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Flüchtlinge: Machen es sich die Kirchen zu einfach?

Die Forderungen der Kirchen in der Flüchtlingskrise seien anmaßend, findet die Vorstandsvorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin, Barbara John. In einem Streitgespräch im Deutschlandfunk sprach sie am Dienstag mit Wolfgang Beck, einem Sprecher des „Wortes zum Sonntag“. Der erwiderte, Christen täten auch privat sehr viel Konkretes.
Von PRO
„Auch Jesus war ein Flüchtlingskind“ lautet der Titel der DLF-Radiosendung zur Flüchtlingspolitik der Kirchen vom Dienstag
„Auch Jesus war ein Flüchtlingskind“ lautet der Titel der DLF-Radiosendung zur Flüchtlingspolitik der Kirchen vom Dienstag
Barbara John, die 22 Jahre lang Ausländerbeauftragte des Berliner Senats war, bezeichnete die Kirchen für Forderungen in der Flüchtlingspolitik als „anmaßend“. Sie kritisierte dabei vor allem die „hochgestochene theologische Sprache“, die sich unangreifbar mache, sagte John, die auch Kolumnistin der Zeitung Tagesspiegel ist. Die Flüchtlingspolitik sei eine ernste Sache, die in ihren Möglichkeiten durchdacht werden müsse. Doch mit vielen Aussagen der Kirchenvertreter könne man oftmals nicht konkret etwas anfangen. In der Radiosendung „Tag für Tag“ des Deutschlandfunks hatte am Dienstag die Journalistin Christiane Florin John mit Wolfgang Beck zusammengebracht, der Juniorprofessor an der Hochschule Sankt Georgen und Sprecher des „Wortes zum Sonntag“ ist. Sie diskutierten die Fragen: „Machen es sich die Kirchen in der Flüchtlingspolitik zu einfach? Vertreten sie naive Positionen, die im politischen Alltag nicht helfen?“ Schon im Alten Testament sei die Flucht von zentraler Bedeutung, etwa beim Exodus, der Flucht der Israeliten aus Ägypten. Und auch Jesus sei, kaum geboren, schon auf der Flucht gewesen. „Flucht, Vertreibung, und Migration gehören zur großen Erzählung des Christentums“, hieß es in der Sendung. „Da fällt es nicht schwer zu verstehen, warum sich besonders Christen in der Flüchtlingshilfe engagieren.“ Sie hätten damit schon begonnen, „lange bevor das Thema medial so groß wurde“. Die öffentlichen Vertreter der Kirchen wüssten dabei offenbar genau, wo bei der Flüchtlingsfrage die Guten, und wo die Bösen stehen.

Kirchen können Staat nicht ersetzen

Der katholische Priester Wolfgang Beck erwiderte auf den Vorwurf, dass sich die Kirchen zu viel zur Flüchtlingsproblematik äußern: „Was wäre denn die Alternative?“ Im Gegenteil sei er der Meinung, dass sich die Kirche in möglichst viele öffentliche Debatten einmischen sollte. Eine Kirche, die öffentlich für die Schwachen eintrete, sei ein hohes Gut. Beck sagte weiter, Christen zeigten sehr viel praktische Hilfe, und redeten nicht nur. Die katholischen Bistümer hätten über 100 Millionen Euro in der aktuellen Krisensituation bereitgestellt, so Beck. Seine eigene Kirchengemeinde habe eine Familie aus Syrien aufgenommen. Ein derartiges privates Engagement gebe es in vielen Gemeinden, doch dieses tauche nicht in den öffentlichen Statistiken auf. Beck betonte aber auch: „Die Kirchen sind nicht dafür da, die staatlichen Aufgaben der Solidargemeinschaft zu übernehmen, sondern genau die einzufordern.“ (pro)
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