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Fliege: “Ich will meine Sünden behalten

Für den ehemaligen Fernsehpfarrer Jürgen Fliege ist Jesus nicht am Kreuz gestorben. Das sagte der ehemalige Beauftragte der Evangelischen Kirche beim privaten Fernsehsender Sat.1 in einem Interview mit dem Magazin "Chrismon plus Rheinland". Seine Sünden wolle er behalten.
Von PRO

Foto: Ingo Stöldt / Wikipedia

"Alle lieben Margot Käßmann. Sie auch, Herr Fliege?", fragte "Chrismon plus Rheinland" den bekannten Talkshow-Pfarrer, der vor zwei Monaten offiziell in den Ruhestand ging. "Nein, ich nicht", antwortete Fliege. Er könne aber verstehen, warum so viele sie mögen.

Käßmann rede "Klartext in gesellschaftlichen und politischen Fragen", etwa als sie in ihrer Neujahrspredigt gesagt habe: "Nichts ist gut in Afghanistan". Ebenso auf dem Ökumenischen Kirchentag, als sie sagte: "Die Pille ist ein Gottesgeschenk". Fliege: "Sie spricht Dinge an, über die in der Kirche sonst nicht gesprochen wird. Es ist wie bei einem Stich ins Wespennest. Was dadurch ans Licht kommt, finde ich wunderbar."

"Neurotisches Programm der evangelischen Kirche"

Ihre Sprache sei volksnah. "Sie ist der Anselm Grün der evangelischen Kirche." Aber wenn sie vor Theologen spreche, habe sie "doch wieder die Dogmensprache drauf". Fliege weiter: "Theologisch reitet sie allerdings keine Attacken. Käßmann ist immer noch das wohltemperierte Klavier der evangelischen Kirche, die an Blut-, Sühne- und Schuldtheologie nicht rüttelt." Ihre Theologie sei "schwach wie die ihrer Vorgänger. Sie hält an dem ganzen neurotischen Programm der evangelischen Kirche fest".

Als Chrismon nachhakt: "Wie bitte? Neurotisch?", antwortet der Talkmaster: "Der lebendige Christus ist für mich wichtiger als der ans Kreuz genagelte. Für mich ist der nicht ans Kreuz gegangen. Und der nimmt auch nicht alle meine Sünden. Die will ich behalten. Die Sünden sind die Misthaufen meines Lebens, daraus wächst etwas. Wer über Jesu Blut predigt, wird auch Blut ernten. Was wir brauchen, ist eine Frömmigkeit des dritten Jahrtausends."

Die evangelische Kirche erscheine ihm zudem "beratungsresistent". Das spirituelle Erbe der Kirche müsse "wieder ganz neu entdeckt werden". Fliege fügt hinzu: "Nur ein Beispiel: Zum Beten steht man auf, zum Singen setzt man sich hin. Genau umgekehrt müsste es sein."

Jürgen Fliege war ordinierter Pfarrer der rheinischen Kirche. Er war von 1994 bis 2005 Moderator der gleichnamigen Talkshow in der ARD, die wegen Zuschauerschwund abgesetzt wurde. In einem Interview 1999 bezeichnete er Gott als "den alten Gangster da oben" und als "Gauner da oben". Ab 2006 moderierte er eine fünfstündige Show namens "Flieges Welt" beim Call-in-Kanal "Help TV", die 2008 eingestellt wurde. Mittlerweile wird die Sendung "Fliege-TV" als Livestream oder Abrufvideo im Internet angeboten. Darin beschäftigt er sich mit übersinnlichen Phänomenen, Nahtoderfahrungen, Engelerscheinungen oder alternativen Heilmethoden. Jürgen Fliege ist zudem Herausgeber des Monatsmagazins "Fliege – Die Zeitschrift" und betreibt eine Stiftung, die in Not geratene Menschen unterstützt. Er hat über 20 Bücher geschrieben, seine neuesten Publikationen heißen "Die Heilkraft des Wassers" und "Ach, steh noch einmal auf, du toter Gott!". Im Jahr 2009 erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Das Magazin "chrismon plus Rheinland" hat die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann zum Titelthema ihrer Juli-Ausgabe gemacht. Es hat unter anderem den Kabarettisten Jürgen Becker und den Direktor des Deutschen Digital Instituts Berlin, Jo Groebel, zu ihrer Meinung zu Käßmann befragt. (pro)
http://www.scribd.com/doc/33490991/chrismon-plus-rheinland-Ausgabe-Juli-2010
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