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Flexible Arbeitsplätze und Zeit für Kinder

Deutsche wünschen sich, dass der Staat weniger Schulden macht und die Arbeitslosigkeit bekämpft. Privat steht vor allem der Wunsch nach mehr Zeit für die Familie im Vordergrund. Bundesfamilienministerin Kristina Köhler hat heute die Ergebnisse des Familienmonitors 2010 vorgestellt.
Von PRO

Foto: fotolia / Monkey Business

Kristina Schröder und Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie in Allensbach, stellten in Berlin den Monitor Familienleben 2010 vor. Für die Monitor-Umfrage im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend befragte das Institut für Demoskopie Allensbach im gesamten Bundesgebiet insgesamt 1.814 Personen, darunter 435 Mütter und Väter mit Kindern unter 18 Jahren. Als wichtigste Erwartung an den Staat formulieren 85 Prozent der Befragten die Eindämmung der Arbeitslosigkeit. Der Monitor zeigt außerdem deutlich, dass die Wirtschafts- und Finanzkrise die Deutschen weiterhin beschäftigt: 72 Prozent sehen die Ankurbelung der Konjunktur als dringlichste Aufgabe, 62 Prozent der Befragten wünschen sich vom Staat die Eindämmung der Staatsverschuldung. Eine Verbesserung des Bildungssystems halten 65 Prozent der Befragten für erforderlich.

Die Familie ist für 78 Prozent der Befragten der Lebensmittelpunkt. Damit wird der Familie eine höhere Bedeutung zuerkannt als der Gesundheit, der finanziellen Sicherheit, der Beziehung zu Freunden und Bekannten oder auch der Arbeit. Für Befragte mit Kindern ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein Kernthema der Familienpolitik. 69 Prozent der Gesamtbevölkerung und 78 Prozent der jungen Eltern finden, dass hier der Schwerpunkt der Familienpolitik liegen sollte.

"Zeit ist die Leitwährung der modernen Gesellschaft"

Lediglich 21 Prozent der Bevölkerung haben den Eindruck, dass sich Familie und Beruf in Deutschland gut vereinbaren lassen. 63 Prozent finden, die Vereinbarkeit sei "nicht so gut". Knapp die Hälfte der Mütter von Kindern unter drei Jahren finden, dass sich Beruf und Kinderbetreuung nicht gut miteinander kombinieren lassen. Dagegen sagen Mütter, deren Kinder sechs Jahre oder älter sind, zu 60 Prozent, dass sie eine gute Balance zwischen Beruf und Familie gefunden haben.

"Wie zufrieden die Familien sind, hängt ganz besonders davon ab, ob sie genug Zeit mit ihren Kindern und Angehörigen verbringen können. Zeit ist die Leitwährung der modernen Gesellschaft", sagte die Ministerin bei der Präsentation der Studienergebnisse in Berlin. Sie kündigte den Start der Initiative „Flexible Arbeitszeiten“ im Herbst 2010 an. Gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer will das Bundesfamilienministerium mehr „vollzeitnahe Teilzeitstellen“ für Mütter und Väter schaffen. "Die Qualität der geleisteten Arbeit sollte wichtiger sein als die Präsenz eines Mitarbeiters", zitiert die Süddeutsche Zeitung die Ministerin.

Dies scheint den Wünschen der Eltern entgegenzukommen: Viele Eltern sehen die Lösung des Problems in familienfreundlicheren Arbeitsmodellen. 65 Prozent sprachen sich dafür aus, dass Familienpolitik die Betriebe unterstützen soll, mehr für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu tun.

53 Prozent der betroffenen Eltern denken, eine stärkere finanzielle Förderung würde den empfundenen Erwerbsdruck verringern. Dies würde Eltern erlauben, weniger Stunden zu arbeiten und mehr Zeit zusammen mit ihren Kindern zu verbringen. Die Hälfte der Befragten sprach sich dafür aus, das Angebot an Kinderkrippen auszubauen sowie das Ganztagsangebot von Kindergärten und Schulen auszubauen.

Väter wünschen sich mehr Teilzeitangebote

60 Prozent der Väter würden gerne ihre Arbeitszeit reduzieren, um mehr Zeit für ihre Kinder zu haben. Allerdings denken viele, dass den Vätern ein familienfreundliches Verhalten noch immer nicht leicht gemacht wird. 56 Prozent der Gesamtbevölkerung und 64 Prozent der Väter von Kindern unter 18 Jahren haben den Eindruck, dass die Betriebe es nicht gerne sähen, wenn Väter zur Betreuung ihrer Kinder Elternzeit beanspruchen. 51 Prozent der Väter befürchten berufliche Nachteile durch Teilzeitarbeit. Gute Noten gab es für die Vätermonate. Etwa drei Viertel der Väter empfanden ihre Familienphase vor allem als Bereicherung (72 Prozent). Diese Einschätzung variiert offenbar sehr. Die Vorstellung, dass die Elternzeit auch eine Bereicherung für die Väter bedeutet, und ihnen hilft, ihre Erfahrungswelt zu erweitern, wird laut dem Monitor in den gehobenen Schichten häufiger vertreten als in der Mittel- und der Unterschicht.

Familie erstrebenswertes Ziel für viele

Entgegen mancher Vorurteile stellen sich jüngere Leute ihr zukünftiges Leben nicht nur als wohlstandsorientiertes Single- oder Paar-Dasein ohne Kinder vor. Die allermeisten von ihnen streben nach wie vor eine Familie mit Mutter, Vater und Kindern an. 52 Prozent möchten bestimmt einmal Kinder haben, 26 Prozent vielleicht.

Als unabdingbare Voraussetzungen für die Geburt eines Kindes gelten für die große Mehrheit der jüngeren Leute unter 45 Jahren heute der Kinderwunsch beider Partner (83 Prozent) sowie, dass beide sich reif für Kinder fühlen (74 Prozent). 60 Prozent halten es für sehr wichtig, dass die Partnerschaft auf Dauer angelegt sei, dass beide sich also sicher sind, den richtigen Partner gefunden zu haben.

Allerdings geht der Kinderwunsch auch mit dem Wunsch nach finanzieller Sicherheit einher. 66 Prozent der jüngeren Leute unter 45 Jahren halten es für unabdingbar, dass wenigstens einer der Partner vor der Geburt in einer beruflich gesicherten Position ist, 56 Prozent, dass die finanzielle Situation gut ist.

Zum ersten Mal wurde auch das Thema Integration in den Fragenkatalog aufgenommen: 65 Prozent der Bevölkerung sind mit der bisherigen Integration von Zuwanderern und Ausländern unzufrieden: 19 Prozent empfinden sie als gar nicht gut und 46 Prozent als weniger gut. Knapp 80 Prozent sind aber der Ansicht, dass sich Zuwanderer und Ausländer „weniger stark“ oder „gar nicht“ selbst um eine bessere Integration bemühen.

Die Ergebnisse des Monitors Familienleben sind für die deutsche Bevölkerung ab 16 Jahre repräsentativ. Der Familienmonitor wurde zum dritten Mal durchgeführt.(pro)

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