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FR: Jesuit fordert Religionsfreiheit

Der Respekt vor dem Glauben der Anderen muss die Grundlage im interreligiösen Dialog sein. Diese Meinung vertritt der Sekretär der katholischen Deutschen Bischofskonferenz und Jesuitenpater, Hans Langendörfer. In einem Interview in der Dienstagsausgabe der Frankfurter Rundschau (FR) betont er außerdem das Recht von Muslimen auf einen Übertritt zum Christentum. 
Von PRO

Foto: Pro / DBK

Langendörfer wies in dem Gespräch mit FR-Redakteur Joachim Frank darauf
hin,  dass der Religionswechsel in Deutschland zwar grundsätzlich
einfacher sei als in einigen muslimischen Ländern, in denen ein solches
Recht nicht gegeben ist. Aber auch hier seien "Unverständnis, Druck
aus Familien und persönlichem Umfeld, auch Ausgrenzungen schon deutlich
spürbar". Dabei sieht er den  Religionswechsel "untrennbar verbunden
mit der Frage nach der Religionsfreiheit, einem der ganz großen Themen
unserer Zeit".

Aus diesem Grund sei "Religionsfreiheit für die katholische Kirche das oberste Gebot". Alle Menschen, so die Forderung des Bischofs, "sollen die uneingeschränkte Freiheit" haben, sich der katholischen Kirche anschließen zu dürfen. Kirchengemeinden fordert der Jesuitenpater dazu auf, die Glaubensüberzeugungen anderer zu achten: "Das ist das Erste und Wichtigste, gerade weil wir den eigenen Glauben ernst nehmen". Für viele Christen sei es längst nicht selbstverständlich, dass die katholische Kirche so deutlich für das Recht auf Religionsfreiheit auch der Muslime eintrete, obwohl Christen in vielen muslimischen Ländern dieses Recht nicht genössen.

Er plädierte auch dafür, gegenüber Muslimen sensibel und zurückhaltend zu sein, statt offensiv für das Christentum zu werben. Damit würden Christen keinesfalls ihre eigenen Überzeugungen aufgegeben. Ganz im Gegenteil bekennt Langendörfer: "Ein glaubwürdiges Leben als Christ entfaltet von selbst eine werbende Kraft. Der Begriff Mission bedeutet für uns Zeugnis zu geben, Rede und Antwort zu stehen, wenn wir gefragt sind, offen zu sein für alle, die zu uns kommen wollen."

Bischofskonferenz legt Leitschrift vor

Anlass für das Interview ist die von der katholischen Kirche Anfang des Monats veröffentlichte Broschüre "Christus aus Liebe verkündigen. Zur Begleitung von Taufbewerbern mit muslimischem Hintergrund". Das 70 Seiten umfassende Papier will Hilfestellungen für die oftmals problematischen Umstände eines Religionswechsels vom Islam zum Christentum geben. "Unser Ziel ist wesentlich ein pastorales. Behutsamkeit und Rücksicht auf die familiären Umstände, aus denen ein muslimischer Taufbewerber kommt. Die Angehörigen sollten Gelegenheit haben, sich in Ruhe auf diese Situation einzulassen", beschreibt Langdörfer, der seit 1996 den Vorsitz der Bischofskonferenz bekleidet, das Ziel der Broschüre. Deshalb müsse jede Form von Eile und Hast ausgeschlossen sein. Wichtig sei auch eine enge Verbindung der Taufbewerber zu einer lebendigen Gemeinde.

Im Jahr 2007 wurden nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz bundesweit 150 Taufbewerbungen mit muslimischem Hintergrund erfasst. Das sind etwa 4 Prozent der jährlich rund 3.500 Erwachsenentaufen innerhalb der katholischen Kirche. Die Dunkelziffer wird von Fachleuten aber auf etwa 200 Fälle pro Jahr geschätzt. Die Bischofsschrift nennt die Angst vor schroffen Reaktionen und die "Gefahren für Leib und Leben" als mögliche Gründe für das Missverhältnis. Die Broschüre ist beim Bischöflichen Generalvikariat in Hildesheim erhältlich. (PRO)

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