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Filmfestspiele in Venedig – auch Kirchen vergeben Preise

Der Radiosender Bayern2 hat am Montag in seiner Sendereihe „Theo.Logik - Über Gott und die Welt“ das Verhältnis von Kirche und Kino beleuchtet. Anlass sind die 70. Internationalen Filmfestspiele in Venedig, die am Mittwoch beginnen.
Von PRO

Foto: Sailko / wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Auf internationalen Filmfestivals sind die protestantische und die katholische Kirche jeweils mit eigenen Jurys vertreten und zeichnen Filme mit eigenen, unabhängigen Preisen aus.

Charles Martig ist Filmbeauftragter der schweizer Bischofskonferenz. Der studierte Theologe und Medienwissenschaftler ist zudem Mitglied des Schweizerischen Verbandes der Filmjournalisten (SVFJ) und Mitglied in der Kommission für Kommunikation und Medienarbeit der Schweizer Bischofskonferenz. Er gab in der Sendung „Theo.Logik“ einen Einblick in die kirchliche Filmarbeit. Martig organisiert Film-Jurys für die 2001 gegründete „Signis“, die katholische Weltvereinigung für Kommunikation. „Signis“ zeichne Filme aus, die einen besonderen Blick auf die Welt haben sollen. Die Jury bewerte neben ethischen Perspektiven und sozialen Fragen auch Religion und Spiritualität im Film. Martig zufolge habe der Vatikan in den 1930er-Jahren eine Kontrollfunktion ausgeübt, sich seit den 1970er-Jahren jedoch hin zu einer wertschätzenden Filmkritik entwickelt.

Protestanten und Katholiken haben je eine eigene Jury

In den 1970er-Jahren seien die kirchlichen Filmjurys auch unter ökumenischen Gesichtspunkten zusammengestellt worden. Gegen eine gemeinsame Filmjury spreche derzeit noch die kulturelle Dominanz der katholischen Kirche in Venedig, die eine ökumenische Kooperation dort sehr erschwere. In Venedig vergibt das protestantische Pendant zu Signis, die „Interfilm“, daher einen eigenen Preis.

Deutscher Film bewirbt sich um den „Goldenen Löwen“

Insgesamt 20 Filme laufen ab Mittwoch im Hauptwettbewerb um den „Goldenen Löwen“, darunter erstmalig zwei Dokumentarfilme. Auch eine deutsche Produktion steht mit auf dem Programm. Ein Film, im dem Kirche und Religion eine Rolle spielen, wird am Mittwoch bereits vor der offiziellen Eröffnung gezeigt. Der Film „Die andere Heimat“ des deutschen Autors und Regisseurs Edgar Reitz handle von dem Dorf Schabbach im Hunsrück Mitte des 19. Jahrhunderts, in einer Zeit, in der viele Deutsche aufgrund von Hunger und Elend auswanderten. In dem Ort spiele die Kirche eine große Rolle als Sinnstifter und Orientierungsgeber. Reitz schildere in dem Film die Rolle der Kirche im 19. Jahrhundert. Der Kulturkritiker Moritz Hohlfelder sagte, dass im vergangenen Jahr Filme mit religiösen Inhalten eine größere Rollen spielten als in diesem Jahr. Sechs bis sieben Filme hätten sich demnach 2012 mit Religion und Kirche beschäftigt. Darunter der Film „The Master“, der eine sektenähnliche Gruppierung in Anlehnung an Scientology zum Thema gehabt habe (pro berichtete). Gewinner des „Goldenen Löwen“ der letztjährigen Festspiele sein der Film „Pieta“ gewesen, der eine südkoreanische Mutter inszenierte und als Motiv die Vergebung von Schuld behandelte.

Kino ist Sinnsuche

Der Kulturkritiker Moritz Hohlfelder sieht im Film ein „Nachdenken über die Welt in der wir leben“. Da komme man an Religion und Kirche nicht vorbei. Kino, das könne man anhand verschiedener Arbeiten von Kinohistorikern erkennen, sei durch die Ansprechhaltung selbst so etwas wie Sinnsuche. Je schwieriger die Zeiten, desto intensiver würde diese Sinnsuche auch betrieben. Ein Kinobesuch habe religiöse Züge, es gebe Verbindungen zwischen Kirche und Kino. Die Kinogemeinde versammle sich etwa vor der Leinwand und lausche einer Art Predigt, einem Film, und werde dadurch angeregt, sich selbst Gedanken zu machen über die eigene Existenz, über das Leben.

Kirche und Kino zwischen Hoffnung und Angst

Die Sendung arbeitet das Verhältnis von Kirche, vor allem der katholischen Kirche, zum Kino anhand eines geschichtlichen Abrisses  beginnend mit der Zeit des Nationalsozialismus, auf und beschreibt exemplarisch deren ambivalentes Verhältnis bis heute.

Nach Auffassung der Moderatorin Frederike Weede passten Kirche und Kino gut zueinander, da beide Geschichten erzählten, moralisch würden und von Transzendenz handelten. Sie vermittelten eine Utopie, einen Einblick in eine Welt, die auch ganz anders aussehen könne.

Das Verhältnis von Kino und Kirche sei jedoch nicht immer frei von Spannungen gewesen. So habe Kirche schon früh die Faszination  und die Suggestivkraft des Mediums erkannt. Man filmte beispielsweise 1898 Papst Leo XIII. im Auftrag der amerikanischen Bischöfe bei einem Spaziergang in den vatikanischen Gärten. Erst 1895 hatten die Brüder Lumière den Film erfunden. Die Bilder sollten den amerikanischen Gläubigen einen Eindruck vom Papst vermitteln.
Das Medium Film sei bereits früh von den Kirchen für Mission und Verkündigung genutzt worden, allerdings habe man einen allgemeinen Sittenverfall befürchtet und sei dem Medium mit Misstrauen begegnet. Das neue Medium habe bei der katholischen Kirche gleichsam Hoffnungen und Ängste ausgelöst, sagt der Historiker und Autor des Buches „Kirche und Kino“, Christian Kuchler. So sei Kirche bis zur Erfindung des Kinos die einzige Institution gewesen, die den Menschen die Welt erklärt habe.

Enzyklika "Über die Lichtspiele"

1912 habe die katholische Kirche die Vorführung von Filmen in der Kirche verboten, die Massenwirksamkeit des Kinos sei der Kirche nicht geheuer gewesen. Das Kino sei in den Augen der Kirche ein tendenziell sündiges Medium gewesen. Erkennen könne man dies in der 1936 veröffentlichten Enzyklika „Über die Lichtspiele“ aus der Feder von Pius XI. Der Papst prangerte darin die üble Wirkung unmoralischer Filme an. Das Kino sei in den Augen der Kirche moralisch zu kontrollieren. So wurden in den 1920er und 1930er Jahren etwa Pfarreikinos eingerichtet und katholische Filmzeitschriften herausgegeben mit dem Ziel, die Filmvorführungen im Sinne der katholischen Morallehre zu beeinflussen. In der Zeit des Nationalsozialismus habe die katholische Kirche manche Kritik geübt. So habe etwa der Bischof von Münster, Clemens August Graf von Galen, 1941 mit einem Hirtenwort gegen eine Film protestiert, mittels dessen die Nationalsozialisten versuchten, die Euthanasie zu rechtfertigen. Die katholische Kirche habe teilweise versucht, die Film-Propaganda der Nazis zu entkräften. Allerdings habe sie zur filmischen Propaganda der Judenverfolgung, etwa durch den Film „Jud Süß“, geschwiegen und keine Kritik geübt. (pro)

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