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Forscher: Computersucht macht Jugendliche depressiv

Jugendliche, die exzessiv den Computer für Internet und Spiele nutzen, sind mehr als doppelt so sehr gefährdet, an Depressionen zu leiden, wie andere Altersgenossen. Zu diesem Ergebnis sind chinesische und australische Forscher gekommen. Das Krankheitsbild Internetsucht sei aber immer noch nicht eindeutig definiert, mahnen Ärzte.
Von PRO

Foto: Paul Walsh

Die Forscher untersuchten 1.000 Teenager im Durchschnittsalter von 15 Jahren und beobachteten sie über ein Jahr lang. Be jenen mit problematisch-exzessiver Internetnutzung war die Depressionsgefahr zweieinhalb mal so hoch wie beim Durchschnitt. Davon berichten die Forscher in den "Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine", der ältesten Zeitschrift für Kinderheilkunde der Vereinigten Staaten.

Bereits im Februar verkündeten Forscher der University of Leeds nach einer Online-Befragung, dass sie einen  Zusammenhang zwischen Internetsucht und Depression vermuten. "Kinder und Jugendliche fliehen oft in exzessives Spielen, wenn sie mit der realen Lebenswelt nicht mehr zurechtkommen. Das Zurückkommen von dort ist dann ernüchternd", sagte Armin Köppe von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen gegenüber dem Nachrichtendienst "Pressetext".

Jugendlichen nicht "Suchtstempel" aufdrücken

Depressive Verstimmungen können mit Sucht allgemein zusammenhängen. Darauf weist Bernd Dillinger vom österreichischen Institut zur Prävention von Onlinesucht (IPOS) hin. "Was davon zuerst kommt, ist nicht geklärt. Allerdings kann das Internet auch eine positive Ressource sein, wenn die Depression jeglichen Antrieb nimmt", so der Experte gegenüber "Pressetext". Den Begriff "Internetsucht" sollte man vorsichtig gebrauchen, sobald es Jugendliche betrifft, mahnt Dillinger. "Exzessives Verhalten und das Ausloten eigener Grenzen sind in der Jugend häufig. Sie betreffen nicht nur Computer und Internet, sondern oft auch das Fortgehen oder den Alkoholkonsum. Mit dem Erwachsenwerden verschwinden sie meist wieder. Bevor man einem jungen Menschen vorschnell den Suchtstempel aufdrückt, ist es besser, von problematischen Verhaltensweisen mit erhöhtem Suchtrisiko zu sprechen."

Die Wissenschaft ist sich in der Bewertung von suchtartigem Spielen, Chatten und Pornografie im Internet in der Tat noch uneins. Dennoch sollte man Onlinesucht deshalb nicht unterschätzen, sagen Experten. Auf eine Sucht könnten unterschiedliche Symptome hinweisen, wie etwa viel Zeit online, der Verlust des Zeitgefühls, das Übersehen existenzieller Bedürfnisse oder Entzugssymptome ohne Web-Zugang. In China und Südkorea soll es bereits mehrere Todesfälle unter Jugendlichen aufgrund der modernen Suchtform gegeben haben. "Die Erforschung des Phänomens ist deshalb in diesen Ländern schon weiter fortgeschritten als in Europa", so Köppe.

"400.000 Menschen in Deutschland und 40.000 in Österreich dürften davon betroffen sein", sagte Raphael Bonelli, Veranstalter der Fachtagung zur Internetsexsucht, im April gegenüber "Pressetext". Der US-Psychiater Jerald J. Block geht etwa davon aus, dass der Internetgebrauch drei krankhafte Untertypen hervorrufen kann, nämlich suchtartiges Online-Gaming, exzessives Chatten oder E-Mail-Schreiben sowie die Internet-Sexsucht.

Dennoch ist die Internetsucht  noch nicht im Erstentwurf der 2013 erscheinenden Neuauflage des Handbuches Psychischer Störungen vorgesehen, berichtet das deutsche Ärzteblatt. Der Forschungsstand dazu sei noch nicht ausreichend, so die Begründung. (pro)

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