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Fliegt RTL aus dem Kreißsaal?

Hat der Fernsehsender RTL die Grenze des guten Geschmacks überschritten? Der Berliner Senat meint: Ja – und hat das neueste Reality-Format zunächst aus dem Verkehr gezogen. Die Dreharbeiten zu „Babyboom – Willkommen im Leben“ wurden durch einen Senatsbeschluss gestoppt.
Von PRO

Foto: Thosten Kühne / Wikipedia

RTL filmt seit einigen Tagen im Krankenhaus Friedrichshain die Geburten von Babys und das Leben junger Familien. Mütter, die damit einverstanden sind, sollten ihre Babys in abgetrennten Bereichen der Entbindungsstation zur Welt bringen. Berlins Gesundheitssenator, Mario Czaja (CDU), wies die Geschäftsführung des landeseigenen Krankenhaus-Konzerns Vivantes an, die Filmarbeiten bis zur Aufsichtsratssitzung am 20. März zu unterbrechen.

Senat ahnungslos?

Laut der Zeitung Berliner Morgenpost soll der Aufsichtsrat, dem auch Vertreter des Berliner Senats angehören, von dem geplanten TV-Projekt gar nichts gewusst und erst durch die Medien davon erfahren haben. Der Drehstopp diene dazu, die Rechte der Kinder und Angestellten zu wahren. Dies sei derzeit nicht der Fall, erklärte Senatssprecher Bernhard Schodrowski. Czaja sieht dies genauso: „Die Intimsphäre und die allgemeinen Persönlichkeitsrechte des Kindes sehe ich hier in Gefahr“, zitiert ihn die Berliner Morgenpost.

Der Sender selbst wurde von dieser Entscheidung nach eigenen Angaben überrascht: „Sämtliche Rechtefragen wurden weit im Vorfeld und in enger Zusammenarbeit zwischen Produzent und Klinik geklärt. Wir gehen daher davon aus, dass die Dreharbeiten weitergehen können“, sagte RTL-Sprecherin Anke Eickmeyer. Auch Vivantes habe nach ihrem Kenntnisstand bisher noch keine Weisung erhalten.

In der Stellungnahme des Klinikkonzerns heißt es, dass alle klinischen und juristischen Fragen berücksichtigt worden seien. Dazu gehöre vor allem die Zustimmung aller Beteiligten. Das Fernsehformat geht zurück auf eine Adaption der britischen Sendung „One Born Every Minute“, die in der vierten Staffel läuft. Neben aller Kritik wurde sie dort mit dem Preis der Britischen Akademie der Film- und Fernsehkunst ausgezeichnet. Auch in Frankreich und Amerika gibt es Umsetzungen des Formats.

Die Menschen und ihre Geschichten

RTL schreibt in seiner Pressemitteilung zur Sendung: „Wir wollen schlicht die Menschen und ihre Geschichten zeigen, die Mitarbeiter und werdenden Eltern.“ Wie viel Geld die Teilnehmer bekommen, behält RTL für sich. Werdende Mütter konnten sich für das Format bewerben, mussten aber der Begleitung der Geburt mit ferngesteuerten Kameras zustimmen. (pro)

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