stuhl, der normalerweise zu diesem feierlichen Anlass genutzt werde, im Nebenraum geblieben. „Der Papst saß wie alle anderen auch auf einem ganz normalen Stuhl“, berichtet er. „Diese Symbole zeigen, dass der Papst auf Prunk und Macht verzichten möchte.“

Ebenso habe Franziskus sichtbar alte Traditionen gelockert. Beispielsweise habe er in der Papstmesse nicht gesungen, da er dies jüngeren Stimmen überlassen wolle; stattdessen habe er die entsprechenden Texte vorgelesen. „Auf diese Weise hat der Papst eine Jahrhunderte alte Tradition beendet“, sagte Schirrmacher gegenüber pro. Dies bekräftige seinen Eindruck, dass die katholische Kirche keinesfalls nur eingefahrenen Mustern folge. „Hier kann und wird sich in den kommenden Jahren etwas bewegen.“

Einigkeit im Kampf gegen Christenverfolgung

In einem kurzen Gespräch habe er dem Papst empfohlen, das Thema Christenverfolgung in Zukunft verstärkt aufzugreifen und im Vatikan institutionell zu verankern. „Das stieß auf Sympathie, zumal der Papst sich als Erzbischof bereits mehrfach hinter evangelikale Aktionen zugunsten inhaftierter Christen gestellt hat. Hier erhoffe ich mir echte Fortschritte“, betonte er.

„Im Vatikan herrscht Aufbruchstimmung“, bilanziert Schirrmacher. „Natürlich wird der Papst manchen Worten und symbolischen Akten auch Taten folgen lassen müssen, aber man traut ihm zu, die von Benedikt XVI. geforderte ‚Entweltlichung’ in Gang zu setzen, die Probleme der Kurie energisch anzupacken und jeder Art von Doppelmoral, etwa im Umgang mit sexuellem Missbrauch, den Kampf anzusagen.“

Neben Schirrmacher nahm unter anderem auch der Internationale Direktor der WEA, Geoff Tunnicliffe, an der Audienz teil. (pro)

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