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Fotos auf Facebook: Auch Kinder haben Privatsphäre

Die Hagener Polizei ruft gegen das Posten von Kinderfotos bei Facebook auf. Damit animiert sie zu einem verantwortungsvollen Umgang mit dem Netzwerk. Eltern sind online beim Veröffentlichen von Fotos ihrer Kinder mitunter unvorsichtig. Das kann die Sicherheit des Kindes gefährden. Ein Kommentar von Martina Schubert
Von PRO
Eltern wollen ihr Umfeld am Aufwachsen ihres Kindes teilhaben lassen. Leider passiert das bei Facebook oft ohne entsprechende Sicherheitsvorkehrungen
Eltern wollen ihr Umfeld am Aufwachsen ihres Kindes teilhaben lassen. Leider passiert das bei Facebook oft ohne entsprechende Sicherheitsvorkehrungen
„Hören Sie bitte auf, Fotos Ihrer Kinder für jedermann sichtbar bei Facebook und Co zu posten! – Auch Ihre Kinder haben eine Privatsphäre!“ Mit diesen Worten wendet sich die Hagener Polizei diese Woche auf Facebook an ihre Fans. Daneben ist ein mit einem fetten roten Kreuz durchgestrichenes Bild eines kleinen Mädchens zu sehen. Der Post macht auf ein herrschendes Problem in den sozialen Netzwerken aufmerksam und kommt gut an. Die kleine Sarah posiert in ihrem süßen neuen Kleidchen, Jakob pustet die fünf Kerzen seiner Geburtstagstorte aus, die Zwillinge Timo und Elisabeth tollen während des Badeurlaubs nackt am Ostseestrand herum. Diese Motive sind frei erfunden. Doch fast jeder Facebook-Nutzer hat mit Sicherheit bereits solche von den stolzen Eltern veröffentlichte Fotos in seiner Timeline gesehen. Dass Eltern ihr Umfeld am Aufwachsen ihres Kindes teilhaben lassen wollen, ist verständlich. Leider passiert das bei Facebook oft unvorsichtig und ohne entsprechende Sicherheitsvorkehrungen. Mitunter ist die Privatsphäre eines Profils auf „öffentlich“ gestellt. Damit sind Bilder für jedermann frei zugänglich, auch für Betrachter, die nicht mit den Eltern auf Facebook befreundet oder überhaupt beim Netzwerk registriert sind. Darauf weist Facebook seine Nutzer sogar hin. Unter dem Punkt „Teilen deiner Inhalte und Informationen“ heißt es: „Wenn du die Einstellung ‚Öffentlich‘ bei der Veröffentlichung von Inhalten oder Informationen verwendest, können alle Personen, einschließlich solcher, die Facebook nicht nutzen, auf diese Informationen zugreifen, sie verwenden und sie mit dir assoziieren.“ – Doch oft sind wir zu bequem, die Geschäftsbedingungen zu lesen. Für Fotos und Videos, „die du auf beziehungsweise im Zusammenhang mit Facebook postest“, überträgt der Nutzer seine Rechte an Facebook und erlaubt dem Netzwerk zudem, die Inhalte weiterzuverwenden. Für Interpretation über die Konsequenzen ist hier viel Spielraum. Hinzu kommt, dass im Netz bleibt, was dort einmal veröffentlicht wurde. Zwar gibt es Wege, die eigenen Spuren im Internet zu löschen, diese sind aber oft langwierig und nicht immer erfolgsversprechend. Die Phrase „Das Internet vergisst nie“ sollte sich jeder Nutzer bewusst machen.

Mobbing und Pädophilie: Fotos können für Kinder zur Gefahr werden

Die Hagener Polizei warnt zudem: Heute seien die Bilder süß, in ein paar Jahren den Kindern gegebenenfalls peinlich oder mit den Fotos könnten die Heranwachsenden gemobbt werden. Noch schlimmer: Pädophil veranlagte Menschen bedienten sich solcher Fotos und nutzten sie für ihre Zwecke oder veröffentlichten sie an anderer Stelle. Das Kind hat ein Recht am eigenen Bild. Stellvertretend für die Jungen und Mädchen haben die Eltern dieses Recht wahrzunehmen, bis sie volljährig sind. Gerade weil Eltern ihre Töchter und Söhne lieben, wollen sie sie schützen. Viele vergessen dabei, dass dazu auch der Schutz der Privatsphäre der Kinder gehört. Der am Dienstag veröffentlichte Post der Hagener Polizei wurde bis Freitagmorgen über 240.000 Mal auf Facebook geteilt und hat laut Polizei über 11 Millionen Menschen erreicht. Hier zeigt sich: Virale Kommunikation ist schnell und effektiv. Es ist positiv, dass mit dem Post ein wichtiger Handlungshinweis an einen großen Teil der Netzgemeinde gelangt ist. Ein nächster Schritt ist, ihn umzusetzen und keine Kinderfotos mehr zu veröffentlichen. Hoffentlich dient er vielen Nutzern auch als Warnung, um sich genauer mit den Einstellungen der Privatsphäre zu befassen und somit die sozialen Netzwerke kompetent und verantwortungsvoll zu nutzen. (pro)
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