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Franziskus ist „der richtige Papst zum richtigen Zeitpunkt“

Der frühere Bundespräsident Christian Wulff hat Papst Franziskus im Vatikan besucht. In einem Interview der Zeit-Beilage Christ und Welt schildert er seine Eindrücke und erklärt, warum er das Oberhaupt der katholischen Kirche für den „richtigen Papst zum richtigen Zeitpunkt“ hält.
Von PRO
Christian Wulff hat nach seiner Rückkehr aus dem Vatikan der Zeit-Beilage Christ und Welt ein langes Interview zur Situation in der Katholischen Kirche gegeben

Foto: pro/Jonathan Steinert

Christian Wulff hat nach seiner Rückkehr aus dem Vatikan der Zeit-Beilage Christ und Welt ein langes Interview zur Situation in der Katholischen Kirche gegeben

Der frühere Bundespräsident Christian Wulff hat Papst Franziskus im Vatikan besucht. Ihn habe der Besuch „innerlich unglaublich gestärkt und motiviert“, sich für den Glauben und die Belange der Kirche einzusetzen, sagte das frühere Staatsoberhaupt. Dazu gehöre es auch, dass er für den Papst bete.

Er habe dem Papst gesagt, wie viel Unterstützung er in Deutschland tatsächlich hat. Wulff vermutet, dass diesbezüglich im Vatikan Zerrbilder ankämen. Aus Wulffs Sicht sei es dem amtierenden Oberhaupt der Katholischen Kirche gelungen, die Ergebnisse des Zweiten Vatikanischen Konzils zu Ende zu denken. Franziskus nehme eine konsequente Haltung ein, indem er die Menschen als Schöpfung erkenne, „gleich und gleichberechtigt“.

„Franziskus lehnt Kampf der Kulturen ab“

In der aktuellen Enzyklika „Fratelli tutti“ sieht Wulff großes Potenzial. Der Papst lehne darin den Kampf der Kulturen ab und setze sich stattdessen für eine gegenseitige Wertschätzung der Religionen ein. Dazu trügen Sätze bei wie „Gottes Liebe ist für jeden Menschen gleich, unabhängig von seiner Religion.“. Um das Potenzial der Enzyklika auf den Platz zu bringen, brauche es Geschlossenheit und Sendungsbewusstsein. Die genannte Wertschätzung schließe nicht den „Anspruch von Weltreligionen aus, zu missionieren und vom eigenen Glaubensverständnis überzeugt zu sein“.

Wulff verdeutlicht, dass der Papst viele Feinde hat, die „ihn als Häretiker oder als Kommunisten“ abstempelten. Gegen die „Netzwerke rechter Traditionalisten“ brauche es mutige Menschen wie Franziskus: „Er ist der richtige Papst zum richtigen Zeitpunkt.“ Im Kampf gegen die islamistische Gefahr dürfe die Grenze nicht zwischen den Religionen gezogen werden, sondern zwischen denen, die den Frieden wollen, und denen, die ihn gefährden: „Ich halte Franziskus für unglaublich hilfreich. Dieser Papst hat Mut und macht Mut.“

Mitten im Leben und nah bei den Menschen

Im Interview plädiert Wulff dafür, Frauen in der Katholischen Kirche nicht als Lückenfüller zu definieren. Frauen sollten aus seiner Sicht auch auf die Kanzel dürfen, damit er ihren Blick auf die Bibel erfahre. Wulff wünscht sich eine Kirche, die mitten im Leben und nah bei den Menschen steht. Eine Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz wäre diesbezüglich schon ein tolles Signal. Auch eine Päpstin würde der frühere Politiker begrüßen.

Wegen der Aufklärung sexualisierter Gewalt durch Kleriker wünsche er sich vor allem Transparenz, Ehrlichkeit und Dialog: „Die katholische Kirche muss aufklären, auch wenn es wehtut.“ Die Geste von Bischof Heiner Wilmer, der sich vor den Opfern hingeworfen hat, empfand Wulff als wertvoll. Nun gehe es darum, den Schaden wiedergutzumachen und Glaubwürdigkeit und Vertrauen zu gewinnen: „Man darf uns Katholiken nicht für dumm verkaufen.“

Ihm persönlich gebe sein Glaube Halt. Dass in seiner Heimatstadt Osnabrück Protestantismus und Katholizismus in etwa gleich stark gewesen seien, „das macht tolerant“. In Bezug auf die Ökumene habe er Papst Franziskus gebeten, „dem Synodalen Weg von Zentralkomitee und Bischofskonferenz zu vertrauen. Und nicht auf jene zu hören, die Misstrauen säen“. Viele Katholiken wünschten sich „mehr Aufgeschlossenheit, mehr Mut, mehr Debatte“ in ihrer Kirche.

Christsein ist: zu kommen, wenn einer am Boden liegt

Für Wulff selbst ist das Osterereignis prägend geworden. In seiner Amtszeit als Bundespräsident habe er nach dem „Hosianna“ viel Ablehnung und Häme erlebt: „95 Prozent aller Briefe, die mich unterstützt und begleitet haben – jenseits der Muslime –, waren christlich inspiriert. Vom Glauben getragene Menschen wollten sogar im Falle der Verurteilung die Strafzahlung übernehmen. Das ist christlich: zu kommen, wenn einer am Boden liegt, der Nächstenliebe braucht. Deshalb trage ich meinen christlichen Glauben auch nach außen. Auch weil er mir selber so geholfen hat.“

Von: Johannes Blöcher-Weil

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